Große Konjunktion 2020
: Seltener „Weihnachtsstern“ zum Winteranfang am Abendhimmel

Pünktlich zum Winteranfang: Eine Erklärung für den biblischen Weihnachtsstern könnte eine seltene Planeten-Konstellation sein. Diese kann man in diesem Jahr am Himmel sehen.
Von
Uwe Keuerleber mit AFP
Köln
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In Bangalore in Indien sind Saturn und Jupiter nah beinander am Nachthimmel zu sehen. Am Abendhimmel des 21. Dezembers verschmelzen für unsere Augen die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems Jupiter und Saturn. Ein ähnlich enges Aufeinandertreffen wird es erst wieder im Jahr 2080 geben. Viele Menschen zog das Ereignis in ihren Bann.

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Jupiter und Saturn sind sich am Montag so nahe gekommen wie nur äußerst selten. Menschen rund um den Globus blickten in den Himmel, um die von Astronomen als „Große Konjunktion“ bezeichnete Begegnung der beiden größten Planeten unseres Sonnensystems zu verfolgen. Tatsächlich waren Jupiter und Saturn mehr als 730 Millionen Kilometer voneinander entfernt. Doch von der Erde aus betrachtet, wirkte es so, als seien sie sich ganz nahe gekommen.

Die besten Bedingungen zur Beobachtung des Planeten-Treffens herrschten am Äquator. Im westlichen Europa mussten die Himmelsgucker in südwestliche Richtung hochblicken, um das Phänomen zu beobachten. Die beste Uhrzeit zur Beobachtung der „Konjunktion“ war 19.22 Uhr MEZ.

In der indischen Metropole Kolkata verfolgten hunderte Hobby-Astronomen das Spektakel durch ein Teleskop in einem Technologie-Museum und von Hausdächern oder freien Flächen aus. In Kuwait zogen Planeten-Fans in die Wüste, um eine besonders gute Sicht auf das Himmelsphänomen zu haben.

Die „Große Konjunktion“ von Jupiter und Saturn findet etwa alle 20 Jahre statt - wie nah sie dabei von der Erde aus erscheinen, ist aber unterschiedlich.

Die Große Konjunktion: Zwei Planeten - Ein Lichtpunkt

Die Akteure des Himmelsschauspiels sind Jupiter und Saturn, die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems. Seit Wochen bewegten sich die beiden hellen Wandelsterne von der Erde aus gesehen am Himmel aufeinander zu - und am Montag waren sie sich am abendlichen Südwesthimmel so nahe kommen, dass sie „fast zu einem gemeinsamen Lichtpunkt verschmelzen“, wie die Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und das Heidelberger Haus der Astronomie mitteilten.

Gasriesen auf Tuchfühlung

Astronomen bezeichnen solche Begegnungen von Himmelskörpern als Konjunktion. Ob das Zusammentreffen von Jupiter und Saturn an unserem Himmel wie von manchem vermutet etwas mit dem geheimnisvollen Stern von Bethlehem zu tun hat, ist keineswegs erwiesen - und aus astronomischer Sicht letztlich auch nicht von Bedeutung. Klar ist allerdings, dass sich die beiden Gasriesen Jupiter und Saturn diesmal besonders nahe kommen werden.

Konjunktion von Jupiter und Saturn erst wieder in 60 Jahren

„Die Konjunktion von Jupiter und Saturn am 21. Dezember 2020, die zufällig auf den Tag der Wintersonnenwende fällt, ist die beste, die uns das Universum für lange Zeit zu bieten hat“, berichteten die VdS und das Haus der Astronomie. Ohnehin ist eine Konjunktion der beiden Riesenplaneten selten: Sie findet nur alle 20 Jahre statt und wird „Große Konjunktion„ genannt. Ein Himmelsschauspiel wie am Montag wird allerdings erst wieder in knapp 60 Jahren zu sehen sein.

Jupiter und Saturn kommen sich zum Greifen nahe.

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Experte Heber: „Alle Theorien weisen Schwachstellen auf“

Alle Theorien für die Herkunft des Stern von Bethlehem weisen nach Ansicht des Professors für Stellare Astrophysik an der Universität Erlangen-Nürnberg, Ulrich Heber, Schwachstellen auf. Als mögliche Vorbilder für die Erzählung vom Weihnachtsstern sieht er drei unterschiedliche Himmelserscheinungen: einen Kometen, eine Konjunktion von Jupiter und Saturn - also eine Annäherung der zwei Planeten am Nachthimmel - oder eine Sternexplosion, auch Supernova genannt. Solch auffällige Ereignisse wären aber auch in anderen Quellen als der Bibel erwähnt worden, gibt der Wissenschaftler zu bedenken.

„Eine astrologische Deutung, beispielsweise anhand eines Horoskops, wäre möglich“, sagte Heber. Ob der Stern von Bethlehem tatsächlich ein reales Vorbild habe oder eher eine Legende ist, bleibe aber offen. „Eine schöne Geschichte“, so der Wissenschaftler.

Stern von Bethlehem ziert viele Krippen

Der Stern von Bethlehem ziert viele Krippen und ist zentral für die Erzählung von den Heiligen Drei Königen, deren Feiertag am 6. Januar begangen wird. Die Könige, die auch als Weise oder Sterndeuter aus dem Morgenland bekannt sind, sollen sich für ihre Reise nach Bethlehem laut Bibel nach diesem Stern gerichtet haben.

Heber erforscht die Entwicklung der Sterne und deren Ende davon. „Auch Sterne leben nicht unendlich lange, sondern sie haben ihren thermonuklearen Fusionsvorrat“, erklärt er. Ihr Ende führe zu mehr oder weniger spektakulären Ereignissen, wie Supernova-Explosionen oder auch dem Verschmelzen von Sternen. Explosionen könnten auch dazu führen, dass Sterne beschleunigt durchs Universum rasten. „Das geht bis hin zu solch gigantischen Geschwindigkeiten, dass einzelne Sterne die ganze Galaxis, also die Milchstraße verlassen können“.

Zuletzt weniger spektakulär

Zum bislang letzten Mal näherten sich Jupiter und Saturn am 31. Mai 2000 einander an. Damals standen sie aber den Angaben zufolge zu nah an der Sonne, um am Nachthimmel sichtbar zu sein. Am 24. Juli 1981 waren die Verhältnisse demnach günstiger: Jupiter und Saturn tauchten am späten Abendhimmel auf, waren aber immer noch mehr als zwei Vollmonddurchmesser voneinander entfernt.

Bequeme Beobachtung

Diesmal jedoch werden sich die beiden Planeten bei bequemen Beobachtungsbedingungen auf bis zu einem Fünftel des Vollmonddurchmessers einander nähern - der Abstand der beiden Planetenscheibchen an unserem Himmel wird am Montag nur noch sechs Bogenminuten betragen. Dies bedeutet, dass sie mit bloßem Auge betrachtet beinahe nur noch einen einzigen Lichtpunkt bilden.

Pünktlich zum Winteranfang - und kurz vor Weihnachten zumal - sind sich Jupiter und Saturn in der sogenannten Großen Konjunktion ganz nah.

Mladen Antonov/AFP

Im All weit voneinander entfernt

Eine ähnlich enge „Große Konjunktion“ wird erst wieder am 15. März 2080 stattfinden, dann allerdings in der bereits hellen Morgendämmerung und damit unter schlechteren Beobachtungsbedingungen. Übrigens ist es keineswegs so, dass sich Jupiter und Saturn derzeit tatsächlich im Weltraum einander nähern. Im All sind sie weiterhin durchschnittlich 660 Millionen Kilometer voneinander entfernt, nur von der Erde aus gesehen können sich die beiden Gasriesen sehr nahe kommen.

Jupiter links unterhalb von Saturn

Wer in den nächsten Tagen Augenzeuge des seltenen Schauspiels werden will, braucht vor allem wolkenfreien Himmel - ein Teleskop ist dagegen nicht nötig. Schließlich strahlt Jupiter heller als die hellsten Sterne, und Saturn ist nur wenig lichtschwächer. „Beide sind auf den ersten Blick zu erkennen“, berichteten die Astronomen im Vorfeld. Der hellere Jupiter steht dabei links unterhalb des lichtschwächeren Ringplaneten Saturn.

Lohnender Blick durchs Fernglas

Freilich lohnt sich stets auch ein Blick durch Feldstecher oder Fernrohr auf die beiden Riesenplaneten. Bei Jupiter beispielsweise sind schon im Fernglas stets einige seiner vier großen Monde zu sehen. Um den spektakulären Ring um den Saturn erkennen zu können, ist allerdings ein Fernrohr oder Spektiv mit mindestens 30-facher Vergrößerung erforderlich.

Auf der ganzen Welt zieht die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn Menschen in ihren Bann.

DIBYANGSHU SARKAR/AFP