Impfstoff Astrazeneca: Schlechte Wirksamkeit der Corona-Impfung bei Senioren? Spekulation über eingeschränkte EU-Zulassung

Ist der Corona-Impfstoff von Astrazeneca bei Senioren weniger wirksam? Der Pharmakonzern dementiert kurz vor der Zulassung in der EU.
Andrew Matthews/PA Wire/dpaDie Corona-Zahlen in Deutschland sinken merklich.
Der Lockdown zeigt Wirkung.
Allerdings: Es drohen drei gefährliche Mutationen.
Die Impfungen laufen nur schleppend an, denn es gibt zu wenig Impfstoff.
Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca, auf dessen Impfstoff viele Hoffnungen ruhen, und bei dem die EU 400 Millionen Impfdosen bestellt hat, steht in der Kritik, die sich zu ernsten Schwierigkeiten auswachsen könnten.
Zum einen hat das Unternehmen angekündigt, trotz der Förderung durch Steuergelder nicht die vereinbarten Mengen an Impfstoff an die EU liefern zu können, was nun ernsthafte Konsequenzen und Sanktionen durch die EU nach sich ziehen dürfte.
Zum anderen gibt es Berichte, dass der Impfstoff von Astrazeneca bei Senioren über 65 Jahren weniger wirksam sei.
Das wäre fatal, zumal die Zulassung des Impfstoffes am Freitag erfolgen soll. Hier könnte es zu Beschränkungen bezüglich der impfbaren Altersgruppen kommen, berichten Medien.
Astrazeneca-Impfstoff bei Menschen über 65 Jahren nur zu 8 Prozent wirksam?
Gegen die Berichte über einen mangelnden Schutz wehrt sich der Pharmahersteller. Meldungen, dass das Vakzin bei älteren Menschen über 65 Jahren nur eine Wirksamkeit von 8 Prozent habe, seien „komplett falsch“, teilte ein Sprecher am Dienstagmorgen mit.
Zuvor hatte das „Handelsblatt“ über den geringen Schutz bei Senioren berichtet, es bezog sich dabei auf Koalitionskreise. „Bild“ berichtete unter Berufung auf Kreise aus der Bundesregierung über eine Wirksamkeit von unter 10 Prozent in dieser Altersgruppe.
Astrazeneca: Notfall-Zulassung in England gilt auch für Senioren
Astrazeneca führt in seiner Reaktion darauf mehrere Argumente an:
Die Notfallzulassung der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) gelte auch für ältere Menschen.
Ein Beratungskomitee für Impfungen habe den Einsatz des Impfstoffs bei Senioren unterstützt.
Eine im November im Fachblatt „Lancet“ veröffentlichte Studie habe gezeigt, dass der Impfstoff auch bei Senioren eine starke Immunantwort auslöse.
Allerdings heißt es in einer späteren „Lancet“-Veröffentlichung auch, dass es wegen geringer Fallzahlen in der entscheidenden klinischen Studie noch wenige Daten zur Wirksamkeit bei älteren Menschen gebe.
Zulassung am Freitag: Corona-Impfstoff von Astrazeneca nur für jüngere Menschen?
Es wird damit gerechnet, dass der Impfstoff von Astrazeneca, der in Großbritannien bereits verimpft wird, am Freitag, 29.1.2021, die EU-Zulassung bekommen soll. „Bild“ berichtet, die Bundesregierung rechne bereits damit, dass der Impfstoff von Astrazeneca von der EU-Arzneimittelbehörde EMA lediglich eine Zulassung für die Impfung von Menschen erhalten werde, die jünger als 65 Jahre seien. Die Folge sei, dass Senioren mit diesem Stoff nicht geimpft werden dürften.
Senioren werden werden nicht nur in Deutschland mit Priorität geimpft, weil sie ein besonders großes Risiko für schwere Verläufe bei Covid-19 haben. Deshalb ist es wichtig, dass ein Impfstoff gerade auch Senioren gut schützt.
Was wäre die Folge, wenn die Impfstoff-Zulassung in der EU eingeschränkt wird?
Und was ist, wenn es nur eine eingeschränkte EU-Zulassung für Astrazenecas Vakzin geben sollte? Der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs sagte in NTV zu der Frage nach solch einem Szenario, dass man dann die Strategie ändern und den Impfstoff so einsetzen müsse, wie er von der EMA zugelassen sei. Das hieße: In diesem Falle würde der für Senioren geplante Astrazeneca-Impfstoff in dieser Altersgruppe nicht verwendet. Man würde damit dann die Jüngeren impfen. Bei den älteren Menschen müsse man auf die Impfstoffe von Biontech und Moderna ausweichen.
Änderung der deutschen Impfstrategie möglich
Tatsächlich könnte die Entwicklung zu einer Änderung der deutschen Impfstrategie führen. Ob die Impf-Verordnung geändert werden muss, könne aber erst nach der Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zur Zulassung und den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission entschieden werden, sagte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Hanno Kautz.
Jens Spahn: Daten aus Studien zu Wirksamkeit von Astrazeneca abwarten
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will sich nicht an Spekulationen über eine angeblich schlechtere Wirksamkeit des Impfstoffs bei über 65-Jährigen beteiligen. Er wolle warten, bis die Daten aus den Studien ausgewertet worden seien. „Ich halte wenig davon, das jetzt in Überschriften spekulativ zu machen“, sagte Spahn im ZDF-„Morgenmagazin“. Man werde auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse nächste Woche entscheiden, „welche Altersgruppen zuerst mit diesem Impfstoff geimpft werden“.
Das Portal Business Insider berichtet, Jens Spahn habe in einer Telefonkonferenz mit seinen Länderkollegen angekündigt, dass die gesetzliche Impfreihenfolge geändert werde. Die Regierung gehe davon aus, dass die Europäische Arzneimittelbehörde EMA voraussichtlich am Freitag lediglich eine Empfehlung zur Nutzung des Astrazeneca-Mittels für unter 65-Jährige geben werde
