Von 1998 bis 2005 regierte der SPD-Politiker Gerhard Schröder Deutschland. Heute steht der ehemalige Bundeskanzler und langjährige Freund des russischen Präsidenten Putin wegen umstrittener Äußerungen zum Krieg in der Ukraine in der Kritik. Mitarbeiter beenden die Zusammenarbeit, weil er sich nicht von Russland und seinen Tätigkeiten für den staatlichen Energiekonzern Gazprom trennt. Auch andere Politiker kritisieren ihn dafür. Innerhalb der SPD werden die Rufe nach einem Parteiausschlussverfahren lauter.
Wie äußert sich Schröder zum Russland-Ukraine-Krieg? Was macht der Altkanzler heute? Und was weiß man über sein Privatleben? Alle Infos gibt es hier im Porträt.

Gerhard Schröder im Steckbrief: Gehalt, Ehefrauen, Kinder, Instagram

Alle Infos zum ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder im Porträt:
  • Name: Gerhard Fritz Kurt Schröder
  • Alter: 78
  • Geburtstag: 7. April 1944
  • Geburtsort: Mossenberg-Wöhren
  • Wohnort: Hannover
  • Beruf: Jurist und Politiker
  • Ehefrauen: Eva Schubach (1968-72), Anne Taschenmacher (1972-83), Hiltrud Hensen (1984-97), Doris Köpf (1997-2018) So-yeon Schröder-Kim (2018-heute)
  • Gehalt: 418.531,37 Euro/Jahr (2021) + 8.000 Euro/Monat Ruhegehalt + Gehalt aus wirtschaftlichen Aktivitäten
  • Kinder: keine
  • Eltern: Gunhild Schröder und Fritz Schröder
  • Partei: SPD
  • Instagram: -

Gerhard Schröder: Seine Amtszeit als Bundeskanzler auf einen Blick

Gerhard Schröder war der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Die Amtszeit des SPD-Politiker ging von 1998 bis 2005. Seine Nachfolgerin wurde Angela Merkel. Geprägt war seine Kanzlerschaft von gesellschaftlichen und sozialen Reformen und einer internationalen Verantwortung von Deutschland in Zeiten einer Krise in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Meilensteine waren der Nato-Einsatz im Kosovo, der Ausstieg aus der Kernenergie und die Reformen der Agenda 2010.

Gaszprom, Nord Stream und Rosneft: Was macht Altkanzler Gerhard Schröder heute?

Der Jurist arbeitete nach seiner Kanzlerschaft wieder als selbstständiger Rechtsanwalt in Hannover und übernahm zahlreiche Ehrenämter. Zudem hat er seither verschiedene Posten bei staatlichen russischen Energiekonzernen übernommen.
Gerhard Schröder ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft. Dieser ist der größte russische Ölproduzent. Außerdem hat der Sozialdemokrat Führungspositionen bei den Pipeline-Projekten Nord Stream und Nord Stream 2. Beides sind Erdgasleitungen durch die Ostsee und verbinden Russland und Deutschland. Die noch ausstehende Inbetriebnahme von Nord Stream 2 ist inzwischen von der Bundesregierung auf Eis gelegt. Konkret ist Schröder Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Nord Stream AG – sie gehört mehrheitlich dem russischen Erdgas-Förderer Gazprom – und Präsident des Verwaltungsrats bei der Nord Stream 2 AG. Der russische Energieriese Gazprom hatte Anfang Februar mitgeteilt, dass Schröder als Kandidat für den Aufsichtsrat des Staatskonzerns nominiert wurde.

Gerhard Schröder und seine Freundschaft zu Putin

Gerhard Schröder gilt als langjähriger Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Schon seit 20 Jahren verbindet sie eine Männerfreundschaft. Häufig sieht man Bilder, auf denen sich die beiden umarmen. Auf Putins Bitte hin wurde der ehemalige Kanzler auch Aufsichtsratsvorsitzender bei der Nord Stream AG. Russlands Präsident hatte Gerhard Schröder kürzlich als „anständigen Menschen“ gelobt und dessen geplante Nominierung für den Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Gazprom unterstützt.
Anfang Februar hatte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba Altkanzler Schröder auf eine Ebene mit dem Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin gestellt. „Herrn Schröder zu kommentieren ist, als ob man den Sprecher von Herrn Putin kommentiert“, sagte der Minister nach einem Treffen mit Außenministerin Annalena Baerbock.

Schröder-Privilegien sollen gestrichen werden

In der Kontroverse um die staatlichen Ausgaben für Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) haben sich die Ampel-Fraktionen auf eine Lösung verständigt. Die Ausstattung für ehemalige Bundeskanzlerinnen und Bundeskanzler solle "künftig nicht mehr statusbezogen" erfolgen, sondern sich "an den fortwirkenden Verpflichtungen aus dem Amt orientieren", erklärten die Haushaltsexperten Dennis Rohde (SPD), Sven-Christian Kindler (Grüne) und Otto Fricke (FDP).
Schröder nehme "keine fortwirkende Verpflichtung aus dem Amt als ehemaliger Bundeskanzler mehr wahr", erläuterten die drei Politiker. "Somit entfällt der Grund für die personelle und räumliche Ausstattung des ehemaligen Bundeskanzlers." Schröders Büro werde "ruhend gestellt". Das bedeutet zugleich, dass Schröders Ruhegehalt und sein Personenschutz weiter bezahlt werden.
"Der Haushaltsausschuss stellt fest, dass Bundeskanzler a.D. Schröder keine fortwirkende Verpflichtung aus dem Amt mehr wahrnimmt", heißt es in einer Beschlussvorlage der Ampel-Fraktionen für den Haushaltsausschuss, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt. "Das in dem Büro des Bundeskanzlers a.D. Schröder verbleibende Personal wickelt die Aufgaben des Büros ab." Freie Stellen würden nicht nachbesetzt, die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden dann andere Aufgaben wahrnehmen, ausgenommen der Personenschutz.
Angestrebt wird darüber hinaus eine generelle Regelung: "Der Haushaltsausschuss fordert die Bundesregierung auf, sicherzustellen, dass die Amtsausstattung ehemaliger Bundeskanzlerinnen und Bundeskanzler nach der fortwirkenden Verpflichtung aus dem Amt erfolgt und nicht statusbezogen", heißt es in dem Text. Die Regierung solle dem Ausschuss darüber berichten, ob weitere Regelungen notwendig seien.

Schröder im Interview mit der NYT: „Ich mach nicht auf mea culpa“

Der Druck auf Gerhard Schröder wegen seines Kurses gegenüber Russlands Präsidenten Wladimir Putin wächst: Dem Altkanzler drohen neben einem Ausschluss aus der SPD nun auch weitere Konsequenzen. So wird der Ruf nach Sanktionen gegen Schröder lauter. Im Bundestag wird zudem über eine Begrenzung der Ausstattung für ehemalige Kanzler beraten.
Schröder hatte mit einem Interview mit der Berlin-Chefin der „New York Times“ die Empörung über sein Verhalten gegenüber Russland angeheizt. „Ich mach nicht auf mea culpa. Das ist nicht mein Ding“, sagte er in gewohnt schnoddrigem Stil in seinem Büro in Hannover. Vor allem seine Äußerungen zum Massaker im Kiewer Vorort Butscha wertete man in der SPD negativ: Schröder sagte, er glaube nicht, dass die Befehle von Putin gekommen seien, sondern von niedrigeren Stellen.
Zudem bekundete er, von seinen Posten bei russischen Energiekonzernen nur zurücktreten zu wollen, wenn der russische Präsident den Gashahn zudreht. Weiter bereit zeigte sich Schröder, seine Freundschaft zu Putin für neue Vermittlungsversuche zu nutzen. „Ich tue, was ich kann. Wenigstens eine Seite vertraut mir“, sagte der frühere SPD-Chef - rund zwei Monate, nachdem Putins Armee in die Ukraine einmarschiert war. Ein bisheriger Vermittlungsversuch Schröders im Alleingang war ohne erkennbares Ergebnis geblieben.

Parteiausschluss von Schröder: Wird der Altkanzler rausgeworfen?

SPD-Chefin Saskia Esken forderte Schröder zum Parteiaustritt auf. „Er verdient sein Geld mit der Arbeit für russische Staatsunternehmen“, stellte sie fest. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Michael Roth, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ein weiteres Indiz der Tragik des Falls Schröder ist, dass wir ernsthaft über Sanktionen gegen einen ehemaligen Bundeskanzler diskutieren müssen, der zu einem russischen Energie-Lobbyisten geworden ist.“
Nun forderten weitere Politiker von FDP, Grünen und CDU solche Sanktionen gegen Schröder. „Er gehört so rasch wie möglich auf die Sanktionsliste der Putin-Profiteure“, sagte das FDP-Präsidiumsmitglied Moritz Körner dem „Handelsblatt“. „Er gehört nicht mehr zu Créme de la Créme der deutschen Innenpolitik, sondern zur Créme de la Kreml.“ Auch CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter plädierte in dem Blatt für eine Sanktionierung - Schröder gehöre zu „Putins Clique“. Der Europa-Abgeordnete Reinhard Bütikofer (Grüne) forderte in der Zeitung, Sanktionen gegen Schröder und andere zu prüfen, „die sich inzwischen an Wladimir Putin verkauft haben“. Außerdem solle Schröder die Amtsausstattung als Ex-Kanzler entzogen werden. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hatte sich für ein Einfrieren von Schröders Konten ausgesprochen.
Schröder ist seit Wochen unter Druck. Bei der SPD Hannover gingen nach und nach 14 Anträge auf ein Parteiordnungsverfahren ein, das in einem Ausschluss aus der SPD enden könnte. Bereits vor zwei Monaten hatte die SPD-Spitze Schröder aufgefordert, sich von seinen Posten bei russischen Energieunternehmen zu trennen - ihr entsprechender Brief blieb ohne Antwort.

Gerhard Schröder: Das sind seine Ex-Ehefrauen

Gerhard Schröder stellt der Öffentlichkeit im Januar 2018 die südkoreanische Wirtschaftsexpertin So-yeon Schröder-Kim als die neue Partnerin an seiner Seite vor. Am 2. Mai 2018 heiratete das Paar in Seoul. Doch damit ging der Altkanzler nicht die erste Ehe ein. Er war schon zuvor viermal verheiratet. Schröder war von 1968 bis 1972 mit Eva Schubach verheiratet, von 1972 bis 1983 mit Anne Taschenmacher, von 1984 bis 1997 mit Hiltrud Hensen und von 1997 bis 2018 mit Doris Köpf. Rechtskräftig wurde die vierte Scheidung am 11. April 2018.

Hat Gerhard Schröder Kinder?

Gerhard Schröder hat selbst keine leiblichen Kinder. Seine Ex-Ehefrau Doris Köpf brachte jedoch eine Tochter mit in die Ehe, wodurch der Politiker Stiefvater von Klara war. Die Eheleute hatten zudem zwei russische Waisenkinder adoptiert: Viktoria und Gregor. Mit diesen lebte die Familie lange Zeit in Hannover.