Die Nato-Krisensitzung zur Lage in Polen fand heute statt. Begonnen hatte sie am Vormittag des 16. November, nachdem am Vorabend im östlichen Polen Raketen eingeschlagen waren. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben. Alerdings scheinen sich die Nato-Länder mittlerweile einig zu sein, dass der Raketeneinschlag kein absichtlicher Angriff war. Allerdings betonten die Bündnispartner noch am Dienstagabend, dass Grund für den Krieg in der Ukraine nach wie vor Russland ist.
Was werden die Nato-Länder also jetzt bei ihrer Krisensitzung besprechen? Wird Artikel 4 oder sogar Artikel 5 ausgerufen? Alle Details zu den Entwicklungen heute.

Nato Treffen heute: Jens Stoltenberg gibt Pressekonferenz

Die Botschafter der Nato-Staaten kamen am Mittwochvormittag (16.11.) zu Beratungen über den Raketeneinschlag mit zwei Todesopfern in Polen in der Nähe der ukrainischen Grenze zusammen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg leitete die Dringlichkeitssitzung, um den "tragischen Vorfall zu besprechen", sagte Bündnis-Sprecherin Oana Lungescu. Anschließend gab es eine Pressekonferenz.
Generalsekretär Stoltenberg sagte, dass es keine Hinweise auf einen absichtlichen Angriff gab. Zugleich betonte er: „Das ist nicht die Schuld der Ukraine“. Der Krieg Russlands sei illegal, ohne den wäre der Unfall nicht passiert. „Russland muss diesen sinnlosen Krieg beenden“, so Stoltenberg.

Krisensitzung der Nato: Was wurde besprochen?

Nach dem Raketeneinschlag in Polen sorgen sich viele Menschen um die Frage, ob es jetzt eine Eskalation des Krieges geben wird, vielleicht sogar unter Beteiligung der Nato. Die Sorge ist berechtigt, aber es sieht nicht danach aus. Der Raketeneinschlag in Polens Grenzgebiet zur Ukraine war nach Angaben von Präsident Andrzej Duda kein gezielter Angriff auf das Nato-Land. Das bestätigte auch Jens Stoltenberg nach der Krisensitzung. Es gebe auch keine Beweise dafür, dass die Rakete von Russland abgefeuert worden sei, sondern es handele sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine ukrainische Flugabwehrrakete, sagte Duda in Warschau.
Nach wie vor gilt: Eine direkte Konfrontation mit Russland muss vermieden werden, damit es keinen Atomkrieg gibt. Die Ukraine beteuert, Russland habe mit Absicht auf Polen geschossen. Dafür gibt es keine Beweise. In diesem Fall müsste Polen Artikel 5 ausrufen. Was genau Artikel 4 und 5 im Nato-Vertrag bedeuten, erfahrt ihr hier.
In Polen waren bei einem Raketeneinschlag in dem Dorf Przewodow nahe der Grenze zur Ukraine am Dienstag zwei Menschen getötet worden. Der Kreml hat Polen eine irreführende Informationspolitik zum Raketeneinschlag im Grenzgebiet zur Ukraine vorgeworfen. Die polnische Führung habe jede Möglichkeit gehabt, sofort zu sagen, dass es um Teile eines Flugabwehrsystems S-300 geht, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch in Moskau. „Dann hätten alle Experten sofort verstanden, dass es keine Rakete sein kann, die etwas mit den russischen Streitkräften zu tun hat“, wurde Peskow in russischen Nachrichtenagenturen zitiert.