Anfang Oktober eines jeden Jahres geht es in Stockholm, Schweden um die Nobelpreise. Die Preise gehen jedes Jahr an eine Person, Gruppe oder auch an Institute oder Nichtregierungsorganisationen, die „ im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“. Das schrieb der Gründer des Preises, Alfred Nobel, in seinem Testament.
2022 werden die Nobelpreise in der Woche vom 3. bis 10. Oktober bekanntgegeben. Die Preise werden nicht alle am gleichen Tag verkündet, sondern nach und nach an verschiedenen Tagen. Hier wollen wir eine Übersicht über die Kategorien und bisherige Preisträger geben.

Nobelpreise: Welche Kategorien gibt es?

Insgesamt gibt es bei den Nobelpreisen sechs Kategorien. Diese sind:
  • Physik: „an denjenigen, der auf dem Gebiet der Physik die bedeutendste Entdeckung oder Erfindung gemacht hat“
  • Chemie: „an denjenigen, der die wichtigste chemische Entdeckung oder Verbesserung gemacht hat“
  • Medizin: „an denjenigen, der die wichtigste Entdeckung in der Domäne der Physiologie oder Medizin gemacht hat“
  • Literatur: „an denjenigen, der in der Literatur das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert hat“
  • Frieden: „an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat“
  • Wirtschaft: nach den gleichen Prinzipien der anderen fünf, allerdings nicht von Alfred Nobel ins Leben gerufen

Nobelpreise: Das sind die bekanntesten Erfindungen und Preisträger

Die Nobelpreise werden seit 1901 verliehen, es gibt also eine ganze Menge Preisträger – mal mehr, mal weniger bekannt. Nur der Wirtschaftsnobelpreis hat vergleichbar wenige Preisträger, da der Preis erst 1969 ins Leben gerufen wurde. Hier wollen wir einige auflisten, die besonders berühmt sind und was sie entdeckt/entwickelt/erforscht haben:

Physik

  • 1901: Wilhelm Conrad Röntgen (Entdecker der Röntgenstrahlen bzw. X-Strahlen)
  • 1903: Henri Becquerel, Pierre Curie und Marie Curie (Entdecker der Radioaktivität)
  • 1918: Max Planck (Begründer der Quantenphysik)
  • 1921: Albert Einstein (Entdecker des photoelektrischen Effekts)
  • 1922: Niels Bohr (Forscher der Atome)
  • 1965: Richard Feynman, Shin’ichirō Tomonaga und Julian Schwinger (Forscher der Teilchenphysik)

Chemie

  • 1908: Ernest Rutherford (Entdecker der unterschiedlichen radioaktiven Strahlen und der Halbwertszeit)
  • 1911: Marie Curie (Entdeckerin von Polonium und Radium)
  • 1931: Carl Bosch (Erfinder der Ammoniakproduktion) und Friedrich Bergius (Erfinder der Diesel- und Benzinproduktion)
  • 1944: Otto Hahn (Entwicklung der Kernspaltung)
  • 1961: Melvin Calvin (Entdecker des Calvin-Zyklus)
  • 2019: Akira Yoshino (Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien)

Medizin

  • 1904: Iwan Pawlow (Forscher über Verdauung und Kondition)
  • 1905: Robert Koch (Begründer der Bakteriologie)
  • 1945: Alexander Fleming, Ernst B. Chain und Howard Florey (Entdecker von Penicillin)
  • 2020: Harvey J. Alter, Michael Houghton, Charles M. Rice (Entwickler eines Hepatits-C-Tests)

Literatur

  • 1929: Thomas Mann
  • 1946: Hermann Hesse
  • 1948: T.S. Eliot
  • 1949: William Faulkner
  • 1953: Winston Churchill
  • 1954: Ernest Hemingway
  • 1957: Albert Camus
  • 1964: Jean-Paul Sartre
  • 1969: Samuel Beckett
  • 1972: Heinrich Böll
  • 1982: Gabriel García Márquez
  • 1993: Toni Morrison
  • 1999: Günter Grass
  • 2007: Doris Lessing
  • 2009: Herta Müller
  • 2016: Bob Dylan

Frieden

  • 1906: Theodore Roosevelt
  • 1917, 1944, 1963: Internationales Rotes Kreuz
  • 1919: Woodrow Wilson
  • 1952: Albert Schweitzer
  • 1953: George Marshall
  • 1954, 1981: Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
  • 1964: Martin Luther King
  • 1965: Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
  • 1971: Willy Brandt
  • 1973: Henry Kissinger
  • 1977: Amnesty International
  • 1979: Mutter Teresa
  • 1984: Desmond Tutu
  • 1988: Friedenstruppen der Vereinten Nationen
  • 1990: Michail Gorbatschow
  • 1991: Aung San Suu Kyi
  • 1993: Nelson Mandela und F.W. de Klerk
  • 1999: Ärzte ohne Grenzen
  • 2002: Jimmy Carter
  • 2007: Weltklimarat und Al Gore
  • 2009: Barack Obama
  • 2012: Europäische Union
  • 2014: Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi

Wirtschaft

  • 1972: John R. Hicks
  • 1974: Friedrich August von Hayek
  • 1976: Milton Friedman
  • 1986: James Buchanan
  • 1994: John Nash
  • 2001: Joseph Stiglitz
  • 2014: Jean Tirole

Alfred Nobel: Wer war der Erfinder der Nobelpreise?

Der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) gelangte mit der Erfindung und Vermarktung von Dynamit zu enormem Reichtum. Er hatte insgesamt jedoch über 350 Patente und errichtete Labore und Unternehmen in rund 20 Ländern. Nobel beschäftigte sich mit der Entwicklung und Nutzung von Raketen, Kanonen und Schießpulver, aber auch mit Philosophie. Er schrieb Gedichte und hatte engen Kontakt zu der Pazifistin Bertha von Suttner. Während Nobel eher von der abschreckenden Wirkung von Waffen ausging, setzte sie auf die Friedensbewegung.
„Vielleicht werden meine Fabriken dem Krieg eher ein Ende setzen als Ihre Kongresse: An dem Tag, an dem sich zwei Armeekorps in einer Sekunde gegenseitig vernichten können, werden alle zivilisierten Nationen mit Sicherheit vor Entsetzen zurückschrecken und ihre Truppen auflösen“, hat er laut Nobelstiftung zu Suttner gesagt. Nobel erlebte nicht mehr, wie der Erste Weltkrieg diese Auffassung grausam Lügen strafen sollte. Trotz seiner Aussage schuf er mit seinem Testament den Friedensnobelpreis für „die Person, die sich am meisten oder am besten für die Brüderlichkeit zwischen den Völkern, für die Abschaffung oder Verringerung der stehenden Heere und für die Abhaltung und Förderung von Friedenskongressen eingesetzt hat“.
Der ledig und kinderlos gebliebene Erfinder vermachte den Großteil seines Vermögens einer Stiftung, aus deren Zinsen auch weitere Preise für jene finanziert werden sollten, die „im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“.
Den Grundstock für die Stiftung legte Nobel in der Nähe von Hamburg. Dort baute er eine Fabrik für das bereits bekannte Nitroglycerin - die bald darauf explodierte. Danach erfand er einen Sprengstoff aus Nitroglycerin und Kieselgur, der unempfindlicher für Erschütterungen war, das Dynamit.