Geert Wilders
: Wahlen, Partei & Familie – der Rechtspopulist aus den Niederlanden im Porträt

Unermüdlich wütend bis zum Sieg: Seit vielen Jahren mischt Wilders die Politik in den Niederlanden auf. Jetzt könnte er sogar Premier werden. Der Rechtspopulist im Porträt.
Von
Philipp Staedele
Amsterdam
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Geert Wilders, Parteivorsitzender der Partei für die Freiheit (PVV), während der Wahldebatte von EenVandaag «Die Zukunft der Niederlande». Alles über den Rechtspopulisten im Porträt.

Koen Van Weel/dpa

Seit rund 20 Jahren sorgt der Rechtspopulist Geert Wilders für Wirbel in der niederländischen Politik. Unermüdlich wütet er gegen Islam, Migranten, Klimaschutz oder Europa. Erstmals hat er nun nach den ersten Prognosen vom Mittwochabend einen großen Wahlsieg errungen. Er könnte sogar Premierminister der Niederlande werden. Alles über den niederländischen Rechtspopulisten im Porträt.

Geert Wilders: Alter, Partei, Familie und Twitter

Alle Fakten zu Jewgeni Prigoschin auf einen Blick:

  • Name: Geert Wilders
  • Geburtstag: 06.09.1963
  • Geburtsort: Venlo, Provinz Limburg (Niederlande)
  • Beruf: Politiker
  • Partei: Partij voor de Vrijheid (Partei für die Freiheit)
  • Familie: Krisztina Wilders (verh. 1992)
  • Geschwister: Paul Wilders
  • Twitter: @geertwilderspvv

Frühe Jahre, Ausbildung und Familie

Wilders erblickte 1963 in Venlo das Licht der Welt, geboren als Kind eines Vaters aus Maasbree, Niederlande, und einer Mutter mit indonesisch-niederländischen Wurzeln aus Sukabumi, früher bekannt als Niederländisch-Indien. Er absolvierte seine Schulbildung an einer Mittelschule.

Im Anschluss an seine Schulzeit und den Wehrdienst in den Jahren 1983 und 1984 fand Wilders eine Anstellung in der Versicherungsbranche. Parallel dazu begann er, an der Open Universiteit, einer Fernuniversität in den Niederlanden, Rechtswissenschaften zu studieren.

Wilders ist seit 1992 mit Krisztina Marfai verheiratet.

Bruch mit der VVD und Gründung seiner eigenen Partei PVV

Vor gut 25 Jahren kam der 60-Jährige ins Parlament. Nach dem Bruch mit der rechtsliberalen VVD gründete er seine eigene Partei für die Freiheit (PVV). Die Partei, deren einziges Mitglied er ist, führt Wilders straff.

Das Parlament ist für den langen Politiker mit der charakteristischen platinblond gefärbten Haartolle eine ideale Arena. Seine Attacken gegen Migranten, Europa oder andere Abgeordnete lösen regelmäßig Empörung aus. Zum Beispiel als er die Zweite Kammer als „Nep-Parlament“ beschimpfte – ein Fake-Parlament. Der Mann aus der Karnevalshochburg Venlo an der deutschen Grenze ist ein Meister der Slogans – so forderte er einmal eine Steuer für Muslima, die ein Kopftuch tragen – eine „Kopflumpen-Steuer“.

Wilders Hass auf den Islam

Kennzeichnend ist sein Hass auf den Islam. Er will Moscheen verbieten, verglich den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ und nannte den Islam eine faschistische Ideologie. Nach einer beispiellosen verbalen Attacke auf Marokkaner wurde er wegen Beleidigung einer Bevölkerungsgruppe schuldig gesprochen. Er aber sah in dem Verfahren einen politischen Versuch, ihn mundtot zu machen.

Seit gut 20 Jahren steht Wilders auch im Fadenkreuz radikaler Islamisten und wird mit dem Tod bedroht. Daher muss er rund um die Uhr bewacht werden. Auch das ist ein Grund, dass er am liebsten über soziale Medien mit seinen Wählern kommuniziert. Übrigens haben dort seine beiden Katzen eigene, sehr populäre Kanäle.

Wahlen in den Niederlanden: Wilders will Premier werden

Nun aber im Wahlkampf zeigte sich der Rechtsaußen ungewohnt charmant und versöhnlich. „Geert Milders“ wurde er schon genannt. Und er war sogar bereit, seinen Kampf gegen den Islam auf Eis zu legen. „Der Islam wird nie aus unserer DNA verschwinden“, sagte er in einem seiner seltenen TV-Interviews, „aber die Priorität liegt nun deutlich bei anderen Themen.“

Denn Wilders will nun Premier werden. Und so nahe der Macht war er bisher noch nie. 2010 hatte er eine Minderheitsregierung unter Premier Mark Rutte toleriert. Doch die Zusammenarbeit war 2012 gescheitert.

Alle Infos zu den Wahlen in den Niederlanden 2023 gibt es hier:

(mit Material von dpa)