Germanwings-Absturz
: Vor zehn Jahren stürzte die Maschine in den französischen Alpen ab

Am 24. März 2015 steuerte der Co-Pilot eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen absichtlich gegen einen Berg. 150 Menschen starben.
Von
dpa
Haltern am See/Le Vernet
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Zehnter Jahrestag Germanwings-Absturz: ARCHIV - 26.03.2015, Frankreich, Le Vernet: Trümmer der Germanwings-Maschine A320-211 liegen an der Absturzstelle in der Nähe von Le Vernet in den französischen Alpen. (zu dpa: ««Das Entsetzen war unvorstellbar» - Gedenken an Flug 4U9525») Foto: Sebastien Nogier/EPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Trümmer der Germanwings-Maschine A320-211 liegen an der Absturzstelle in der Nähe von Le Vernet in den französischen Alpen.

Sebastien Nogier/EPA/dpa
  • Am 24. März 2015 steuerte ein psychisch kranker Co-Pilot eine Germanwings-Maschine absichtlich in einen Berg, 150 Menschen starben.
  • Zum Jahrestag reisen Angehörige der Opfer zur Absturzstelle in den französischen Alpen.
  • In Haltern am See finden große Gedenkveranstaltungen statt, weiße Rosen erinnern an die Opfer.
  • Kirchenglocken läuten um 10.41 Uhr, dem Zeitpunkt des Absturzes.
  • Auch in Düsseldorf und Barcelona sind Gedenkfeiern geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es war eine der größten Katastrophen der europäischen Luftfahrtgeschichte: Zehn Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine auf dem Weg nach Düsseldorf wird am Montag mit Blumen und Gebeten an die Opfer erinnert. 150 Menschen starben am 24. März 2015 bei dem Absturz in den französischen Alpen. Nach Überzeugung der Ermittler führte der psychisch kranke Copilot den Absturz absichtlich herbei, um sich das Leben zu nehmen.

Viele Angehörige der Opfer sind zum Jahrestag an die Absturzstelle in der Nähe von Le Vernet im französischen Département Alpes-de-Haute-Provence gereist. Dort gibt es eine Gedenkfeier nur für die engsten Hinterbliebenen. Die Germanwings-Konzernmutter Lufthansa lädt die Angehörigen jedes Jahr dorthin ein.

In Deutschland finden die größten Gedenkveranstaltungen in Haltern am See am Nordrand des Ruhrgebiets statt. Eine ganze Schulgruppe aus der Kleinstadt saß in dem Airbus, der am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einem Bergmassiv zerschellte.

Weiße Rosen erinnern an die Spanisch-Gruppe

„Der Germanwings-Absturz gehört dauerhaft zur Geschichte unserer Stadt“, sagte Halterns Bürgermeister Andreas Stegemann im Vorfeld. „Diese Schockstarre, das tief empfundene Mitleid aller Bürgerinnen und Bürger mit den Familien und die Frage nach dem Warum begleiten uns bis heute.“

Am Joseph-König-Gymnasium werden Schüler und Lehrer weiße Rosen für die 16 toten Schülerinnen und Schüler sowie ihre beiden Lehrerinnen niederlegen. Eine Gedenkstelle am Schulhof erinnert an die Gruppe, die auf dem Rückweg von einem Austausch mit der spanischen Partnerschule war.

Durch ihren Tod sei „unermesslich großer Schmerz über die Schulgemeinschaft“ hereingebrochen, sagte die nordrhein-westfälische Schulministerin Dorothee Feller (CDU) mit Blick auf den Jahrestag. Das Erinnern an die Opfer sei für die Schule auch heute noch wichtig. „So erleben auch viele Schülerinnen und Schüler von heute, die die Gestorbenen nicht gekannt haben, welche Kraft Liebe, Freundschaft und Zugewandtheit entfalten können.“

Um 10.41 Uhr läuten alle Kirchenglocken

Um 10.41 Uhr, dem Zeitpunkt des Absturzes, werden in der gesamten Stadt die Kirchenglocken läuten. Auf dem städtischen Friedhof, wo ein symbolisches Klassenzimmer an die Gruppe erinnert und einige der Schüler begraben liegen, werden Kränze niedergelegt. Am Abend ist ein Gedenkgottesdienst in der St. Sixtus-Kirche geplant.

Auch an den Flughäfen in Düsseldorf und Barcelona sind Gedenkfeiern geplant. Am Flughafen in Düsseldorf ist eine Andacht geplant. Im sogenannten Raum der Stille liegt ein Kondolenzbuch aus, in dem Mitarbeitende und Reisende ihre Anteilnahme ausdrücken können.

Auch in Frankreich bleibt der Absturz unvergessen

Der Schrecken des Abstuzes hat sich auch vor Ort in den französischen Hochalpen für immer ins Gedächtnis gebrannt. Allerdings erinnern sich Verantwortliche in der südfranzösischen Region anlässlich des Jahrestags an diesem Montag auch an die enorme Hilfsbereitschaft der Bevölkerung angesichts der Katastrophe.

Dort, wo die Maschine im Gebirge zerschellte, auf dem Gebiet der kleinen Gemeinde Prads-Haute-Bléone, spricht der damalige Bürgermeister Bernard Bartolini über den Moment, als er über das Unglück informiert wurde. „Als ich erfuhr, dass es sich um einen Airbus A320 handelt, war das der Beginn eines Alptraums“, sagte er dem Sender Alpes 1. „Für einen Bürgermeister ist es eine Apokalypse, eine Katastrophe dieses Ausmaßes bewältigen zu müssen. Zum Glück hatten wir unsere Bevölkerung, die ihr Herz und ihre Türen für die Familien weit geöffnet hat“, sagte er mit Blick auf die Unterstützung der Angehörigen der Opfer.

Narbe hat sich nicht geschlossen

„Wir haben das Grauen in unserer Nähe gesehen. Ich kann es immer noch nicht erzählen, so unaussprechlich ist es“, meinte Bartolini zu seinen Eindrücken vom Absturzort. „Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man nicht mehr vergessen kann. Und man hat alles getan, um nicht zu vergessen.“ Die Narbe, die durch den Absturz entstanden sei, habe sich nicht geschlossen. „Sie ist ein Hauptelement, das mein Leben im Allgemeinen und das Leben als Bürgermeister geprägt hat.“

Regionalbeamtin Sandra Cortini-Connors, die nach dem Absturz im öffentlichen Krisenzentrum des Departements Alpes-de-Haute-Provence im Einsatz war, weiß noch, dass es viele Hilfsangebote aus der Bevölkerung gab. „Ich erinnere mich an eine Familie, die anrief, um ein freies Zimmer in ihrem kleinen Haus anzubieten, obwohl sie nur sehr wenig Platz hatte.“ Neben einem Quartier hätten Menschen auch ihre Dolmetscherdienste angeboten, um die Kommunikation zwischen den Behörden und den Familien der Opfer 18 verschiedener Nationalitäten zu erleichtern.

Kampfjet-Pilot schildert Eindruck von Absturzstelle

Gegenüber dem Sender France Info äußerte sich erstmals auch der Pilot des Kampfjets, der zur Suche nach dem vom Radar verschwundenen Airbus aufgestiegen war. „Was ich sah, war überhaupt nicht das, was ich gesucht hatte. Das Wrack des Flugzeugs gab es nicht wirklich, denn es war in den Hügel gekracht“, sagte er zum Ausmaß der Zerstörung. Dass es bei dem guten Wetter zu dem Unglück kommen konnte, sei für ihn zunächst unverständlich gewesen.