Novavax: Totimpfstoff gegen Corona? Alles zur Lieferung und Termine in Deutschland

Einige Bundesländer bereiten sich auf die ersten Lieferungen des Impfstoffs Novavax vor. Es sind aber noch einige Fragen offen. Die Antworten findet ihr im Artikel.
Justin Tallis/afpNoch in dieser Woche wird in Deutschland mit den ersten Lieferungen des neuen Corona-Impfstoffs Novavax gerechnet. Das Präparat des US-Pharmaunternehmens wurde im Dezember in der EU zugelassen und soll nun das Spektrum der eingesetzten Vakzine erweitern: Es ist der erste proteinbasierte Impfstoff. Mit Novavax ist die Hoffnung verbunden, dass sich nunmehr Menschen zu einer Impfung durchringen, die Vorbehalte gegen die bislang vorherrschenden mRNA-Vakzine haben. Nun stellen sich aber viele Fragen:
- Ist Novavax ein Totimpfstoff oder nicht?
- Wie funktioniert das neue, proteinbasierte Vakzin?
- Wer ist der Hersteller des Impfstoffs?
- Wann starten die Novavax-Impfungen?
- Wie oft muss man sich impfen lassen?
Ist Novavax ein Totimpfstoff oder nicht?
Nuvaxovid, so heißt der Corona-Impftstoff des Herstellers Novavax, besteht aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten, sowie einem Wirkverstärker. Manche Menschen heben Nuvaxovid als - vermeintlich sichereren - Totimpfstoff hervor, also als Impfstoff ohne lebende, vermehrungsfähige Krankheitserreger. Dieser Begriff ist aber in der Wissenschaft nicht klar von anderen abgegrenzt; laut Ständiger Impfkommission (Stiko) sind auch die vier anderen Impfstoffe „funktionell“ Totimpfstoffe, enthalten also keine lebenden Viren.
Ob Novavax als Totimpfstoff bezeichnet werden kann, kommt auf die Definition an, denn der Begriff „Totimpfstoffe“ wird laut der Agence France Presse (AFP) auch von Experten uneinheitlich verwendet. Das Robert Koch-Institut (RKI) etwa erklärt, da das Mittel von Novavax keine vermehrungsfähigen Viren enthalte, könne es „mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden“. Diese breit gefasste Definition umfasst aber auch die mRNA- und Vektorimpfstoffe.
Das Bundesforschungsministerium fasst den Totimpfstoff-Begriff enger und zählt dazu solche Vakzine, die Bestandteile oder einzelne Moleküle des Erregers enthalten, also auch Novavax, nicht aber mRNA-Impfstoffe. Nach der noch engeren Definition, dass Totimpfstoffe das tatsächliche Virus oder zumindest Teile davon enthalten müssen, zählt das Novavax-Vakzin allerdings nicht zu dieser Gruppe. Schließlich enthält es keine abgetöteten Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden, sondern gentechnisch hergestellte Virus-Proteine.
Novavax-Impfstoff Wirkung: Wie funktioniert der Corona-Impfstoff?
Das Mittel Novavax ist ein proteinbasierter Impfstoff mit Virusantigen. Konkret verwendet Novavax für sein Vakzin das sogenannte Spike-Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2 und reproduziert dieses massenhaft in Insektenzellen. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein und kann so eine Covid-19-Erkrankung abwehren. Zudem enthält das Novavax-Vakzin den Stoff Saponin als sogenanntes Adjuvans, das die Wirkung der Impfung verstärken soll.
Novavax Hersteller: Wer stellt Novavax her?
Das US-Unternehmen, das hinter dem neuen Vakzin steckt heißt Novavax. Der Impfstoff selbst wird umgangssprachlich so bezeichnet – er heißt offiziell aber „Nuvaxovid“. Im Dezember wurde der Impfstoff in Europa zugelassen. Bisher ist der proteinbasierte Impfstoff gegen Covid-19 der bislang einzige große Erfolg des Biotech-Unternehmens Novavax.
Impfstart mit Novavax: Wann starten die Impfungen?
In dieser Woche rechnet Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit 1,4 Millionen Dosen des im Dezember in der EU zugelassenen Impfstoffs, in der kommenden Woche dann mit einer weiteren Million. Wann die Impfungen beginnen, ist Sache der Länder. Brandenburg beispielsweise wartet noch immer auf den Impfstoff Novavax. „Die Länder kennen immer noch keinen konkreten Liefertermin“, teilte das Gesundheitsministerium mit. Thüringen rechnet nach Verzögerungen bis zum Ende der Woche mit ersten Lieferungen.
Novavax Impfung in Brandenburg: Ab wann gibt es Termine?
Brandenburg wartet weiter auf den Impfstoff Novavax. „Die Länder kennen immer noch keinen konkreten Liefertermin„, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag in Potsdam mit. Vom Bundesgesundheitsministerium habe es dazu am Montag geheißen, dass die Auslieferung an das Zentrallager des Bundes voraussichtlich vom 23. bis 25. Februar erfolgen werde. Von dort sollen die Impfstofflieferungen an die Länder erfolgen.
In Brandenburg ist dem Gesundheitsministerium zufolge vorgesehen, dass die ersten Novavax-Impfdosen an die Impfstellen der Landkreise und kreisfreien Städte sowie an Krankenhäusern gehen. Sobald das Bundesgesundheitsministerium den genauen Liefertermin bekannt gebe, werde das Land über den konkreten Start der Novavax-Impfungen informieren, erklärte Sprecher Gabriel Hesse.
Impfung mit Novavax in Berlin: Diese Impfzentren werdenn den neuen Impfstoff anbieten
Die Berliner Gesundheitsverwaltung rechnet damit, dass der Impfstoff des US-Herstellers Novavax ab der kommenden Woche in der Hauptstadt angeboten werden kann. „Aktuell ist vorgesehen, Nuvaxovid in der Impfstelle Drive-in Lichtenberg und im Corona-Impfzentrum Tegel anzubieten. Auch für die Berliner Krankenhäuser werden Impfdosen bereitgestellt“, teilte ein Sprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur mit. Berlin erwarte rund 63 000 Dosen des Impfstoffs Nuvaxovid.
Für wen ist Novavax zugelassen?
Zugelassen ist das Präparat in der EU für alle Menschen ab 18. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt zwei Dosen im Abstand von mindestens drei Wochen. Von der Empfehlung ausgenommen sind wegen fehlender Daten vorerst Schwangere und Stillende. Wie die schon länger in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe wird das Mittel ins Muskelgewebe des Oberarms gespritzt.
Wie oft muss man sich mit Novavax impfen lassen?
Zugelassen ist das Präparat in der EU für alle Menschen ab 18. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt zwei Dosen im Abstand von mindestens drei Wochen. Von der Empfehlung ausgenommen sind wegen fehlender Daten vorerst Schwangere und Stillende. Wie die schon länger in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe wird das Mittel ins Muskelgewebe des Oberarms gespritzt. Die erwarteten Dosen sollen vorrangig an Beschäftigte in Gesundheit und Pflege ausgegeben werden, die alle bis zum 15. März geimpft sein müssen, wie es das Gesetz zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht vorschreibt.
Wer sich mit Novavax impfen lässt, wird nach Einschätzung von Immunologen für einen vollen Impfschutz ebenfalls eine Dreifach-Impfung benötigen. „Auch Novavax muss (...) drei bis sechs Monate nach der zweiten Impfung noch mal aufgefrischt werden“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwoch). Bisher ist Novavax dem Bericht zufolge jedoch von der europäischen Arzneimittelagentur EMA noch nicht grundsätzlich für Booster-Impfungen zugelassen.
Wie eine Sprecherin des amerikanischen Impfstoff-Herstellers der Zeitung erklärte, führt Novavax bereits entsprechende Studien durch und will noch in diesem Jahr eine Booster-Zulassung beantragen. „Man kann Novavax auch für den Booster einsetzen, auch diejenigen, die vorher eine mRNA-Impfung bekommen haben“, sagte Watzl. Novavax wurde genauso wie die anderen Impfstoffe ursprünglich anhand des Originalvirus entwickelt, er sei also nicht speziell an die Omikron-Variante angepasst.


