Eine Bluttat erschüttert die USA. Ein 18-Jähriger hat am Dienstagnachmittag (24. Mai 2022) in einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas das Feuer eröffnet und 19 Schulkinder getötet. Es handelt sich um eines der verheerendsten Schulmassaker in der US-Geschichte. Was ist bislang über die Tat bekannt?
  • Amoklauf in den USA: Wie lief die Tat ab?
  • Was ist über den Schützen vom Schulmassaker in Texas bekannt?
  • Welche Reaktionen gibt es auf den Amoklauf in den USA?

Amoklauf in den USA: Wie lief die Tat ab?

Den Ermittlern zufolge betrat der Schütze am Dienstagnachmittag die Grundschule in der Kleinstadt Uvalde und schoss um sich. Dabei tötete er 19 Kinder. Auch zwei Erwachsene - die Lehrer der Schüler - wurden bei dem Vorfall erschossen.  Alle Toten seien in einem Klassenraum gewesen, in dem sich der Täter zuvor verbarrikadiert hatte, sagte Polizeisprecher Chris Olivarez am Mittwoch dem US-Sender CNN. Der Schütze wurde von Sicherheitskräften getötet. 
Die Polizei von Uvalde machte zunächst keine Angaben zu der Zahl der Todesopfer. Erick Estrada von Ministerium für öffentliche Sicherheit in Texas äußerte sich im Gespräch mit dem Sender CNN zu den Zahlen. Er schilderte auch die Ereignisse vor dem Massaker. Der Verdächtige habe zunächst auf seine Großmutter geschossen, sagte Estrada. Der Vorfall habe sich in der Wohnung der Großmutter ereignet - diese wurde in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der „New York Times“ hat die Frau den Angriff ihres Enkels überlebt.
Schließlich sei der Schütze mit einem Auto zur Robb Elementary School gefahren und habe dort einen Unfall gebaut, sagte Estrada. Er habe dann das Auto verlassen und sei mit einer Schutzweste bekleidet, einem Rucksack und einem Gewehr in die Schule eingedrungen. Dort habe er das Feuer eröffnet. Der 18-Jährige sei dann vom Sicherheitspersonal der Schule gestellt worden. Estrada betonte allerdings, dass die Ermittlungen noch liefen und diese Informationen noch vorläufig seien.
Die Kinder, die in dem Klassenzimmer erschossen wurden, waren alle um die zehn Jahre alt. Mehrere Familienangehörige bestätigten dies gegenüber amerikanischen Medien. Eines der Lehrerinnen, die gestorben ist war die 40-Jährige Eva Mireles. Die Polizei sagte gegenüber der „New York Times“, das nun alle Opfer identifiziert wurden.

Was ist über den Schützen vom Schulmassaker in Texas bekannt?

Gouverneur Greg Abbot nannte den Namen des Verdächtigen als Salvador Ramos. Sein Motiv war zunächst unklar. Die Polizei geht davon aus, dass er allein handelte. Auf mittlerweile gelöschten Fotos auf der Bilderplattform Instagram hatte er halbautomatische Gewehre präsentiert. Medienberichten nach soll der Schütze die bei der Tat verwendete Waffe vor rund einer Woche kurz nach seinem 18. Geburtstag gekauft haben. Ramos war den Angaben zufolge mit einer Pistole und einem Gewehr bewaffnet und trug eine kugelsichere Weste. Das Verhalten des Schützen habe sich zuletzt verändert, zitierte die „Washington Post“ einen Jugendfreund des Schützen. Er habe bei seiner Mutter und manchmal bei seiner Großmutter gelebt und sich in letzter Zeit aggressiv verhalten.
Ein Polizist geht nach einem Amoklauf an der Grundschule Robb Elementary School an einem Schriftzug der Schule vorbei. Die Grundschule hat rund 500 Schüler, die meisten von ihnen haben hispanische Wurzeln. Donnerstag wäre ihr letzter Schultag gewesen.
Ein Polizist geht nach einem Amoklauf an der Grundschule Robb Elementary School an einem Schriftzug der Schule vorbei. Die Grundschule hat rund 500 Schüler, die meisten von ihnen haben hispanische Wurzeln. Donnerstag wäre ihr letzter Schultag gewesen.
© Foto: William Luther/dpa

Nach Amoklauf in Texas: US-Präsident will Waffenlobby die Stirn bieten

US-Präsident Joe Biden ordnete umgehend an, angesichts der verheerenden Attacke bis einschließlich Samstag die Flaggen auf allen öffentlichen Gebäuden in den USA auf halbmast zu setzen. Er war am Abend gerade erst von einer mehrtägigen Asien-Reise zurückgekehrt. Begleitet von seiner Ehefrau Jill hielt er kurz nach seiner Landung eine Rede im Weißen Haus. „Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden“, sagte er. Die Vorstellung, dass ein 18-jähriger Junge in ein Waffengeschäft gehen und zwei Sturmgewehre kaufen könne, sei einfach falsch.
Biden zeigt immer wieder mit dem Finger auf den US-Kongress, wenn es um strengere Waffengesetze geht. Viele Republikaner lehnen schärfere Regulierungen ab – die Waffenlobby ist in den USA sehr mächtig. Für weitreichende Gesetzesänderungen fehlen Bidens Demokraten die nötigen Stimmen im US-Senat. Amokläufe, auch an Schulen, kommen in den USA in trauriger Regelmäßigkeit vor.

Bilder erinnern an Massaker vor 10 Jahren

Besondere Erschütterung hatte ein Massaker an einer Grundschule vor zehn Jahren ausgelöst: Im Dezember 2012 hatte ein 20-Jähriger an der Grundschule Sandy Hook um sich geschossen. Damals wurden 20 Schulkinder und sechs Lehrkräfte getötet. Und erst vor gut einer Woche hatte ein Schütze mit einem Sturmgewehr in Buffalo im US-Bundesstaat New York in einem Supermarkt das Feuer eröffnet, zehn Menschen erschossen und drei weitere verletzt. Er wurde noch am Tatort festgenommen. Den Ermittlern zufolge war die Tat rassistisch motiviert - 11 der 13 Opfer waren schwarz.
Nach einem Massaker in einer Schule in Florida im Jahr 2018 sind zahlreiche Schüler auf die Straße gegangen. Sie forderten härtere Waffengesetze.

Reaktionen auf Amoklauf in Uvalde

Wenn man diese Art von Verbrechen verhindern wolle, müsse man „Straftäter und Flüchtige und Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen verfolgen, verhaften und strafrechtlich belangen, wenn sie versuchen, illegal Schusswaffen zu kaufen“, sagte der texanische Senator Ted Cruz (Republikaner) dem Sender CNN. Die Bürger in ihren verfassungsmäßigen Rechten beim Waffenbesitz einzuschränken, sei „nicht effizient“, so Cruz. Sinnvoll dagegen sei mehr bewaffnetes Sicherheitspersonal auf Schulgeländen.
Der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, brachte die ebenfalls nicht neue Idee einer Bewaffnung von Lehrkräften für mehr Schulsicherheit an. Dem konservativen Nachrichtensender Newsmax sagte er, „Lehrer und Verwaltungskräfte, die ein Training absolviert haben und bewaffnet sind“, könnten Leben retten.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat US-Präsident Joe Biden  sein Beileid ausgesprochen. „Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und Hinterbliebenen der Opfer dieses unfassbaren Massakers, für das sich kaum Worte finden lassen“, schrieb Scholz am Mittwoch auf Englisch auf Twitter. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kondolierte und beklagte, dass auch "in Friedenszeiten" Menschen erschossen würden.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach den Menschen in den USA ebenfalls sein Mitgefühl aus. "19 der Opfer waren jünger als zehn Jahre alt", schrieb Macron auf Twitter. Die Kinder und ihre Lehrer seien "feige ermordet" worden. "Wir teilen den Schock und die Trauer der amerikanischen Bevölkerung und die Wut aller, die sich dafür einsetzen, die Gewalt zu beenden", fügte er hinzu.
Papst Franziskus sagte am Mittwoch nach einer Generalaudienz im Vatikan, er sei "untröstlich" angesichts des Blutbades in Texas. "Ich bete für die getöteten Kinder und Erwachsenen und ihre Familien", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche und forderte, den "unkontrollierten" Waffenhandel einzudämmen.
Die US-Popsängerin Taylor Swift (32) hat sich nach dem Schulmassaker mit emotionalen Worten an ihre Fans gewandt. „Ich bin erfüllt von Wut und Trauer und so gebrochen durch die Morde in Uvalde. Durch Buffalo, Laguna Woods und so viele andere. Durch die Art und Weise, wie wir als Nation auf unfassbaren und unerträglichen Kummer konditioniert wurden“, schrieb der Superstar auf Twitter.
Der US-amerikanische Basketball-Meistertrainer Steve Kerr von den Golden State Warriors hat mit einer emotionalen Rede auf das jüngste Schulmassaker in den USA reagiert. „Wann werden wir etwas tun?“, schrie Kerr in einer Pressekonferenz vor der Playoff-Partie bei den Dallas Mavericks am Dienstagabend (Ortszeit). „Ich habe es satt, ich habe genug!“
Nach dem Massaker in seiner texanischen Heimatstadt Uvalde hat Hollywoodstar Matthew McConaughey (52) mehr Einsatz im Kampf gegen Waffengewalt gefordert. „Dies ist eine Epidemie, die wir in den Griff bekommen können, und unabhängig davon, auf welcher parteipolitischen Seite wir stehen, wissen wir alle, dass wir es besser machen können. Wir müssen es besser machen“, schrieb der Oscar-Preisträger von 2014 („Dallas Buyers Club“) am späten Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter. Man müsse Maßnahmen ergreifen, damit niemand das erleben müsse, was die Eltern in Uvalde und andere Angehörige davor durchgemacht hätten.