Illegale Produkte und Suchtgefahr: Welche Konsequenzen drohen Shein?

Das Verfahren gegen den Fast-Fashion-Konzern Shein wurde eingeleitet.
picture alliance/dpa, Monika SkolimowskaDie Europäische Union hat ein formelles Verfahren gegen den Fast-Fashion-Konzern Shein eingeleitet. Im Fokus stehen mögliche Verstöße gegen europäisches Recht – darunter der Verkauf illegaler Produkte, problematische Designmechanismen der Plattform und mangelnde Transparenz bei Empfehlungsalgorithmen.
Grundlage der Untersuchung ist der Digital Services Act (DSA), der große Online-Plattformen zu mehr Verbraucherschutz, Transparenz und Risikominimierung verpflichtet.
Verkauf illegaler Produkte
Besonders brisant sind Berichte über den Verkauf kindlich anmutender Sexpuppen sowie weiterer potenziell gefährlicher Artikel. EU-Behörden verweisen zudem auf nicht konforme Kosmetika, Elektronikprodukte und Kleidung mit verbotenen Chemikalien oder Sicherheitsmängeln.
Die EU bezweifelt, dass Sheins interne Kontrollsysteme ausreichend verhindern, dass solche Produkte auf der Plattform angeboten werden. Das Unternehmen habe das Risiko möglicher Rechtsverstöße selbst als „niedrig“ eingestuft – die Kommission spricht hingegen von einem „hohen Risiko“.
„Süchtig machendes Design“ im Visier
Ein weiterer Schwerpunkt ist das sogenannte „addictive design“. Die EU untersucht, ob Bonusprogramme, Gamification-Elemente, Countdown-Angebote und Belohnungssysteme Nutzer zu übermäßigem Konsum verleiten und das mentale Wohlbefinden beeinträchtigen könnten.
Ein ähnliches Verfahren läuft übrigens bereits gegen die Shopping-Plattform Temu.
Intransparente Empfehlungsalgorithmen
Nach dem DSA müssen Plattformen offenlegen, wie ihre Empfehlungssysteme funktionieren, und eine Alternative anbieten, die nicht auf personalisiertem Profiling basiert. Laut EU habe Shein sein System bislang nur sehr allgemein beschrieben. Ob die Transparenzanforderungen erfüllt sind, wird nun geprüft.
Mögliche Konsequenzen
Sollte die EU Verstöße feststellen, drohen Bußgelder von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Auch strukturelle Änderungen am Plattformdesign wären möglich. Ein Verkaufsverbot gilt als letztes Mittel.
Shein betont, man nehme die DSA-Verpflichtungen ernst, habe Risikoanalysen durchgeführt und Schutzmaßnahmen – insbesondere für jüngere Nutzer – verstärkt.
Die Untersuchung zeigt: Die EU will internationale Online-Händler konsequent regulieren und setzt den Digital Services Act zunehmend durch. Für Shein steht damit nicht nur ein Imageschaden, sondern möglicherweise auch ein grundlegender Umbau seines Geschäftsmodells im Raum.
Stellungnahme des Unternehmens
Ein Sprecher von Shein betonte, das Unternehmen nehme seine Verpflichtungen aus dem Digital Services Act sehr ernst und habe stets eng mit der Europäischen Kommission kooperiert. In den vergangenen Monaten habe Shein umfassend in systemische Risikobewertungen, Modelle zur Risikominimierung und einen verstärkten Schutz jüngerer Nutzer investiert.
Zudem seien Erkennungstools verbessert und zusätzliche Schutzmaßnahmen für altersbeschränkte Produkte eingeführt worden. Gemeinsam mit der Kommission habe man sich über den europaweiten Einsatz einer Altersverifikationslösung auf Basis externer Drittanbieter-Technologie abgestimmt, die Anforderungen an Jugend- und Datenschutz erfüllen soll. Der Schutz Minderjähriger und die Eindämmung potenziell schädlicher Inhalte hätten bei der Weiterentwicklung der Plattform oberste Priorität, so das Unternehmen.
Quelle: The Guardian, Shein

