Haiti
: EU evakuiert gesamtes diplomatisches Personal

In Haiti greifen bewaffnete Banden, die den größten Teil der Hauptstadt Port-au-Prince sowie Straßen im Rest des Landes kontrollieren, Polizeistationen, Gefängnisse und Gerichte an.
Von
David Hahn
Brüssel
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Vor dem Hintergrund der eskalierenden Gewalt evakuiert die EU ihr gesamtes diplomatisches Personal.

Odelyn Joseph/dpa

In Abwesenheit von Haitis Regierungschef Ariel Henry ist die Gewalt eskaliert. Während sich dieser auf einer Auslandsreise in Kenia befand, griffen bewaffnete Banden nach der Macht und fordern den Rücktritt Henrys, der eigentlich Anfang Februar aus dem Amt hätte scheiden sollen. Henry hatte sich stattdessen Ende Februar mit der Opposition darauf verständigt, bis zur Abhaltung von Neuwahlen gemeinsam zu regieren.

Evakuiert: EU zieht gesamtes diplomatisches Personal ab

Angesichts der Gewalteskalation in Haiti hat die Europäische Union (EU) ihr gesamtes diplomatisches Personal aus dem Karibikstaat evakuiert. Es sei an einen sichereren Ort außerhalb des Landes gebracht worden, sagte ein EU-Sprecher am Montag in Brüssel. Er begründete den Schritt mit der „dramatischen Verschlechterung der Sicherheitslage“ in Haiti. Am Vortag hatte bereits das Auswärtige Amt erklärt, dass der deutsche Botschafter und der Ständige Vertreter aus dem Karibikstaat in die Dominikanische Republik ausgereist seien.

Angesichts der Gewalteskalation wollten sich am Montag auf Einladung der Karibischen Gemeinschaft (Caricom) Gesandte verschiedener Staaten und der Vereinten Nationen treffen, um über die Krise in Haiti zu beraten. Auch US-Außenminister Antony Blinken wollte nach Angaben aus Washington zu dem Treffen nach Jamaika reisen.

Auswärtiges Amt warnt vor Lage in Haiti

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin bezeichnete die Lage in Haiti am Montag als „sehr angespannt“, die Zustände seien „furchtbar“. Die Ausreise des deutschen Botschafters und des Ständigen Vertreters begründete er mit der „sehr zugespitzten und unberechenbaren Sicherheitslage“.

„Es gibt eine Reihe großer gut bewaffneter Banden, die das Staatswesen herausfordern“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Die haitianische Regierung habe internationale Schutztruppen in das Land eingeladen, um dabei zu helfen, Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen. Dazu habe sich unter anderem Kenia bereiterklärt, fügte der Sprecher hinzu.

(Mit Material von dpa und AFP)