Der Druck auf dem Regime im Iran steigt. Das Mittel, das sie jahrelang zur Unterdrückung der Bevölkerung - insbesondere dem weiblichen Teil - benutzt haben, könnte ihn nun zum Verhängnis werden. Seit mehr als einem Monat protestieren die Menschen im Iran. Vor allem Frauen lehnen sich gegen die rigiden Vorschriften auf, die nicht nur ihre Kleidung, sondern auch ihren Alltag bestimmen. Längst haben sich ihnen viele Männer und Menschen aus vielen sozialen Schichten angeschlossen.
Begonnen hat alles mit dem gewaltsamen Tod der jungen Frau Mahsa Amini. Die 22-Jährige wurde von der Sittenpolizei im Iran festgenommen, weil sie ihr Kopftuch nicht nach den strengen Vorschriften getragen haben soll.
Die Proteste haben sich mittlerweile ausgeweitet und richten sich gegen das Regime in Gänze. Doch das Kopftuch ist zum Symbol geworden. Welchen Regeln gelten also für Frauen im Iran?

Kopftuch im Iran: Das sind die Regeln des Regime

Zunächst eine kurze Zusammenfassung der jüngsten Geschichte des Iran. Das aktuelle Regime im Iran kam 1979 an die Macht im Rahmen der „Islamischen Revolution“. Davor gab es im Iran eine Monarchie, der Monarch trug den Titel „Schah“, das persische Wort für „Herrscher“. Der letzte Schah war Mohammed Reza Pahlavi, der 1979 gestürzt wurde und den Rest seines Lebens im Exil lebte.
Mit der Islamischen Revolution wurde die Islamische Republik Iran gegründet. Oberster Herrscher ist der Ajatollah, der höchste Geistliche im Land. 1983 wurden strenge Kleidungsvorschriften im Iran zum Gesetz. An diese müssen sich alle Frauen - ungeachtet ihrer Religion und Nationalität - halten. Das sind die Vorschriften:
  • Kopftuch: Alle Frauen müssen die Haare mit einem Tuch bedecken
  • Manteau: Das französische Wort für „Mantel“ beschreibt die Pflicht zum Tragen einer langen Jacke, die mindestens bis zu den Knien reichen sollte
  • Unter dem Manteau müssen Frauen eine Hose oder einen langen Rock tragen, damit der Körper bis zu den Knöcheln bedeckt ist
  • Die Arme müssen bis über die Ellenbogen bedeckt sein
  • Die Kleidung darf nicht enganliegend sein
  • Oberteile dürfen keine tiefen Ausschnitte haben
Im Profisport ist das Tragen des Kopftuchs ebenfalls Pflicht, auch im Ausland. Dagegen protestierte jüngst die Kletterin Elnaz Rekabi, die kurz darauf verschwand.
Übrigens: Auch für Männer gibt es Kleidungsregeln im Iran. Doch sind sie lange nicht so streng: Es sind nur keine kurzen Hosen erlaubt.

Frauen im Iran: Protest gegen den Hijab währt lange

Zwar sind die Regeln eigentlich sehr streng - doch die Frauen im Iran lehnen sich schon lange dagegen auf. Wer schon mal im Iran war und vor allem in den Städten war, dem ist sicher aufgefallen, dass viele Frauen den Hijab nur sehr locker tragen. Das ist seit Jahren eine Art „stiller Protest“ der Frauen gegen die strengen Vorschriften.
Das Kopftuch ist im Iran für alle Frauen Pflicht. Doch schon lange tragen nicht alle Frauen es so, wie sie sollen.
Das Kopftuch ist im Iran für alle Frauen Pflicht. Doch schon lange tragen nicht alle Frauen es so, wie sie sollen.
© Foto: dpa
Das Kopftuch ist im Iran für alle Frauen Pflicht. Doch schon lange tragen nicht alle Frauen es so, wie sie sollen.
Das Kopftuch ist im Iran für alle Frauen Pflicht. Doch schon lange tragen nicht alle Frauen es so, wie sie sollen.
© Foto: dpa
Doch genau dieser Protest kann auch gefährlich werden. Die iranische Sittenpolizei kontrolliert aus genau diesem Grund andauernd die Kleidung vor allem von Frauen. Die Sittenpolizei wurde 2005 gegründet. Sie gilt als gewalttätige Gruppe, die immer wieder versucht, aus Einzelfällen ein Beispiel zu machen und so ein Klima der Angst herzustellen.

Frauenrechte im Iran: „Zweite-Klasse-Menschen“

Neben den strengen Kleidungsvorschriften gelten noch zahlreiche weitere Regeln für Frauen, die für Männer nicht gelten. Frauenrechtler kritisieren das Regime schon lange, das sich immer nur sehr langsam zu Veränderung anregen lässt. Hier noch einige Beispiele:
  • Frauen dürfen sich nicht scheiden lassen
  • Frauen erhalten weniger Erbe als Männer
  • Die Aussagen von Frauen vor Gericht gelten nur, wenn eine zweite Zeugin sie bestätigen kann
  • Männer dürfen ihren Frauen untersagen, arbeiten zu gehen
  • Frauen dürfen nicht öffentlich singen