Die Inflation hat das Land fest im Griff und kein Ende in Sicht. Bei einer Teuerungsrate von 10 Prozent müssen jetzt viel mehr Menschen in Deutschland jeden Cent umdrehen, um noch über die Runden zu kommen. Vor allem bei den Lebenshaltungskosten für Energie und Lebensmittel zeigt sich, wie schwer die Inflation jeden einzelnen trifft. Die Lebensmittelpreise sind laut Verbraucherpreisindex im September 2022 um 18,7 Prozent im Vergleich zum September 2021 gestiegen. Das war der größte Anstieg in diesem Jahr bisher. Und Experten sagen schon: Das schlimmste kommt erst noch.
Die größten Preissprünge haben im vergangenen Jahr die Grundnahrungsmittel gemacht. Fleisch und Käse, aber auch Mehl, Butter, Öle und Eier sind am stärksten betroffen. Das macht den Verzicht sehr schwer – vieles davon ist notwendig für eine gesunde Ernährung.

Lebensmittelpreise 2022: Was Lebensmittel jetzt kosten

Im Verbrauchspreisindex des Statistischen Bundesamts wird nicht nur die Preisentwicklung für unterschiedliche Segmente - also Energie, Nahrungsmittel, Konsumgüter - festgehalten. Es wird auch akribisch notiert, wie sehr sich die Preise für einzelne Lebensmittel verändert haben. So kann man genau nachvollziehen, welche Güter am meisten gestiegen sind – und welche am wenigsten.
Folgende Lebensmittel sind im September 2022 um mindestens 30 Prozent teurer geworden, verglichen mit dem Vorjahr:
  • Mehl und andere Getreideerzeugnisse (34,1 Prozent)
  • Geflügelfleisch (30,2 Prozent)
  • Vollmilch (32,6 Prozent)
  • Teilentrahmte Milch (35,1 Prozent)
  • Dauermilch (41,9 Prozent)
  • Joghurt (30,3 Prozent)
  • Andere Milchprodukte (35,6 Prozent)
  • Butter (55,7 Prozent)
  • Margarine und andere pflanzliche Fette (34,3 Prozent)
  • Speiseöle pflanzlichen Ursprungs (außer Olivenöl) (80,7 Prozent)
Folgende Lebensmittel sind im September 2022 um weniger als 10 Prozent gestiegen:
  • Tiefgefrorene Meeresfrüchte (4,6 Prozent)
  • Frisches Obst (5,5 Prozent)
  • Trockenobst & Nüsse (6,8 Prozent)
  • Obstkonserven (9,8 Prozent)
  • Zucker (1,6 Prozent)
  • Süßwaren (4,8 Prozent)
  • Säuglings- und Kleinkindernahrung (6,5 Prozent)
  • Tee (4,5 Prozent)
  • Mineralwasser, Säfte, Erfrischungsgetränke (7,5 Prozent)

Gründe: Warum Grundnahrungsmittel so teuer sind

Die Begründungen für die Preissprünge sind vielschichtig und nicht für alle Lebensmittel gleich. Doch fällt auf, dass viele der Produkte mit den höchsten Preissprüngen auch mit einer energieintensiven Produktion zusammenhängen. Das betrifft beispielsweise viele Milchprodukte, Butter und Mehl. Das würde den Preisanstieg zumindest in Teilen erklären – aber eben nicht ganz.
Eine andere Teilerklärung bietet noch immer der Krieg in der Ukraine: Preise für Speiseöle und Getreide sind so sehr gestiegen, weil die Ukraine und Russland dafür wichtige Exportländer sind. Sorgen um die Ernten in den kommenden Jahren lassen den Markt verrückt spielen. Hinzu kommen die Ängste der Menschen, die vor allem im Frühjahr zu Hamsterkäufen führten. Das hat die Lage nur verschärft.
„Die Preise von Mehl, Brot und Backwaren sind bereits gestiegen und werden vermutlich erst einmal hoch bleiben oder noch weiter steigen, weil sich die deutschen Getreidepreise am Weltmarkt orientieren,“ erklärt die Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite. „Länder, die sonst viel Weizen aus der Ukraine und Russland importieren, werden ihren Bedarf stärker auf dem Weltmarkt decken müssen.“
Des Weiteren kritisiert die Verbraucherzentrale, dass auf den Börsen auch mit Lebensmitteln spekuliert wird. Daher lasse sich nicht ganz nachvollziehen, ob die gestiegenen Preise wirklich komplett an diesen oben genannten Faktoren liegen – oder ob da nicht auch einige Händler versuchen aus der Krise zu profitieren. „Die Verbraucherzentrale NRW hat die politisch Verantwortlichen sowie die Kartellbehörden aufgefordert, hier einmal genauer hinzusehen“.
Auf der Seite der Verbraucherzentrale befinden sich auch Tipps, wie man beim Einkaufen sparen kann. Hier geht es zum Artikel.