Nipah-Virus in Indien
: Symptome, Übertragung, Behandlung – das müssen Sie wissen

Das Nipah-Virus tritt selten auf und ist häufig tödlich. Ein Ausbruch in Indien hat mehrere asiatische Länder in Alarmbereitschaft versetzt.
Von
Nicole Züge
Berlin/Neu-Delhi
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24.05.2018, Indien, Kozhikode: Rettungssanitäter in Schutzanzügen begraben ein Opfer, das aufgrund des Nipah-Virus verstarb. Beim Ausbruch des gefährlichen Nipah-Virus in Indien sind mehrere Menschen gestorben. Der Erreger kann bei Menschen Fieber, Atemwegserkrankungen und tödliche Hirnhautentzündungen verursachen. Es gibt weder eine Impfung noch eine wirkungsvolle Behandlung. Foto: K.Shijith/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Menschen in Schutzanzügen begraben Tote, die am Nipah-Virus verstorben sind. Was Sie jetzt zu Symptomen, Übertragungswegen und der aktuellen Lage in Asien wissen müssen. (Archivbild)

K.Shijith/dpa

Zwei bestätigte Fälle reichen aus, um Alarm auszulösen: Das Nipah-Virus gilt als extrem tödlich und wurde in Indien sicher nachgewiesen. Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate von bis zu 92 Prozent hat das Land umgehend mit strikten Maßnahmen reagiert. Auch andere Länder in Asien verfolgen die Entwicklung mit großer Sorge. Das müssen Sie jetzt über das seltene Virus wissen.

Was ist das Nipah-Virus?

Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg ist die Nipah-Virus-Infektion selten, aber besonders schwerwiegend. Das Virus befällt Tiere und Menschen. In der Natur tragen primär Flughunde den Erreger. Von ihnen kann das Virus auf andere Tiere (z. B. Schweine) und auf den Menschen übergehen. Beim Menschen kann es eine Sterblichkeitsrate von bis zu 92 Prozent erreichen.

Welche Symptome verursacht das Nipah-Virus?

Die Symptome einer Nipah-Virus-Infektion fallen unterschiedlich aus. Der Krankheitsverlauf reicht von mild bis lebensbedrohlich. In leichten Fällen klagen Betroffene über Fieber, Husten sowie Kopf- und Muskelschmerzen. Bei schweren Verläufen kommt es zu Gehirnentzündungen, Krampfanfällen und Koma. Diese Komplikationen können tödlich enden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Für eine Nipah-Virus-Infektion gibt es keine gezielte Therapie. Die Behandlung beschränkt sich auf unterstützende Maßnahmen und die Linderung der Symptome. In einzelnen Fällen kommen antivirale Medikamente zum Einsatz. Ihre Wirksamkeit gilt bislang jedoch als nicht ausreichend belegt.

Gibt es einen Impfstoff?

Derzeit gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen die Nipah-Virus-Infektion. Eine Reihe von Impfstoffen befindet sich nach Auskunft des Bernhard-Nocht-Instituts jedoch in der Entwicklung.

Wie wird das Nipah-Virus übertragen?

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei engem Kontakt durch Tröpfchen aus der Atemluft, Husten oder Niesen möglich. Die Viren können nach Angaben des Instituts auch durch den Verzehr von unzureichend gegartem Schweinefleisch oder anderen tierischen Produkten übertragen werden. Auch vom Trinken von rohem Dattelpalmensaft oder anderen Baumsäften, die mit Speichel, Kot oder Urin von Fledermäusen kontaminiert sein können, wird abgeraten. Tropenmediziner raten darum dazu, bei Reisen in asiatische Länder Folgendes zu beachten:

  • Kontakt mit Fledermäusen und anderen Wildtieren vermeiden
  • Schweinefleisch und andere tierische Produkte gründlich kochen/durchgaren
  • keinen rohen Palmensaft trinken
  • häufiges Händewaschen

Wie ist die Lage in Indien aktuell?

Seit Dezember habe es „nur“ zwei nachgewiesene Fälle im östlichen Bundesstaat Westbengalen gegeben, teilte das Gesundheitsministerium unter Berufung auf das staatliche Zentrum für Krankheitskontrolle mit. Kursierende Berichte über weitere Infektionsfälle seien falsch. Als Reaktion auf die beiden Infektionsfälle seien die Überwachung, die Labortests und Vor-Ort-Untersuchungen verstärkt worden, heißt es.

Gab es schon andere Nipa-Virus-Ausbrüche?

Vereinzelte Nipah-Ausbrüche gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden seit 1998 Ausbrüche in Asien, einschließlich Indiens, Bangladeschs, Malaysias, der Philippinen und Singapurs, gemeldet. In Westbengalen, dem aktuellen Ausbruchszentrum, seien jetzt zwei Menschen betroffen, die im Dezember zusammen in einem etwa 25 Kilometer nördlich von Kolkata entfernten Privatkrankenhaus gearbeitet hätten, sagte ein Beamter der Gesundheitsbehörde des Unionsstaats.

Es werde vermutet, das Virus könnte von einem ungetesteten Patienten, der gestorben sei, übertragen worden sein. Bei den infizierten Personen handelt es sich nach Berichten des indischen Senders NDTV um zwei Krankenpflegerinnen. Sie würden derzeit in einem Krankenhaus behandelt.

Wie sieht es in anderen Ländern Asiens aus?

In Japan riefen die Gesundheitsbehörden zu Wachsamkeit auf. An Flughäfen kommen Thermoscanner zum Einsatz. Reisende aus betroffenen Regionen mit Symptomen wie Fieber oder Atembeschwerden müssen mit einer Befragung durch den Quarantänedienst rechnen. In China verbreiten die Staatsmedien Behördeninformationen, wonach von dem Virusausbruch in Indien derzeit keine besondere Gefahr für das Land ausgehe. Zugleich wurde ebenfalls zu erhöhter Wachsamkeit, insbesondere für Reisende aus betroffenen Regionen, aufgerufen. In sozialen Netzwerken wurden zudem Sorgen laut, da die große Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest Mitte Februar bevorsteht.

Quellen: BNITMRKI (abgerufen am 29. Januar 2026)