• Seit acht Wochen sind die Bewohner der Kanareninsel La Palma dem unberechenbaren Vulkan in der Cumbre Vieja weitgehend ohnmächtig ausgesetzt.
  • Während die Insel immer wieder von leichten bis mittleren Erdbeben erschüttert wird, frisst sich die glühend heiße Lava voran.
  • Jetzt wurde erstmalig die Leiche eines Mannes gefunden – das erste Opfer des Vulkans
Der Vulkan auf der Kanaren-Insel La Palma hat erstmals seit dem Ausbruch vor knapp acht Wochen ein Menschenleben gefordert. Die Leiche eines Mannes sei am Samstag, 13. November im Sperrgebiet im Süden La Palmas entdeckt worden, berichteten die Zeitung „El Mundo“ und andere Medien unter Berufung auf die Polizei. Der 70-Jährige sei allem Anschein nach ums Leben gekommen, als das Dach seines Hauses in der Gemeinde Los Llanos de Aridane eingebrochen sei.

Vulkan auf La Palma: Mann ging zum evakuierten Haus zurück

Der Mann hatte die Sperrzone den Medienberichten zufolge mit Genehmigung der Behörden betreten. Regelmäßig dürfen Bewohner der evakuierten Häuser in das von Asche bedeckte Gebiet am Gebirgszug Cumbre Vieja, damit sie etwa Dokumente oder andere dringend benötigte Dinge aus ihren Häusern holen. Das geschieht meistens unter Aufsicht der Behörden. Der am Samstag geborgene Mann habe in seiner Immobilie vermutlich versucht, die Vulkanasche wegzuputzen. Er sei am Freitag von Verwandten als vermisst gemeldet worden.
Seit der Vulkan, der noch keinen offiziellen Namen hat, am 19. September ausbrach, hat die zum Teil circa 1300 Grad heiße Lava nach einer jüngsten Bilanz der Regionalbehörden mehr als 1450 Gebäude völlig zerstört. Demnach waren zuletzt insgesamt 1018 Hektar von einer meterdicken Lavaschicht bedeckt. Diese Fläche entspricht mehr als 1400 Fußballfeldern. Mehr als 7000 Bewohner mussten seit Ausbruch des Vulkans in Sicherheit gebracht werden. Seit vielen Tagen schon bewegen sich die Lavaströme allerdings nur noch sehr langsam oder überhaupt nicht vorwärts.

Geochemiker filmt Lavabombe

Der Geochemiker Harri Geiger von der Universität Freiburg hat eine sogenannte Lavabombe gefilmt, die durch die Eruption des Vulkanes im Gebirgszug Cumbre Vieja durch die Luft geschleudert wurde und anschließend mit großer Geschwindigkeit durch eine Aschelandschaft rollte. Seine Nahaufnahmen zeigen zudem die glühende Lava im Inneren der Lavabombe.

La Palma: Touristen und Touristinnen wollen Vulkanausbruch sehen

Der Feuerberg in der Cumbre Vieja im Süden der Insel lockt dabei immer mehr Touristen an. Über das lange Wochenende mit Allerheiligen am Montag als Feiertag kamen rund 10.000 vornehmlich spanische Besucherinnen und Besucher auf die kleine Insel, wie die Zeitung „El País“ unter Berufung auf das Notfall-Komitee Pevolca berichtete. Die Behörden richteten einen kostenlosen Pendelverkehr mit Bussen zu dem Aussichtspunkt Tajuya ein, von dem aus der Vulkan gut zu beobachten ist. Der Verkehr mit privaten Autos Richtung Vulkan wurde eingeschränkt.

Vulkanausbruch auf La Palma: Eruptionen und intensive Phase dauert an

Vulkanologen erwarten angesichts der anhaltenden Heftigkeit der Vulkantätigkeit auf der Kanareninsel La Palma kein baldiges Ende des Ausbruchs. Darauf deuteten die an einigen Tagen mehr als 100 mittleren und leichten Erdbeben und vor allem der Ausstoß großer Mengen von Schwefeldioxid hin. Zudem sei das Terrain um den Vulkan um zehn Zentimeter in die Höhe gedrückt worden, sagte der Vulkanologe Ramón Ortíz der Zeitung „La Vanguardia“. „Das Magma drängt nach oben. Es drückt so lange, bis die Erdkruste bricht und Lava ausströmt.“ Der Vulkan in der Cumbre Vieja bot auch mehr als fünf Wochen nach dem Beginn des Ausbruchs spektakuläre Bilder heftiger Eruptionen, bei denen Magma und Gestein Hunderte Meter in die Höhe geschleudert wurden. Orangeglühende Lava wälzte sich weiterhin bergab Richtung Meer.
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Youtube La Palma: fünf Wochen nach Vulkanausbruch – Tagesschau

Lava auf La Palma: 908 Hektar sind bedeckt

Die Lava richtet aktuell kaum noch neue Schäden an, da sie über die bereits zuvor ausgetretene und inzwischen etwas erkaltete Lava floss. Auch kamen die verschiedenen Ströme kaum noch Richtung Meer voran, sondern neue Lava schob sich auf alte, teilweise war die Schicht bis zu 30 Meter hoch. Insgesamt waren 908 Hektar mit Lava bedeckt, was mehr als 1200 Fußballfeldern entspricht. Im besten Falle gehe der Ausbruch so weiter, bis der Druck unter dem Vulkan ausreichend gesunken sei, sagte der Vulkanologe Vicente Soler vom spanischen Forschungsinstitut CSIC. Schlimmer wäre es, wenn sich ein neuer Vulkanschlot in größerer Entfernung vom bisherigen Vulkan öffnen würde, neue Lavaströme auf der anderen Inselseite Richtung Meer fließen und die Verkehrsverbindungen zwischen dem Norden und dem Süden der Insel vollständig unterbrechen würden. „Das ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“, warnte Soler.

Ende des Vulkansausbruchs auf La Palma nicht in Sicht

Ein Ende des Ausbruchs des Vulkans, der schon jetzt 80 Millionen Kubikmeter Lava ausgespuckt hat und damit doppelt so viel wie der vor 50 Jahren, war indes weiter nicht in Sicht. „Noch nie in der bekannten Geschichte der Insel gab es solche Schwierigkeiten“, klagte der Regionalregierungschef Ángel Víctor Torres. Ein Avocado-Bauer nahm die Sache mit Gleichmut: „La Palma ist Vulkangebiet. Was der Vulkan dir nimmt, das gibt er dir auch zurück“, zitierte ihn die Zeitung „La Vanguardia“.

Vulkaninsel La Palma durch Lavaströme im Meer gewachsen

Die Vulkaninsel La Palma ist durch die sich ins Meer ergießende Lava schon um viele Hektar gewachsen. Das um die 1000 Grad heiße flüssige Gestein härtet aus, sobald es in das nur 20 Grad warme Wasser des Atlantiks fließt, und schiebt so die Küste langsam ins Meer hinaus, wie auf einem am Donnerstag auf Twitter veröffentlichten Video des spanischen Forschungsinstituts CSIC zu sehen war. Es bildete sich eine kleine, etwa 500 Meter breite Halbinsel:

Erdbeben auf La Palma: Weitere Evakuierungen in Folge des Vulkanausbruchs

Wegen näherrückender Lava ordnen die Behörden auf der Vulkaninsel La Palma die Evakuierung von immer mehr Menschen an. Damit stieg die Zahl der Menschen, die sich vor den Folgen des Vulkanausbruchs in Sicherheit bringen mussten, auf mehr als 7000. Zugleich seien weitere etwa 100 leichte bis mittlere Erdbeben registriert worden. Eines habe laut einer Mitteilung vom 14. Oktober die Stärke von 4,5 gehabt und sei damit das heftigste seit dem Ausbruch des Vulkans am 19. September gewesen.

Regierung kündigt nach Vulkanausbruch Millionen-Hilfen an

In Madrid kündigte Regierungschef Pedro Sánchez am Montag ein Sofortprogramm mit Hilfszahlungen in Höhe von 206 Millionen Euro an. Die Lava hat seit dem Beginn des Ausbruchs mehr als 1000 Gebäude zerstört und große Schäden in der Landwirtschaft und an der Infrastruktur angerichtet. Mehr als 5500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Livestream und Webcam: „Husten“ des Vulkans verursacht Rauch-Kringel

Satellitenbilder des Earth Observatory der NASA haben einen außergewöhnlichen Effekt festgehalten, welcher sich in großer Höhe über dem Schlot des Vulkans auf La Palma abspielte, so berichtete SWR3. In großer Höhe über dem Schlot konnte beobachtet werden, dass der Vulkan Ringe paffte, wie ein Zigarrenraucher. Experten des Izaña Atmospheric Research Center auf Teneriffa konnten das Phänomen erklären: der Grund war eine Inversionsschicht in der Atmosphäre. Bei dieser Wetterlage ist es in großer Höhe wärmer als am Boden. In etwa 5,3 Kilometer Höhe hatte sich eine warme, trockene Schicht aus Saharaluft angereichert. Weiter konnten ausgeschleuderte Asche und Gas nicht aufsteigen. Beim Aufeinandertreffen der Eruptionsteile mit der warmen Schicht wäre zu erwarten, dass sich eine geschlossene Decke bildet. die NASA-Aufnahmen zeigten allerdings gigantische, dunkle Ringe. Dies sei darauf zurückzuführen, dass der Vulkan seine Asche nicht gleichmäßig ausstößt, sondern stoßweise.
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Youtube Naturspektakel Vulkanausbruch auf La Palma – WetterOnline

Lavastrom hat Meer erreicht: Vulkan auf La Palma auch nach 5 Wochen noch aktiv

Nach dem Ausbruch des Vulkans Cumbre Vieja auf der Kanareninsel La Palma sind Lavaströme in den Atlantik geflossen. „Die Lava hat das Meer bei Playa Nueva erreicht“, teilte das Vulkanologische Institut der Kanaren schon vor einigen Wochen mit.
Experten befürchten, dass der Kontakt der Lava mit Meerwasser gesundheitsschädliche Gase freisetzen könnte. Auch Explosionen glühender Lavabrocken und kochend heiße Flutwellen sind demnach möglich. Das Vulkanologische Institut mahnte die Bewohner der 85.000-Einwohner-Insel zur Vorsicht. "Das Einatmen oder der Kontakt mit ätzenden Gasen oder Flüssigkeiten kann Haut, Augen und Atemwege reizen und Atembeschwerden verursachen, insbesondere bei Menschen mit bereits vorhandenen Erkrankungen der Atemwege.“

Lavaströme bei einem Vulkanausbruch auf der Insel La Palma auf den Kanaren, Spanien. Ein Vulkan auf der spanischen Atlantikinsel La Palma brach am Sonntag nach wochenlanger seismischer Aktivität aus und veranlasste die Behörden, Tausende zu evakuieren, da Lavaströme einzelne Häuser zerstörten und die Küste zu erreichen drohten. Bis in die Nacht hinein kam es immer wieder zu neuen Eruptionen.
Lavaströme bei einem Vulkanausbruch auf der Insel La Palma auf den Kanaren, Spanien. Ein Vulkan auf der spanischen Atlantikinsel La Palma brach am Sonntag nach wochenlanger seismischer Aktivität aus und veranlasste die Behörden, Tausende zu evakuieren, da Lavaströme einzelne Häuser zerstörten und die Küste zu erreichen drohten. Bis in die Nacht hinein kam es immer wieder zu neuen Eruptionen.
© Foto: Jonathan Rodriguez / dpa


La Palma: Urlaubsinsel auf den Kanaren im Überblick

La Palma liegt ganz im Nordwesten der Kanaren, einer Inselgruppe im Atlantik vor der Westküste Afrikas. Sie ist 85 Kilometer von der nächstgelegenen größeren und auch bei Deutschen Touristen sehr beliebten Insel Teneriffa und 57 Kilometer von La Gomera entfernt.
Der Ausbruch hatte sich in den Tagen vor dem Ereignis durch rund 6600 kleine und mittlere Erdbeben und eine leichte Anhebung des Erdbodens angekündigt. Die Behörden hatten die Menschen in der Nähe des Vulkangebiets aufgerufen, leichtes Gepäck mit ihrem Handy, wichtigen Dokumenten und eventuell benötigten Medikamenten vorzubereiten. Auf der jüngsten der Kanareninseln hatte es zuletzt vor 50 Jahren einen Vulkanausbruch gegeben, als der Teneguía 1971 Lava in die Luft schleuderte. Massentourismus wie auf den Teneriffa und den bekannteren Inseln Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa gibt es auf La Palma nicht.