Mette-Marit über Epstein: „Ich wünschte, ich hätte ihn niemals getroffen“

Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hat sich öffentlich über ihre Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geäußert.
Jens Kalaene/dpa- Mette-Marit bricht Schweigen zu Epstein: „Ich wünschte, ich hätte ihn nie getroffen.“
- Sie beschreibt die Beziehung als freundschaftlich; E-Mails mit flirtendem Ton sorgten für Kritik.
- Kennenlernen 2011; Kontakt bis Sommer 2014, trotz früher Verurteilung Epsteins.
- Sie fühlte sich manipuliert, bereut fehlende Warnungen und betont keine illegalen Beobachtungen.
- Gesundheit, Prozess um Sohn und Unterstützung durch Haakon und das Königspaar thematisiert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Den Tränen nahe und mit zitternder Stimme hat Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52) in einem Fernsehinterview ihr Schweigen über ihre Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gebrochen. „Ich wünschte, ich hätte ihn niemals getroffen“, sagte sie dem Sender NRK.
Mette-Marit und Epstein sollen über Jahre Kontakt gehabt und sich über viele private Dinge ausgetauscht haben - auch nachdem der US-Amerikaner bereits zum ersten Mal verurteilt worden war. „Ich wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher war“, sagte sie NRK. Sie habe sich von Epstein „manipulieren und täuschen“ lassen.
Bislang hatte sich Mette-Marit nur schriftlich zu ihrem engen Kontakt mit Epstein geäußert, der durch die Veröffentlichungen in dem Fall ans Licht gekommen war. Der Name der Frau von Norwegens Kronprinz Haakon (52) taucht Hunderte Male in den Akten zu dem Fall auf. Das hatte in Norwegen große Kritik ausgelöst. Ihre Landsleute hatten Mette-Marit auch übelgenommen, dass sie sich nicht früher ausführlich dazu geäußert hatte.
Darum sprach Mette-Marit nicht früher über Epstein
Das hatte der Hof mit der Gesundheit der Kronprinzessin begründet: Mette-Marit leidet an einer chronischen Lungenkrankheit. Auch der Vergewaltigungs-Prozess gegen ihren ältesten Sohn Marius Borg Høiby (29) dürfte die Kronprinzessin belastet haben. Dieser war am Donnerstag zu Ende gegangen.
„Ich bin die Mutter eines jungen Mannes, der sich in einer sehr schwierigen Situation befunden hat“, sagte Mette-Marit NRK. „Außerdem ist mein Gesundheitszustand so, dass ich sehr viel Ruhe brauche. Und dieser Zustand hat sich noch etwas verschlechtert.“
So lernte Mette-Marit den Sexualstraftäter kennen
Mette-Marit und Epstein hatten sich 2011 durch gemeinsame Bekannte kennengelernt. Wegen ihrer Arbeit mit einem internationalen Hilfsprojekt reiste die Kronprinzessin damals viel in die USA. „Ich wünschte natürlich, ich hätte ihn niemals getroffen“, sagte sie am Freitag. Auf eine Nachfrage des NRK-Reporters, wie sie ihre Beziehung zu Epstein beschreiben würde, betonte Mette-Marit: „Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis.“
In ihren E-Mails soll die Kronprinzessin Epstein Dinge wie „Du bringst mich immer zum Lächeln“ und „Ich vermisse dich“ geschrieben haben. Der flirtende Ton hatte in Norwegen große Kritik und Gerüchte darüber ausgelöst, ob die beiden mehr verbunden haben könnte als reine Freundschaft.
In einer anderen Mail soll Mette-Marit Epstein Liebestipps gegeben haben. Als der Sexualstraftäter ihr schrieb, dass er in Paris auf „Frauenjagd“ sei, soll sie geantwortet haben: „Paris ist gut für Ehebruch. Skandinavierinnen sind die besseren Ehefrauen.“ Der Dialog sei ihr peinlich, sagte die Kronprinzessin NRK: „Das ist ein Geplänkel unter Freunden. Da ist nichts Besonderes dran. Es ist ein kameradschaftlicher Ton, und etwas unbedacht.“
Wusste die Kronprinzessin über Epstein Bescheid?
Noch mehr Aufsehen hatte eine E-Mail erregt, in der Mette-Marit im Oktober 2011 an Epstein geschrieben haben soll: „Habe dich nach der letzten Mail gegoogelt. Du hast recht, das sieht nicht gut aus :).“ Sie erinnere sich nicht mehr daran, worum es dabei gegangen sei, sagte die Kronprinzessin heute.
„Ich wünschte, ich hätte den Rest dieser E-Mail-Korrespondenz noch“, sagte Mette-Marit. „Ich weiß nicht, was ich gefunden habe“, erklärte sie. „Aber hätte ich etwas gefunden, das mir klargemacht hätte, dass er ein Sexualstraftäter ist, hätte ich natürlich keinen Smiley geschickt.“ Ihre Rolle als Kronprinzessin habe sie damals als ziemlich anspruchsvoll empfunden. „Ich habe Epstein als jemanden erlebt, auf den ich mich in einer schwierigen Phase meines Lebens irgendwie verlassen konnte“, sagte sie. „Da habe ich mich sehr getäuscht.“
Der Wendepunkt: Zweifel an Epstein wuchsen
Mit der Zeit sei ihr klar geworden, dass er kein guter Mensch sei - unter anderem während eines Aufenthalts in Epsteins Haus in Palm Beach in Florida 2013 mit einer Bekannten. Sie habe nichts für den Urlaub bezahlt, sagte die Kronprinzessin. Außerdem habe sie Epsteins Chauffeur genutzt, und er habe für einen Friseurbesuch bezahlt.
„Das ist das, was mich am meisten beschäftigt hat, seit die schweren Missbrauchsfälle 2019 bekannt wurden: die Tatsache, dass ich dort war, und nicht zuletzt meine Schuldgefühle gegenüber den Opfern“, sagte die Kronprinzessin den Tränen nahe im Interview.
Sie habe nie etwas Illegales gesehen: „Alle, die ich mit Epstein zusammen getroffen habe, waren Erwachsene.“ Er habe sich aber auf eine Art verhalten, die ihr nicht gefallen habe. Es habe damals besonders einen Moment gegeben, in dem sie sich unwohl gefühlt hatte. Daraufhin habe sie ihren Mann angerufen.
Mette-Marit: Hätte mehr Menschen vor ihm warnen sollen
„Danach habe ich noch mehr Gerüchte gehört, dass er kein guter Mensch sei“, sagte die Kronprinzessin. „Deshalb wollte ich den Kontakt abbrechen.“ Heute bereue sie es, dass sie nach dem Kontaktabbruch im Sommer 2014 nicht mehr Menschen vor Epstein gewarnt habe, sagte die Kronprinzessin. „Ich wusste immer noch nichts von all den Übergriffen. Aber mir war klar, dass er ein übler Kerl war, mit dem man nichts zu tun haben sollte“, so Mette-Marit. „Und ich hatte aus nächster Nähe miterlebt, wie er andere erpresste.“
Haakon wusste von Freundschaft zu Epstein
Ihr Mann habe über ihren Kontakt zu Epstein Bescheid gewusst. Haakon sei der Mensch auf der Welt, den sie am meisten respektiere. „Das war kein Geheimnis zwischen uns“, sagte der Kronprinz im Interview. Dass er seiner Frau in dieser Zeit zur Seite stehen müsse, stehe für ihn außer Frage. „Wenn man heiratet, dann tut man das schließlich in guten wie in schlechten Tagen“, sagte er.
Auch ihre Schwiegereltern, König Harald und Königin Sonja, hätten sie sehr unterstützt, sagte Mette-Marit. Sie hoffe nicht, dass ihr Verhalten das Vertrauen in die Monarchie auf Sicht schwäche. Seit die neuen Epstein-Akten im Januar veröffentlicht worden waren und ihr Name dort Hunderte Male aufgetaucht war, war die Zustimmung zur Monarchie laut NRK in Umfragen geschrumpft.

