Gewalt in Haiti
: Regierungschef Ariel Henry tritt zurück

Nach der Bandengewalt in Haiti ist jetzt der unter Druck stehende Regierungschef Ariel Henry zurückgetreten. Zieht jetzt Ruhe im Karibikstaat ein?
Von
Daniel Steiger
Kingston
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Ariel Henry, Premierminister von Haiti, hat sich nach Angaben der karibischen Staatengemeinschaft Caricom zum Rücktritt bereiterklärt.

Andrew Kasuku/dpa

Im Karibikstaat Haiti zieht keine Ruhe ein. Nach einer Serie von Überfällen durch Banden ist nun Regierungschef Ariel Henry. Damit erfüllt Henry die Forderungen der gewalttätigen Gruppen.

Gewalt auf Haiti: Regierungschef Ariel Henry tritt zurück

„Die Regierung, die ich führe, kann von dieser Situation nicht unberührt bleiben. Wie ich immer gesagt habe, ist kein Opfer zu groß für unser Vaterland Haiti“, sagte Ariel Henry in einer am Montag (Ortszeit) online veröffentlichten Rücktrittsrede. Zuvor hatte der Vorsitzende des karibischen Staatenbündnisses Caricom, Guyanas Präsident Mohamed Irfaan Ali, Henrys Rücktritt bekanntgegeben.

„Wir nehmen den Rücktritt von Ministerpräsident Ariel Henry zur Kenntnis“, sagte Ali bei einem Krisentreffen zur Lage in Haiti in Jamaikas Hauptstadt Kingston. Es gebe eine Vereinbarung für eine Übergangsregierung und eine „friedliche Machtübergabe“ in dem verarmten Karibikstaat, sagte Ali weiter. Ziel seien letztlich „freie und faire Wahlen“.

Ein US–Regierungsvertreter sagte, Henry habe seinen Rücktritt in einem Telefonat mit US–Außenminister Antony Blinken bestätigt. Henry könne im US–Außengebiet Puerto Rico bleiben, wo er sich derzeit aufhält.

Die Gewalt in Haiti war Ende Februar während einer Auslandsreise Henrys in Kenia eskaliert. Bewaffnete Banden im Land attackierten Polizeistationen und befreiten tausende Häftlinge aus Gefängnissen, sie griffen auch den Präsidentenpalast an.

Neuwahlen versprochen, aber immer wieder verschoben

Die Gangs forderten den Rücktritt des seit 2021 regierenden Henry, der eigentlich Anfang Februar aus dem Amt des Ministerpräsidenten hätte scheiden sollen. Henry hatte sich stattdessen Ende Februar mit der Opposition darauf verständigt, bis zur Abhaltung von Neuwahlen gemeinsam zu regieren.

Henry hatte am 20. Juli 2021, rund zwei Wochen nach der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse, als Interims–Premierminister die Regierungsgeschäfte in Haiti übernommen. Moïse hatte ihn keine 36 Stunden vor seinem Tod zum siebten Premierminister seiner Amtszeit erkoren. Allerdings hatte Henry das Amt vor dem Attentat noch nicht angetreten.

Unter der Ägide des 74–jährigen Neurochirurgen wurden Wahlen mit Verweis auf die Sicherheitslage mehrmals verschoben und bis heute nicht nachgeholt.

(mit Material von dpa und AFP)