In den USA ist nach dem Amoklauf an einer Grundschule in Uvalde im Bundesstaat Texas die Diskussion um den Waffenbesitz aufgeflammt - mal wieder. In aller Regelmäßigkeit gibt es in den Vereinigten Staaten nach solchen Taten Forderungen, den Waffenbesitz einzuschränken. Doch die mächtige Waffenlobby hat in den USA bislang wesentliche Einschränkungen und Kontrollen des Waffenbesitzes blockiert - allen voran die NRA - die National Rifle Association of America.
  • Warum ist die Waffenlobby in den USA so stark?
  • Was ist die NRA?
  • Welche Forderungen und Reaktionen gibt es auf den Amoklauf an der Grundschule in Texas?
Hier gibt es alle Infos im Überblick:

Warum ist die Waffenlobby in den USA so stark?

Das Recht auf Waffenbesitz ist für viele Konservative in den USA eine Art Heiligtum, der Inbegriff von Freiheit, ein Grundrecht, das nicht anzutasten ist. Die Waffenlobby in den USA ist enorm mächtig. Gleich nach dem Amoklauf an der Grundschule in Texas beginnen einzelne Republikaner einmal mehr eine Debatte, dass nicht Waffen das Problem seien, sondern lediglich einzelne ihrer Besitzer. So warf der republikanische Senator Ted Cruz, der Texas im Senat vertritt, den Demokraten umgehend vor, die Attacke in Uvalde zu "politisieren", um das Recht auf Waffenbesitz einzuschränken.
Schusswaffen sind in den USA weit verbreitet - und Schusswaffengewalt ist in dem Land alltäglich. Nach Angaben der Website „Gun Violence Archive“ wurden allein im vergangenen Jahr knapp 21.000 Menschen durch Schüsse getötet, Suizide nicht eingeschlossen. In einigen Bundesstaaten ist aber die Suizidrate ebenfalls sehr hoch, was unter anderem auch an den zugänglichen Waffen liegt. Das macht es sehr viel einfacher, sich im Moment der Krise das Leben zu nehmen.
Im Vergleich zu Europa ist das Waffenrecht in den USA allgemein sehr lax. Befürworter berufen sich auf den 1791 verabschiedeten zweiten Verfassungszusatz, der es ihrer Ansicht nach den Amerikanern erlaubt, Waffen zu tragen. Im Wortlaut steht in diesem Zusatz folgendes: „A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed.“ Übersetzt bedeutet das: „Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“
Initiativen zur Verschärfung des Waffenrechts auf Bundesebene scheiterten bislang. Es gibt Schätzungen, dass in den USA 300 bis 400 Millionen Schusswaffen im Besitz von Privatleuten sind. Offizielle Angaben gibt es nicht.

Was ist die NRA?

An der Spitze der Waffenlobby in den USA steht die National Rifle Association of America (NRA). Die Organisation hat mehr als 5 Millionen Mitglieder und feierte im vergangenen Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Im Jahr 1871 gegründet, sollte sie einst unter anderem Soldaten durch Trainings helfen, besser zu schießen. Später rückte der sichere Umgang mit Waffen für Sportschützen und Jäger ins Blickfeld der NRA. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann sich die NRA politisch für die Waffenbesitzer stark zu machen. Auslöser dafür waren die Bestrebungen amerikanischer Politiker, die Waffengesetze nach den Morden an John F. Kennedy, Malcolm X und Martin Luther King zu verschärfen.
Seitdem unterstützt die NRA Politiker, die in Senat und Kongress in ihrem Sinne handeln. Pro Jahr gibt die NRA mehrere Millionen Dollar für Lobbyarbeit und Spenden aus. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump sagte kurz nach der Amtseinführung in Richtung NRA, sie habe nun „einen echten Freund im Weißen Haus“. Trump soll auch am 27. Mai 2022 auf dem Jahrestreffen der NRA eine Rede halten.

Welche Forderungen und Reaktionen gibt es auf den Amoklauf an der Grundschule in Texas?

Der gerade von einer mehrtägigen Asien-Reise zurückgekehrte US-Präsident Joe Biden wandte sich nach dem Amoklauf von Texas an die Nation. „Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden“, sagte er. Die Vorstellung, dass ein 18-jähriger Jugendlicher in ein Waffengeschäft gehen und zwei Sturmgewehre kaufen könne, sei einfach falsch.
Der frühere US-Präsident Barack Obama (60) sprach den betroffenen Familien auf Twitter sein Beileid aus und kritisierte die oppositionellen Republikaner: „Unser Land ist gelähmt, nicht durch Angst, sondern durch eine Waffenlobby und eine politische Partei, die keine Bereitschaft gezeigt haben, in irgendeiner Weise zu handeln, um diese Tragödien zu verhindern.“