Oliver Pocher kritisiert ZDF-Fernsehgarten
: Warum spricht keiner über Tel Aviv und Israel?

Andrea Kiewel fehlte wegen des Nahost-Konflikts im ZDF-Fernsehgarten – doch das ZDF schwieg auffällig zu Israel und Tel Aviv. Comedian Oliver Pocher übt scharfe Kritik.
Von
Judith Müller
Mainz
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Oliver Pocher findet es merkwürdig, dass im ZDF-Fernsehgarten um den heißen Brei geredet wurde.

Oliver Pocher findet es merkwürdig, dass im ZDF-Fernsehgarten um den heißen Brei geredet wurde.

Collage: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Karlheinz Schindler, picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd

Die Ausgabe des „ZDF-Fernsehgarten“ am 15. Juni sollte eigentlich ein großer Feiertag für Andrea Kiewel werden – schließlich feiert sie ihr 25-jähriges Moderationsjubiläum. Doch die Moderatorin konnte nicht wie geplant anwesend sein. Der Grund: Der Luftraum über Tel Aviv war infolge des Nahost-Konflikts gesperrt, eine Ausreise aus Israel somit nicht möglich. Was jedoch für Verwunderung sorgt: Weder der Ort Tel Aviv noch das Land Israel wurden in der Sendung selbst auch nur erwähnt. Für Comedian Oliver Pocher ein Unding.

Oliver Pocher: „Worte wie ‚Israel‘ oder ‚Tel Aviv‘ scheinen beim ZDF tabu zu sein“

Auf Instagram teilte Oliver Pocher am Sonntag einen Ausschnitt aus dem „Fernsehgarten“ und kommentierte spöttisch: „Wenn man im ZDF wohl auf die Worte ‚Tel Aviv‘ und ‚Israel‘ verzichten soll.“

Oliver Pocher kritisiert in seiner Story bei Instagram den Umgang des ZDF mit der Situation rund um Moderatorin Andrea Kiewel.

Oliver Pocher kritisiert in seiner Story bei Instagram den Umgang des ZDF mit der Situation rund um Moderatorin Andrea Kiewel.

Instagram @oliverpocher

Tatsächlich erwähnte Moderator Joachim Llambi zu Beginn der Sendung nur vage: „Es hat natürlich einen Grund, warum Andrea Kiewel nicht da ist. Denn von dem Ort, wo Andrea Kiewel herkommt, wo sie lebt, ist es nicht möglich, im Moment hierherzukommen.“

Diese Ausweichformulierung sorgt nicht nur bei Pocher für Kopfschütteln. Viele Zuschauer zeigten sich irritiert über das Schweigen zu einem so relevanten geopolitischen Zusammenhang.

Kritik an Informationspolitik des ZDF

Insgesamt wurde Andrea Kiewels Abwesenheit in der Sendung nur sehr knapp thematisiert. Eine Zuschaltung oder ein persönliches Statement der Moderatorin blieb aus. Auch das 25-jährige Jubiläum, das eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, geriet dadurch fast zur Nebensache.

ZDF verteidigt sich – aber bleibt vage

Auf Anfrage von Focus Online erklärte das ZDF: „Das 25-jährige Jubiläum von Andrea Kiewel als Moderatorin ist seit Start in die diesjährige ‚Fernsehgarten‘-Saison immer wieder Thema der Show. In der heutigen Sendung sollte das Jubiläum im Mittelpunkt stehen.“

Auch in diesem Statement bleibt der Sender unspezifisch. Israel oder Tel Aviv werden erneut nicht erwähnt. Stattdessen betont man die gelungene Vertretung durch Joachim Llambi und Lutz van der Horst.

Schweigen als Strategie?

Oliver Pochers Kritik bringt auf den Punkt, was viele Zuschauer ebenfalls empfanden: Eine zu große Zurückhaltung des ZDF in Bezug auf politische Realitäten. Gerade in Zeiten globaler Krisen erwarten viele zumindest eine transparente Kommunikation. Dass die Begriffe „Israel“ oder „Tel Aviv“ komplett ausgespart wurden, wirkt – zumindest aus Sicht von Pocher – wie bewusste Zensur.