In der aktuellen Energiekrise unterstützen sich viele Länder in Europa gegenseitig bei der Versorgung mit Gas oder Strom. So liefert etwa Frankreich Gas nach Deutschland und bekommt dafür Strom. Was ist mit Österreich? Woher bekommt Österreich sein Gas und wie groß ist die Abhängigkeit von Russland? Hier gibt es alle Infos.

Woher kommt das Gas in Österreich?

Eine Untersuchung des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt und Energie in Österreich zeigt eine große Abhängigkeit von Russland. Folgende Zahlen wurden Ende April 2022 veröffentlicht:
  • demnach verbraucht Österreich pro Jahr 89 Terawattstunden Erdgas
  • davon werden etwa 10 Prozent durch inländische Produktion abgedeckt
  • die verbleibenden 79 Terawattstunden müssen aus anderen Ländern importiert werden
  • und dabei stammten 80 Prozent des importierten Erdgases aus Russland

Was will Österreich gegen die Abhängigkeit von Russland beim Gas tun?

Im Frühjahr wurde in Österreich ein Plan aufgestellt, der die Republik bis zum Jahr 2027 unabhängig von russischen Gas-Importen machen soll. Basis dieses Plans sind drei Maßnahmenpakete:
  • Der Gasverbrauch in Österreich soll reduziert werden. Das Ziel heißt, bis 2030 den Gasverbrauch um rund ein Drittel zu senken. Das soll unter anderem aus einem konsequenten Ausstieg aus der Nutzung von Gas als Heizung erreicht werden.
  • Als zweite Maßnahme soll die inländische Produktion von Biogas und grünem Wasserstoff massiv ausgebaut werden
  • Und zuletzt soll der restliche Verbrauch an Erdgas über alternative Routen gedeckt werden. So wird geprüft, ob der Import von Gas aus Norwegen erhöht werden kann. Auch die Einfuhr von Flüssigerdgas aus Katar und den USA wird erwogen.

Wie Österreich Bürger und Wirtschaft entlastet

Auch in Österreich gibt es finanzielle Entlastungen wegen der gestiegenen Energiekosten. So ist aber beispielsweise die Hilfe für Firmen an Bedingungen geknüpft. Wer in Österreich einen Energiekosten-Zuschuss haben will, muss auf Heizpilze im Freien, nächtliche Außenbeleuchtung und offenstehende Geschäftstüren verzichten. Die österreichische Regierung verknüpfe Zuschüsse an Unternehmen mit Sparmaßnahmen, teilte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit. Große Unternehmen müssen laut den Förderrichtlinien zusätzlich ihren Energieverbrauch analysieren, um Sparpotenziale zu identifizieren.
Die konservativ-grüne Koalition kündigte an, 1,3 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, um die seit dem Vorjahr gestiegenen Preise für Gas, Strom und teilweise auch Treibstoff abzufedern. Der Staat finanziert damit 30 Prozent dieser Mehrkosten für energieintensive Unternehmen. „Das Ziel des Ganzen ist, dort wo es notwendig ist, die Wirtschaft am Laufen zu halten“, sagte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP). Die Gelder sollen noch vor Jahresende ausbezahlt werden.
„Die beste Energie ist die, die wir nicht brauchen“, sagte Gewessler zu den Sparvorgaben. Sie betonte das Risiko, dass Gaslieferungen aus Russland im Zuge des Ukraine-Krieges diesen Winter völlig ausfallen könnten. Flutlichtanlagen für das Skifahren am Abend oder beheizte Hotel-Schwimmbecken sind aber laut den Vorgaben erlaubt.