Neue Studie wirft Fragen auf
: Ist Melatonin schlecht fürs Herz?

Kann das bei vielen als Spray beliebte Schlafhormon Melatonin dem Herzen schaden? Eine neue Studie liefert die Antwort.
Von
Judith Müller
Berlin
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Schlafsprays versprechen schnelleres Einschlafen. Doch nicht immer sind sie so wirksam, wie erhofft. (zu dpa: «Melatonin-Sprays im Test: Kaum Nutzen, viele Mängel»)

Wie harmlos ist Melatoninspray wirklich? Eine neue Studie enthüllt erschreckende Ergebnisse.

dpa-tmn, Christin Klose

Viele greifen abends bei Schlafproblemen zu Melatonin, dem sogenannten „Schlafhormon“, in der Hoffnung auf schnelle Linderung. Schließlich gilt es als natürlicher Helfer, der den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert und als weitgehend ungefährlich gilt. Doch eine neue Studie der American Heart Association wirft nun ein kritisches Licht auf die langzeitliche Einnahme von Melatonin – insbesondere in Bezug auf die Herzgesundheit.

Studie analysiert Gesundheitsdaten von über 130.000 Menschen

Die noch unveröffentlichte Untersuchung, die nächste Woche auf der Konferenz der American Heart Association in New Orleans vorgestellt wird, wertete Daten von mehr als 130.000 Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit aus. Die Forscher stellten fest, dass Personen, die Melatonin über mehr als ein Jahr regelmäßig eingenommen hatten, ein deutlich höheres Risiko für Herzinsuffizienz und eine erhöhte Sterblichkeit aufwiesen.

Laut der Analyse war das Risiko für Herzschwäche bei den Melatonin-Nutzern fast doppelt so hoch wie bei Nicht-Nutzern. Auch Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzproblemen sowie die Sterberate lagen signifikant höher.

Kein direkter Beweis für Ursache-Wirkung

Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Studie keinen direkten Kausalzusammenhang nachweisen konnte. Wie die New York Times berichtet, könnten auch andere Faktoren eine Rolle spielen – etwa die Schlaflosigkeit selbst oder begleitende Erkrankungen wie Schlafapnoe. Die Autoren betonen daher, dass die Ergebnisse in erster Linie als Anstoß für weitere Forschung zu verstehen sind.

Melatonin: Natürliche Substanz mit unterschiedlichen Verfügbarkeiten

Melatonin wird vom Körper selbst produziert und reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Als Nahrungsergänzungsmittel ist es sowohl rezeptfrei als auch verschreibungspflichtig erhältlich – abhängig von Dosierung und gesetzlicher Regelung. In den USA sind auch hohe Dosen frei erhältlich, während in Deutschland nur niedrig dosierte Präparate rezeptfrei gekauft werden können. Diese Unterschiede führten laut den Forschern zu methodischen Einschränkungen, da nur verschriebene Präparate in die Analyse einflossen.

Experten mahnen Vorsicht

„Die Ergebnisse sind zweifellos provokant und verdienen Beachtung, insbesondere angesichts der weit verbreiteten Annahme, Melatonin sei ein harmloses, ‚natürliches‘ Schlafmittel“, erklärte Muhammad Rishi, außerordentlicher Professor für klinische Medizin und Sprecher der American Academy of Sleep Medicine, gegenüber der Washington Post.

Darüber hinaus bleiben viele Fragen offen: Die genaue Dosierung, Dauer der Einnahme und der Schweregrad der Schlaflosigkeit der untersuchten Personen sind unbekannt – Faktoren, die die Herzgesundheit erheblich beeinflussen könnten.

Alternative Ansätze bei chronischer Schlaflosigkeit

Während Melatonin bei temporären Schlafproblemen wie Jetlag kurzfristig helfen kann, empfehlen Schlafmediziner bei langfristigen Schlafstörungen oft umfassendere Methoden. Dazu zählen kognitive Verhaltenstherapie, konsequente Schlafhygiene und der Verzicht auf Koffein oder Alkohol vor dem Schlafengehen.

Melatonin langfristig kritisch prüfen

Die Studienautoren und Experten raten, die neuen Ergebnisse nicht als Panikmache zu sehen, sondern als Anstoß, die langfristige Einnahme von Melatonin kritisch zu hinterfragen. Besonders Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten mögliche Risiken und Nutzen unbedingt mit einem Arzt besprechen und gegebenenfalls auf sicherere Schlaflösungen setzen.