Nipah-Virus in Indien: Größerer Ausbruch möglich? Das sagen Experten

Angehörige und Freunde tragen Schutzmasken und beten nach der Beerdigung eines Opfers, das aufgrund des Nipah-Virus verstarb. (Archivbild)
K.Shijith/AP/dpaNach der Infektion zweier Mitarbeiterinnen eines Privatkrankenhauses in Indien mit dem Nipah-Virus haben mehrere asiatische Länder die Gesundheitskontrollen an Flughäfen und Grenzen verschärft. Wie schätzen Reisesicherheits-Experten die aktuelle Gefahrenlage ein?
Nipah-Virus in Indien: So haben die indischen Behörden reagiert
Krisen-Frühwarnexperte A3M hat die aktuelle Lage in Indien sowie die Maßnahmen des Landes selbst, aber auch weiterer, asiatischer Länder analysiert. Das Unternehmen arbeitet mit den führenden Reiseanbietern in Deutschland zusammen. Fakt ist: Für die von Fledermäusen übertragene Krankheit existiert bisher kein Gegenmittel, zudem sind die Sterblichkeitsraten nach einer Infektion sehr hoch, weshalb die indischen Behörden schnell reagierten und alle 197 Kontakte der Betroffenen in Quarantäne setzten, so das Unternehmen.
Gibt es Einschränkungen an asiatischen Flughäfen?
Gleichzeitig beginnen die Vorbereitungen für das chinesische Neujahrsfest am 17. Februar in vielen Ländern Ostasiens und Südostasiens. „Eine Ausbreitung des Virus, welches von Mensch zu Mensch über engen Kontakt in Form einer Tröpfcheninfektion möglich ist, wäre überaus ernst und erinnert an den Beginn der COVID-19-Pandemie“, kommentiert Marian Nothing, Travel Security Analyst bei A3M.
Sukzessive haben darum in der Folge immer mehr Staaten Gesundheitskontrollen an Flughäfen und Grenzübergängen erlassen. Der Grad der Einschränkungen variiert. Vor allem die internationalen Flughäfen der Hauptstädte seien von den zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen betroffen, so der Reisesicherheits-Analyst.
Thailand verlangt von Einreisenden aus dem Risikogebiet Kolkata und Umgebung ein Gesundheitsformular, bei Symptomen ein ärztliches „fit-to-fly“-Attest und setzt an den Flughäfen Bangkok und Phuket Temperaturmessungen und Wärmebildkameras ein. Nepal kontrolliert verstärkt die Landesgrenzen zu Indien, Pakistan hat an allen Grenzübergängen Gesundheitschecks eingeführt und fordert Angaben zum Reiseverlauf der vergangenen 21 Tage. Singapur ordnet für Arbeitsmigranten nach Aufenthalten in Westbengalen tägliche Gesundheitskontrollen an und prüft ausgewählte Flüge aus Risikogebieten. Hongkong führt am Flughafen stichprobenartige Kontrollen für Reisende aus Indien durch. Vietnam kontrolliert ankommende Passagiere aus Risikogebieten am Flughafen Ho-Chi-Minh-Stadt und misst zusätzlich stichprobenartig die Körpertemperatur. Indonesien misst am Flughafen Bali bei In- und Auslandsreisenden die Temperatur. Myanmar hat am Flughafen Rangun Gesundheitskontrollen eingeführt und informiert mit Plakaten und Flugblättern über Hygiene und Symptome.
Wie wahrscheinlich ist ein größerer Nipah-Virus-Ausbruch?
Das Nipah-Virus ist seit 1999 bekannt. Menschen infizieren sich durch den Speichel von Flughunden, die sich von Früchten ernähren. Von Mensch zu Mensch erfolgt die Übertragung per Tröpfcheninfektion. Frühere Ausbrüche standen meist mit der Zucht und Verarbeitung infizierter Schweine in Verbindung. Nach 4 bis 14 Tagen Inkubationszeit treten Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Atembeschwerden und Bewusstseinsstörungen auf.
„Die Symptome und die hohe Sterblichkeitsrate wirken bedrohlich, die Reaktionen der Nachbarländer alarmierend. Doch eine Übertragung der Krankheit bleibt unwahrscheinlich“, sagt Marian Nothing. „Entscheidend sind konsequente Hygiene und die ärztliche Abklärung verdächtiger Symptome, um eine Ausbreitung zu verhindern.“ Aus Indien kommen positive Signale: Die Gesundheitsbehörden meldeten am 28. Januar, dass sämtliche Kontaktpersonen der Infizierten ermittelt und negativ getestet wurden. Das macht eine weitere Ausbreitung unwahrscheinlich, so der Experte.
