Man muss fast lachen, damit man nicht weint: Die letzten drei Jahre waren geprägt von so vielen schrecklichen Nachrichten, dass wir es kaum noch realisieren konnten. 2022 hat Deutschland und die Welt vor besonders schweren Herausforderungen gestellt. Die Welt ist in Aufruhr, Gesellschaften stehen vor der Zerreißprobe: Russland führt einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine, das Klima wärmt sich immer weiter auf während die Bekämpfung der Krise in den Hintergrund rückt. Möglicherweise wird auf das vergangene Jahr zurückgeblickt und festgestellt, dass es entscheidend war.
In diesem Jahresrückblick wollen wir auf die Meldungen im Jahr 2022, die den Ton ansagten. Und wir stellen erschrocken fest: In vielen steht Gewalt im Vordergrund.

Russlands Krieg gegen die Ukraine

Die wichtigste Nachricht des Jahres 2022 geschah gleich zu Beginn: Am 26. Februar 2022 begann Russland mit einem Einmarsch in die Ukraine. Russlands Präsident Wladimir Putin begründete die Invasion mit mehreren falschen Behauptungen: Die Ukraine werde von einer Nazi-Diktatur regiert und müsse befreit werden; russische Staatsbürger würden in der Ukraine unterdrückt werden; die Nato habe den Krieg provoziert. Wie zu Beginn des Kriegs vielfach berichtet wurde, sollte die Hauptstadt Kiew innerhalb weniger Tage eingenommen und eine neue, pro-russische Regierung installiert werden. Dieser Plan wurde durch die überraschende Wehrhaftigkeit der Ukrainer und die immer größer werdende Unterstützung aus dem Westen schnell durchkreuzt. Bis heute bleibt die Ukraine vor allem im Osten des Landes umkämpft – aber die russische Offensive konnte bisher immer zurückgeschlagen werden. Für Russland entwickelt sich der Krieg zum Debakel. Im Kurzprotokoll hier die wichtigsten Meldungen aus dem Krieg im Jahresverlauf:
  • Februar - April: Russischer Einmarsch; Zerstörung ukrainischer Städte wie Mariupol; massive Fluchtbewegung in die EU
  • Die EU, USA und weitere Verbündete erlassen schwere Sanktionen gegen Russland, darunter der Ausschluss aus dem Zahlungssystem SWIFT, Handelssanktionen, Stopp von Energieimporten aus Russland u.v.m
  • Russland wird aus sämtlichen sportlichen Veranstaltungen ausgeschlossen, darunter die Weltmeisterschaft in Katar
  • Energie wird in Europa teuer und heizt eine Inflation an, die bis Ende des Jahres auf 10 Prozent steigt.
  • Die Ukraine beginnt im Sommer ihre Gegenoffensive und kann zahlreiche Regionen zurückerobern.
Eine Frau blickt auf das Grab eines gefallenen Soldaten in der Ukraine. Seit dem 26. Februar 2022 kämpft die Ukraine für ihre Unabhängigkeit.
Eine Frau blickt auf das Grab eines gefallenen Soldaten in der Ukraine. Seit dem 26. Februar 2022 kämpft die Ukraine für ihre Unabhängigkeit.
© Foto: dpa

Klimakrise: IPCC stellt 1,5-Grad-Ziel in Frage

Wegen des Kriegs und der vielen Krisen, die dadurch überall in der Welt ausgelöst wurden rückte eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit in den Hintergrund: Die Klimakrise. Dabei war 2022 ein sehr entscheidendes: Erstmals seit dem Beschluss des Pariser Klimaabkommens 2015 wurde das dort vereinbarte Ziel offiziell in Frage gestellt: Es ist kaum noch zu schaffen, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das stellte der Sechste Weltklimabericht des IPCC im Februar fest. Nur wenn es sofort große Anstrengungen gebe, um bis 2030 die weltweiten Emissionen zu halbieren, könnte das Ziel noch erreichbar sein. Viele Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass es uns nicht gelingen wird, die Erderwärmung auf unter 3 Grad zu begrenzen.

Japans Ex-Premierminister wird erschossen

In Deutschland wurde relativ wenig darüber berichtet, und doch ist es eines der schreckerregendsten Meldungen des Jahres gewesen: Ein ehemaliger Anführer eines Landes wird auf offener Straße erschossen. Shinzo Abe, der von 2012 bis 2020 der Premierminister Japans war, wurde am 8. Juli von einem Angreifer von hinten erschossen, während er in der Stadt Nara auf der Bühne stand und eine Rede hielt. Später stellte sich heraus, dass Abe von dem 41-Jährigen Tetsuya Yamagami ermordet wurde. Der Mann erklärte, dass er keine Probleme mit der Politik Abes hatte, ihn aber aus religiösen Gründen töten musste. Am 27. September 2022 wurde Shinzo Abe bei einem Staatsbegräbnis beigesetzt.
in großes Foto hängt beim Staatsbegräbnis für den ermordeten ehemaligen japanischen Premierministers Shinzo Abe in der Kampfsporthalle Nippon Budokan in Tokio.
in großes Foto hängt beim Staatsbegräbnis für den ermordeten ehemaligen japanischen Premierministers Shinzo Abe in der Kampfsporthalle Nippon Budokan in Tokio.
© Foto: Franck Robichon/dpa

Michail Gorbatschow stirbt mit 91 Jahren

Inmitten der Krise mit Russland stirbt einer der wichtigsten Personen, der das Ende des Kalten Kriegs herbeigeführt hat: Michail Gorbatschow stirbt am 30. August 2022 nach langjähriger Krankheit mit 91 Jahren in einem Krankenhaus in Moskau. Er war der letzte Anführer der Sowjetunion und wird vor allem in Deutschland geschätzt, da er maßgeblich an der Wiedervereinigung beteiligt war. Am 3. September wurde er öffentlich beigesetzt. Der russische Präsident konnte wegen „Terminproblemen“ nicht teilnehmen. Putin war ein lautstarker Kritiker Gorbatschows.

Die Queen stirbt mit 96 Jahren

Es war irgendwie überraschend und irgendwie auch nicht: Mit 96 Jahren ist Königin Elizabeth II. am 8. September 2022 in Schottland gestorben. Sie war 70 Jahre lang die Monarchin von Großbritannien und 15 anderen Staaten. Das Staatsbegräbnis der Queen wurde am 15. September gehalten, davor war ihr Sarg fast eine Woche lang öffentlich aufgebahrt. Etwa 250,000 Menschen gingen an dem Sarg in London vorbei, um sich von der Monarchin zu verabschieden. Knapp 100,000 Menschen kamen zum Staatsbegräbnis.
Noch im Juni feierte die Queen ihr Platinjubiläum: Im September starb sie dann mit 96 Jahren.
Noch im Juni feierte die Queen ihr Platinjubiläum: Im September starb sie dann mit 96 Jahren.
© Foto: DANIEL LEAL/AFP

Proteste im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini

Die Proteste dauern noch an, weshalb kaum zu sagen ist, wie das Ende ausfallen wird. Festzuhalten ist jedoch, dass seit dem 16. September 2022 im Iran eine Massenrevolte stattfindet. Losgetreten wurden die Proteste, die vor allem von Frauen angeführt werden, durch den gewaltsamen Tod der jungen Frau Mahsa Amini. Amini war von der Sittenpolizei Irans festgenommen wurden, weil sie ihren Hijab angeblich nicht korrekt getragen hat. Augenzeugen zufolge wurde die 22-Jährige von der Sittenpolizei verprügelt, bis sie starb.
Mit dem Tod der jungen Frau gingen zunächst Frauen auf die Straßen, um ein Ende der strengen Kleidungsvorschriften im Iran zu fordern. Mittlerweile haben sich die Proteste ausgeweitet und die Demonstranten verlangen das Ende des islamischen Regimes. Die Proteste werden mit immer mehr Gewalt niedergeschlagen, zwei Demonstranten wurden bisher mit der Todesstrafe bestraft. Über 500 Demonstranten sind bisher gestorben.