Gute Nachrichten
: Warum wir auf eine poliofreie Welt hoffen dürfen – und mehr

Dieser Artikel ist für jene gedacht, die eine Dosis guter Nachrichten benötigen im grauen Alltag der schlechten News, die sonst unsere mediale Welt prägen.
Von
Verena Eisele
Ulm
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Fraser Island wird in K’gari umbenannt: Mitglieder des Butchulla-Volkes, der traditionellen Eigentümer von K'gari, tanzen während der offiziellen Zeremonie zur Umbenennung.

Darren England

Unsere „good news“ der Woche: Sport, Gleichberechtigung, Bildung, Klimaschutz. Wir berichten nicht nur aus Ulm, im Südwesten Deutschlands, sondern werfen auch einen Blick über den Tellerrand, hin zu unseren europäischen Nachbarn sowie nach Australien. Freuen Sie sich mit uns!

1. Große Begeisterung über Fair Play bei den Special Olympics in Berlin

Die Special Olympics finden gerade zum ersten Mal in Deutschland statt. Hier treten Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Behinderung in 26 Sportarten an. Vergangenen Dienstag (20.06.2023) kam es zu einer schönen Szene zweier Schwimmerinnen, die eigentlich Konkurrentinnen sind. Die Puerto Ricanerin Esmeralda Encarncaion eilte ihrer saudi-arabischen Kontrahentin Sarah Ghandoura zur Hilfe. Diese hatte nämlich fälschlicherweise geglaubt, sie sei bereits am Ziel, dabei fehlte ihr noch eine Bahn. Encarnacion kehrte daraufhin ins Wasser zurück und begleitete Ghandoura auf den letzten Metern. Gemeinsam erreichten sie schließlich das Ziel und wurden von einem begeisterten Publikum in der Schwimmhalle begleitet. Eine schöne Fair-Play-Geste der Athletin!

2. DFB-Frauen fördern Enttabuisierung der Menstruation UND kriegen höhere Prämien

Die DFB-Frauenmannschaft steht kurz vor der WM.

o.b.

Vielleicht geht diese Nachricht schon zu sehr in Richtung PR und Werbung, aber in diesem Fall überwiegt die Sache an sich: Die DFB-Frauen haben einen neuen Sponsor gewonnen. Eine in Deutschland bekannte Tampon-Marke wird knapp einen Monat vor der WM die deutschen Fußballerinnen finanziell unterstützen. Die Sportlerinnen wollen damit vielmehr ein Zeichen setzen: „Leider wird ein offener Umgang mit dem Thema noch oft gehemmt“, sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg dazu.

Der weibliche Zyklus ist ein Thema, das im Leistungssport immer noch vernachlässigt wird. Im Rahmen einer Kampagne (#LetsTalkPeriods) wollen die Nationalspielerinnen offene Gespräche über die Menstruation fördern und Vorurteile und Tabus abbauen, wie der DFB mitteilte.

Und noch ein Grund zur Freude bei den Nationalspielerinnen: Die FIFA wird den Spielerinnen bei der WM 2023 erstmals eine Mindestprämie garantieren. Jede Teilnehmerin soll mindestens 30.000 US-Dollar erhalten. Eine Spielerin, die Weltmeisterin wird, soll 270.000 US-Dollar bekommen. Auch wenn Männer in Katar das Vierfache davon erhalten haben (Weltmeister erhielten ein Preisgeld von 42 Millionen) – es ist trotzdem eine stolze Summe.

3. Grund zur Freude bei australischen Indigenen: Aus Fraser Island wird (wieder) K’gari

Der Lake Wabby und der Hammerstone Sandblow auf Fraser Island. Die weltgrößte Sandinsel Fraser Island vor der Küste von Queensland trägt nun auch offiziell wieder ihren ursprünglichen Namen K'gari.

Reichlyn Aguilar

Vor der Küste Australiens liegt die größte Sandinsel der Welt, die nun offiziell wieder ihren ursprünglichen Namen K'gari (ausgesprochen: Gurrie) trägt. Fraser Island, wie sie auch bekannt ist, hat in der Sprache des Butchulla-Volkes die Bedeutung „Paradies“. Die Premierministerin der Region, Annastacia Palaszczuk, betonte: „K'gari ist der Name, der es immer war und immer sein wird.“ Sie forderte alle Einwohner Queenslands auf, die Insel fortan mit ihrem rechtmäßigen Namen K'gari anzusprechen. In Australien war die Insel als Fraser Island bekannt, benannt nach Eliza Fraser. Die schottische Frau erlitt 1836 Schiffbruch vor der Insel und erlangte durch ihre Memoiren Berühmtheit, in denen sie erschreckende Geschichten über die Aborigines (australische Indigene) verbreitete. 1992 wurde K’gari in das Weltnaturerbe der UNESCO aufgenommen, aufgrund ihrer atemberaubenden Landschaften. Bis heute kämpfen die Aborigines vielerorts noch für die Anerkennung ihrer Landrechte.

K’gari ist die größte Sandinsel der Welt und erstreckt sich über eine Länge von 122 Kilometern. Der Name repräsentiert die türkisfarbenen Seen wie den Lake McKenzie, aufregende Offroad-Touren entlang des 75 Mile Beach und majestätische Baumriesen im Valley of the Giants. Jedes Jahr strömen Hunderttausende von Besuchern für Tagesausflüge oder Campingabenteuer auf die Insel.

4. Kinder aus zugewanderten Familien werden schulisch besser

Laut einer Integrationsstudie der OECD haben Kinder und Jugendliche mit zugewanderten Eltern schulisch aufgeholt.

Arne Dedert

Die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland haben sich in den letzten Jahren positiv entwickelt, wie eine neue OECD-Studie zum Thema Bildung zeigt. Die öffentliche Meinung zu diesem Thema geht jedoch oft an der Realität vorbei. Integrationsforscher Thomas Liebig betonte, dass die Leistungen der Kinder tatsächlich besser geworden sind, obwohl viele Menschen denken, dass sie sich verschlechtert haben.

Die Studie konzentrierte sich insbesondere auf Kinder von Zuwanderern aus Nicht-EU-Ländern, die im Inland geboren wurden und keine Zugewanderten sind. Die Studie basiert auf Daten und Analysen aus verschiedenen europäischen Ländern. In Deutschland glauben laut der Studie über 60 Prozent der Befragten, dass die schulischen Leistungen der Kinder von Migranten einen negativen Trend aufweisen. Die übrigen Umfrageteilnehmer schätzen die Entwicklung grob richtig ein: positiv.

5. Bayer darf Unkrautvernichter nicht mehr „sicher und ungiftig“ nennen

Bayer darf Unkrautvernichter Roundup nicht mehr „sicher und ungiftig“ nennen.

Oliver Berg

Der deutsche Pharmakonzern Bayer hat einen Rechtsstreit um angeblich irreführende Werbung für seinen kontroversen Unkrautvernichter Roundup mit einer Zahlung von 6,9 Millionen US-Dollar (6,4 Millionen Euro) beigelegt, berichtete die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James am Donnerstag (15.06.2023). Im Rahmen der Einigung dürfen Bayer und seine US-Tochter Monsanto nicht länger behaupten, dass Roundup-Produkte mit dem Wirkstoff Glyphosat sicher und ungiftig seien, so James.

Durch die Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto und des Herstellers von Roundup ist Bayer in den USA mit einer Vielzahl von Klagen konfrontiert, bei denen es um angeblich durch Roundup verursachte Krebserkrankungen geht. Bayer bestreitet jedoch den Zusammenhang zwischen Roundup und Krebs.

6. Rückwirkende Amnestie für alle Queers in Großbritannien

Bis Anfang der 1980er-Jahre waren homosexuelle Handlungen in Teilen Großbritanniens strafbar. Jetzt können Verurteilte diese Urteile aus ihrer Strafakte löschen lassen.

IMAGO/Michael Gstettenbauer

Bis Anfang der 1980er-Jahre waren homosexuelle Handlungen in Teilen Großbritanniens strafbar. Vor etwa einem Jahrzehnt wurde von der damaligen britischen Regierung ein Amnestieprogramm eingeführt, um Betroffenen Gerechtigkeit zu ermöglichen und ihre Verurteilungen nachträglich aufzuheben. Das britische Innenministerium hat nun beschlossen, dieses Programm weiter auszubauen. Zukünftig können auch Frauen eine Begnadigung für eine bestimmte Liste von Straftaten beantragen, was zuvor nur Männern vorbehalten war.

Darüber hinaus haben nun auch ehemalige Militärangehörige die Möglichkeit, von diesem Programm zu profitieren. Queere Menschen wurden bis zum Jahr 2000 von den Streitkräften ausgeschlossen oder aus ihnen entlassen.

Personen, die aufgrund queerfeindlicher Gesetze verurteilt wurden, mussten lange Zeit auf eine Amnestie warten und mit einem Eintrag in ihrer Strafakte leben. Jetzt können diese Verurteilungen durch die Beantragung einer entsprechenden Begnadigung aus den offiziellen Unterlagen gelöscht werden.

7. Entwicklung verbesserter Polio-Impfstoffe

Forschende haben zwei neue Polio-Impfstoffe entwickelt, die besser vor Mutationen geschützt sind.

Sayed Mominzadah

Wissenschaftler aus Großbritannien und den USA haben erfolgreich zwei Schluckimpfstoffe entwickelt, die das Risiko einer Erkrankung an Polio nach der Impfung verringern. Polio ist eine Krankheit, die das Nervensystem angreifen und Lähmungen verursachen kann. Obwohl die Anzahl der Infektionen mit wilden Polio-Erregern seit den 1980er Jahren um 99 Prozent zurückgegangen ist, treten jedes Jahr weiterhin Polio-Fälle auf, bei denen die Erkrankung durch die Impfung selbst ausgelöst wird.

Der Grund dafür liegt darin, dass die sicheren Polio-Viren in den Impfungen nur eine geringe genetische Veränderung benötigen, um wieder gefährlich für den Menschen zu werden. Die entwickelten Impfstoffe weisen jedoch deutlich stärkere Veränderungen an den Polio-Viren auf. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit von Impfungen, Lähmungen zu verursachen, und bietet eine echte Chance, neue Polio-Fälle in der Welt zu eliminieren. Die Forscher haben große Hoffnungen in diese Impfstoffe, da sie eine wirksame Lösung für eine poliofreie Welt darstellen könnten.