• Der Lockdown in Deutschland ist bis zum 7. März verlängert.
  • Michael Kretschmer, Sachsens Ministerpräsident, sorgt mir seiner Aussage zum Osterurlaub für reichlich Diskussionen
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat Osterurlaub in Deutschland wegen der Corona-Pandemie ausgeschlossen und damit eine Debatte entfacht. „Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen. Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben“, sagte Kretschmer der „Bild am Sonntag“. Er warnte, durch eine zu große Mobilität würden die Erfolge bei der Pandemie-Bekämpfung zerstört. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), hielten sich hingegen mit Prognosen zurück.
Kretschmer sagte, eine zu große Mobilität bereits im April wäre „Gift“. „Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben“, warnte der CDU-Politiker. Eine Rückkehr zur Normalität wie im vergangenen Herbst würde zu einer „Explosion der Infektionszahlen“ wie im November und Dezember führen.
Lockerungen müssten vorsichtig und Schritt für Schritt erfolgen, sagte Kretschmer. „Gaststätten und Hotels werden in Sachsen auch über Ostern geschlossen sein müssen.“

Karl Lauterbach unterstützt Kretschmers Aussagen

Unterstützung erhielt Kretschmer vom SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr Osterurlaub machen können“, sagte Lauterbach der „Welt“ (Montagausgabe). Die Osterwochen müssten genutzt werden, „mit möglichst geringen Kontakten die noch immer drohende dritte Welle mit den gefährlichen Mutationen abzuwenden“.
Auch der Tourismusbeauftragte Bareiß hatte sich vor gut fünf Wochen skeptisch gezeigt, ob Urlaub in den Osterferien wieder möglich sein wird. Mit Besserung rechne er erst ab den Pfingstferien, sagte der Tourismusbeauftragte Mitte Januar dem Sender RTL/n-tv. Auch jetzt wagt Bareiß keine Prognosen, riet aber, die Entwicklung abzuwarten. „Ostern ist ja erst am 4. April“, schrieb er am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Markus Söder: Klug und „Schritt für Schritt“ agieren

Auch Söder verwies darauf, dass Ostern erst „ungefähr in sieben Wochen“ sei. Es gehe darum, klug und Schritt für Schritt zu agieren. „Das gilt für diejenigen, die jetzt schon sagen, was fürs nächste halbe Jahr nicht gehen sollte, als auch für diejenigen, die sagen, es muss sofort alles geöffnet werden“, sagte Söder am Sonntag bei einem Besuch am Grenzübergang Schirnding.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) will den Osterurlaub bislang nicht in Frage stellen. Die Ministerpräsidenten hätten einen klaren Fahrplan verabredet, um eine Öffnungsstrategie auch für die Bereiche Gastronomie und Beherbergung zu erarbeiten. „Ich halte nichts davon, dies nicht mal eine Woche später infrage zu stellen“, sagte Günther der „Welt“. „Unser Ziel muss es sein, ein anderes Ostern erleben zu können als im vergangenen Jahr.“
Der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst erklärte, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit seien „rechtlich nur zulässig, wenn sie bei der Pandemiebekämpfung wirksam und verhältnismäßig sind“. „Gehen die Zahlen weiter deutlich zurück, kann niemand am Urlaub gehindert werden“, schrieb er auf Twitter.
Auch der Verband der Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern warnte vor verfrühten Entscheidungen. Sollte die Inzidenzwert auf einen Wert von unter 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen zurückgedrängt werden, „dann muss zu Ostern das Reisen innerhalb Deutschlands unter gewissen Voraussetzungen erlaubt werden“, erklärte Verbandspräsident Daniel Rousta am Sonntag. Es gebe Hygienekonzepte und eine lückenlose Kontaktverfolgung, die in den Ferienwohnungen und Ferienhäusern gewährleistet werden könne.
Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, hat sich gegen Osterurlaub in Deutschland ausgesprochen
Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen, hat sich gegen Osterurlaub in Deutschland ausgesprochen
© Foto: Robert Michael/dpa

Osterurlaub 2021: Dehoga kritisiert Kretschmers Vorstoß

Die Diskussion um Urlaubsreisen an Ostern in Deutschland verärgert Gastgewerbe und Tourismus. „Die pauschale Absage des Osterurlaubs ist völlig inakzeptabel und ein erneuter Schlag ins Gesicht der Branche“, kritisierte Guido Zöllick, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) am Montag. Vorstöße wie die des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer sorgten für massive Empörung. Der Deutsche Tourismusverband kritisierte: „Immer wieder neue Spekulationen über Öffnungstermine für den Tourismus an Ostern sind unverantwortlich.“
Der Hotel- und Gaststättenverband forderte konkrete Öffnungsperspektiven für die Branche. Spätestens bei der nächsten Bund-Länder-Runde zum weiteren Vorgehen in der Pandemie am 3. März müsse es einen Fahrplan geben, wann, wie und unter welchen Voraussetzungen, die Betriebe wieder Gäste empfangen dürften. Einer aktuellen Dehoga-Umfrage zufolge fordern 83,6 Prozent der Betriebe eine Öffnung vor Ostern.

Hotel, Bar, Restaurant: Gastgewerbe schon fast vier Monate im Lockdown

Die Branche sei Ende Februar schon wieder vier Monate im Lockdown, sagte Zöllick. Die Verzweiflung und die existenziellen Sorgen „sind immens groß“. Der Umfrage zufolge brach der Umsatz im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 78 Prozent ein. Bislang haben demnach 63,5 Prozent der Betriebe die kompletten Novemberhilfen erhalten. Bei den Dezemberhilfen seien nur 23,3 Prozent. „Die Antragstellung und die schnelle Auszahlung der noch ausstehenden versprochenen Wirtschaftshilfen müssen jetzt absolute Priorität haben“, forderte Zöllick.
Auch der Deutsche Tourismusverband (DTV) forderte eine planbare Perspektive. „Die Betriebe bangen um ihre Existenz, weil sie im Unklaren gelassen werden, wie es weitergeht. Die Politik muss ein klares Konzept vorlegen, unter welchen Bedingungen Tourismus möglich ist“, sagte DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz.

Die beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen im Jahr 2021

Mallorca ist unbestritten eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. 2021 zieht es viele an andere Mittelmeerorte.