Seit Wochen protestieren tausende Menschen im Iran, darunter vor allem Frauen, gegen das Regime. Explizit richten sich die Proteste gegen die Bekleidungsvorschriften die von der sogenannten „Sittenpolizei“ durchgesetzt werden. Auslöser war der Tod einer 22-jährigen Frau, die ihr Kopftuch laut Sittenpolizei nicht vorschriftsmäßig getragen haben soll. Am Wochenende weiteten sich die Proteste auf den Profisport aus. Die iranische Kletterin Elnaz Rekabi trat im Finale der Asienmeisterschaften in Seoul ohne Kopftuch an.
Was passiert jetzt mit Elnaz Rekabi? Die aktuellen Informationen im Überblick.

Elnaz Rekabi: Klettern ohne Kopftuch aus Protest

Seit der islamischen Revolution von 1979 müssen iranische Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch und lange Jacken tragen, um so Haare und Körperkonturen zu verbergen. Dieses Gesetz gilt auch für alle Sportlerinnen des Landes, insbesondere bei Wettbewerben im Ausland. Demnach hat Rekabi eindeutig gegen das Kopftuchgesetz verstoßen. Ihre Entscheidung kann als Signal für ihre Solidarität mit der aktuellen Protestbewegung im Iran gesehen werden.

Reaktionen auf die Protestaktion von Elnaz Rekabi

Nachdem Elnaz Rekabi bei den Asienmeisterschaften ohne Kopftuch antrat, wurde über Twitter viel Unterstützung geäußert. Viele Menschen bekundeten ihre Solidarität mit Rekabi und bewunderten ihren Mut. So beispielsweise die Iranexpertin und frühere Iran-Korrespondentin Natalie Amiri, die auf Twitter schrieb, es handle sich um „eine Revolution im iranischen Profisport“. Es stelle sich nun die Frage, ob die 33-jährige Sportlerin in den Iran zurückkehren könne.
BBC-Korrespondent Bahma Kalbasi sagte es sei ein „unglaublicher Moment“, die 1-Live-Moderatorin Donya Farahani schrieb: „Diese mutige Frau! Unfassbar mutige Frau!“ Am Ende wurde Elnaz Rekabi in dem Wettbewerb in Seoul Vierte.
Kritische Reaktionen kamen aus den regierungsnahen Medien im Iran. Beipielsweise schrieb die Zeitung „Hamshahri“: „Bleibt abzuwarten, wie das Sportministerium auf die Aktion reagieren wird.“

Was passiert jetzt mit Elnaz Rekabi?

Die BBC meldete nun, dass kein Kontakt zu Elnaz Rekabi hergestellt werden könne. In der persisch-sprachigen Originalmeldung heißt es weiter, ein Versuch der Kontaktaufnahme über das Hotel der Mannschaft sei erfolglos geblieben. Von dort sei nur die Auskunft erteilt worden, „dass die Teammitglieder das Hotel am Montagmorgen“ verlassen hätten, die Mannschaft wird am Mittwoch im Iran zurückerwartet. „Kein Kontakt zu #ElnazRekabi - Sportlerin, die gestern ohne Kopftuch für #Irans Nationalteam im Bouldern angetreten war. Angehörige erreichen sie nicht“, twitterte Natalie Amiri.
Bei den Protesten im Iran sind in den vergangenen Wochen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen mindestens 108 Menschen getötet worden, darunter 28 Kinder. In der Hauptstadt-Provinz Teheran etwa seien elf Menschen getötet worden, 28 weitere in der Provinz Masandaran, erklärte die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR).