Flydubai-Anschlag
: „Mayday – Alarm im Cockpit“ – TV-reife Rettung mit Steuerknüppel?

Die Berichte über Flug FZ1073 klingen wie ein Drehbuch: Ein Passagier will nach dem Vorbild einer Serie das Ruder übernommen und 174 Menschen gerettet haben. Aber kann diese Geschichte stimmen?
Von
Michael Maier
Tel Aviv
INDIA-UAE-SAUDI-ISRAEL-TRANSPORT-DIPLOMACY: This screengrab of video footage released by the Narendra Modi YouTube Channel on October 2, 2026 shows India's Prime Minister Narendra Modi (R) making a video call with flydubai pilot Smit Machchhar, as he is recovering in a hospital in the United Arab Emirates. Indian Prime Minister Narendra Modi said the actions of flydubai captain Smit Machchhar, who was attacked mid-air by his co-pilot during a flight from Dubai to Tel Aviv, had helped save hundreds of lives and averted "a great tragedy". (Photo by NARENDRA MODI YOUTUBE CHANNEL / AFP) / -----EDITORS NOTE --- RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Narendra Modi YouTube Channel " - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS

Der schwer verletzte Pilot Smit Machchhar bekommt Lob aus Israel und von Indiens Permier Modi (rechts) – er befindet sich inzwischen in stabilem Zustand.

afp
  • Flydubai-Flug FZ1073 landete nach einem Vorfall im Cockpit im saudi-arabischen Tabuk.
  • Laut Airline brachte eine mitreisende Flydubai-Crew die Maschine unter Kontrolle und landete sie.
  • Zeugen berichten von Sturzflug und Passagieren, die zum Cockpit rannten – Details sind umstritten.
  • Ein Passagier namens Yaniv Hayoun schildert, er habe den Angreifer herausgezogen und am Steuer geholfen.
  • Offizielle Bestätigung für Hayouns Rolle fehlt, Ermittlungen laufen und Flüge nach Israel pausieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Mittwochmorgen, 30. September 2026, war Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als es im Cockpit zu einem blutigen Todeskampf kam. Die Rede ist von einem versuchten Terroranschlag. Flydubai bestätigte die anschließende Landung im saudi-arabischen Tabuk. Nach Angaben der Airline brachte eine zufällig mitreisende Flydubai-Crew das Flugzeug unter Kontrolle und setzte es auf der Landebahn auf.

Soweit die offizielle Darstellung. Wie dramatisch aber die Situation gewesen sein muss, zeigen Augenzeugenberichte. Der Passagier Almog Italie schilderte Reuters einen abrupten Sturzflug und Menschen, die nach vorn zum Cockpit liefen. Israelische Regierungsvertreter erklärten später, der Co-Pilot aus dem Oman habe den Kapitän mit einem Messer angegriffen und sei „islamistisch indoktriniert“ worden.

Klempner-Griff zum Steuerknüppel?

Im Mittelpunkt der dramatischen Rettungsgeschichte steht jetzt ein Mann namens Yaniv Hayoun, dessen Name auch als Hayun wiedergegeben wird. Bei einem Treffen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schilderte er, wie er gemeinsam mit anderen Passagieren eingegriffen habe. Netanjahu zufolge arbeitet Hayoun als Klempner.

Dieser Erzählung nach zog er den mutmaßlichen Angreifer aus dem Cockpit. Als das Flugzeug weiter sank, sei er nach vorn gegangen, um das Steuerhorn nach hinten zu ziehen und die Maschine zu stabilisieren. Anschließend hätten zwei weiter hinten im Flugzeug anwesende Ersatzpiloten übernommen. Auf die Frage, woher er gewusst habe, was zu tun sei, verwies Hayoun auf die Serie „Mayday – Alarm im Cockpit“.

Damit bekommt die Geschichte ihre fernsehreife Wendung: Ein TV-Zuschauer soll sich ausgerechnet in einer realen Notsituation an eine Serie über Flugzeugunglücke erinnert haben. Entscheidend bleibt jedoch die Formulierung „nach seiner Darstellung“. Die öffentlich zugängliche Erklärung von Flydubai bestätigt bislang weder Hayouns mutmaßliches Manöver noch dessen Wirkung. Sie schreibt die Sicherung und Landung der Maschine der mitreisenden Crew zu, die zudem offenbar erhebliche Schwierigkeiten hatte und nur mit größter Mühe landen konnte.

Flydubai: Steuerknüppel „nach hinten“ ziehen?

Bei aller Faszination lohnt sich diese Unterscheidung. Laut Experten reicht es nämlich nicht aus, einfach den Steuerknüppel „nach hinten“ zu ziehen, um die Nase nach oben zu ziehen und ein Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen. Dies müsse wohldosiert und vorsichtig geschehen, damit durch massive Kräfte keine Teile abbrechen können und die Maschine nicht plötzlich in der Luft stehen bleibt, um dann wie ein Stein abzusacken („Stall“).

Deswegen müsste ein echter Pilot in so einer Situation auch den Schub reduzieren, heißt es. In der Tat ist die betroffene Boeing 737 MAX 8 auf Bildern am Boden mit beschädigtem Heckruder zu sehen. Möglicherweise stand sie also wirklich knapp vor dem Zerbrechen in der Luft oder dem endgültigen Absturz, weil die Hebel von einem Laien betätigt wurden? Einen Vorwurf wird man dem couragierten Klempner trotzdem nicht machen können, falls es so gewesen sein sollte.

„Mayday – Alarm im Cockpit“

Die offene Frage bleibt, welchen Anteil das Eingreifen von Yaniv Hayoun tatsächlich an der Stabilisierung hatte. Die Serie „Mayday – Alarm im Cockpit“ rekonstruiert Flugunfälle und untersucht ihre Ursachen. Die Produktionsfirma Cineflix nennt Cockpitaufzeichnungen, Untersuchungsberichte und Augenzeugenaussagen als Grundlagen. Dazu kommen Interviews, nachgestellte Szenen und Computeranimationen. Der Schwerpunkt liegt auf der Aufarbeitung von Unglücken – nicht auf praktischen Flugmanövern.

Flydubai betont, dass Ursachen und Motive Gegenstand der offiziellen Untersuchung sind, und warnt vor voreiligen Spekulationen. In einer weiteren Mitteilung kündigte die Airline an, Flüge von und nach Israel während der laufenden Ermittlungen vorübergehend auszusetzen. Schilderungen, dass die Maschine fast senkrecht im Sturzflug gewesen sei, werden von Luftfahrt-Experten zum Teil bezweifelt, da ein Flugzeug einige der kolportierten Belastungen gar nicht aushalten könne.

Flugvorfall im Nahen Osten: Menschen feiern am Ben-Gurion-Flughafen in der Nähe von Tel Aviv die Ankunft eines FlyDubai-Flugzeugs mit israelischen Passagieren an Bord, das zuvor in Saudi-Arabien notlanden musste. (zu dpa: «Israel: Versuchter Anschlag auf Flydubai-Flug nach Tel Aviv»)

Menschen feiern am Ben-Gurion-Flughafen in der Nähe von Tel Aviv die Rettung und Ankunft ihrer Landsleute.

Ariel Schalit/AP/dpa

Flydubai-Untersuchungen laufen

Nun muss der Untersuchungsbericht abgewartet werden, der neue Details und Versionen zutage bringen dürfte. Fest steht indes, dass mutige Passagiere den Angreifer im Cockpit überwältigt haben. Laut Berichten der Jerusalem Post soll es sich um einen „einsamen Wolf“ ohne Mittäter handeln, der auch nicht mit dem Iran in Verbindung stehe. Weitere persönliche Details zum Co-Piloten sind bislang nicht bekannt. Israelische Zeugen berichteten am Tag danach, dass der Mann sie nach dem Scheitern seiner Tat angeblich dazu aufforderte, ihn sofort zu töten. Stattdessen wird er bald in den Vereinigten Arabischen Emiraten vor Gericht gestellt, berichten internationale Medien.

Pilot Smit Machchhar entriegelte Cockpit

Als einigermaßen gesichert gelten unterdessen Berichte, dass es dem schwer verletzten indischen Flugkapitän Smit Machchhar in letzter Sekunde noch gelungen war, die Tür zum Cockpit zu entriegeln – wahrscheinlich von der Mittelkonsole aus. Er befindet sich laut Medienberichten inzwischen „in stabilem Zustand“ und wird in Israel und Indien als Held gefeiert. Der Angreifer soll sich an den Fluginstrumenten zu schaffen gemacht haben, bevor er in letzter Sekunde von Yaniv Hayoun und anderen Passagieren überwältigt werden konnte.

Anderes aus den vielen Erzählungen könnte sich womöglich noch als „Märchen aus 1001 Nacht“ erweisen – wie etwa die Geschichte von einem angeblichen Kampf zwischen einem Ukrainer und einem Russen im Cockpit, die zunächst in aller Welt kursierte.