Erdbeben in Thailand: Mehr als 1000 Tote und 2300 Verletzte – keine deutschen Opfer

Zahlreiche Menschen benötigen nach dem Erdbeben Hilfe.
Uncredited/The Myanmar Military True News Information Team/AP/dpa- Erdbeben der Stärke 7,7 erschüttert Thailand und Myanmar.
- Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden verletzt und zahlreiche weitere vermisst.
- In Bangkok verlassen Menschen panikartig ihre Häuser.
- Helfer unterstützen Menschen dabei, sich ins Freie zu begeben.
- Patienten werden aus Krankenhäusern auf die Straßen gebracht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein starkes Erdbeben hat weite Teile Asiens, unter anderem die thailändische Hauptstadt Bangkok, erschüttert. In Myanmar, wo das Epizentrum des Bebens lag, ist die Zahl der Toten nach offiziellen Angaben auf mehr als 1000 angestiegen. Die Militärregierung des südostasiatischen Landes sprach am Samstag von 1002 Toten und 2376 Verletzten. Im Nachbarland Thailand starben nach vorläufigen Angaben rund zehn Menschen. In beiden Ländern könnte die Opferzahl noch deutlich ansteigen.
In Myanmar gab die Militärregierung die Zahl der Toten am Freitag mit 144 an. Am Samstag erhöhte die Junta die Zahl dann zunächst auf 694 und schließlich auf 1002. Nach dem teilweisen Einsturz eines Wohnblocks in der myanmarischen Stadt Mandalay werden unter den Trümmern nach neuesten Informationen mehr als 90 Verschüttete befürchtet. Das sagte ein Vertreter des Roten Kreuzes am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Einsatzkräfte suchten nach ihnen unter den Trümmern der ehemals zwölfstöckigen Wohnanlage Sky Villa Condominium, die am Freitag bei dem Erdbeben der Stärke 7,7 teilweise eingestürzt war.
Es dürfte allerdings dauern, bis das ganze Ausmaß der Katastrophe klar wird. Das Land am Golf von Bengalen leidet seit vier Jahren unter einem Bürgerkrieg, der mit der Machtübernahme der Junta einsetzte. Infrastruktur und die öffentliche Gesundheitsversorgung sind zerrüttet und vielfach nicht mehr funktionsfähig.
Was wissen wir über das Erdbeben in Asien?
- Wo? Das Epizentrum des Erdbebens lag laut US-Erdbebenwarte USGS in der Nähe der Stadt Mandalay, der zweitgrößten Stadt Myanmars. Das Beben war auch in Teilen der Nachbarländer China und Thailand sowie in Vietnam zu spüren. In Bangkok bebte der Boden minutenlang. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, waren die Erschütterungen auch in der südwestchinesischen Provinz Yunnan deutlich zu spüren, außerdem gab es entsprechende Berichte aus der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi.
- Wie stark? Das Deutsche Geoforschungsinstitut (GFZ) in Potsdam meldete ein Erdbeben der Stärke 7,8 in etwa 24 Kilometern Tiefe, die US-Erdbebenwarte USGS verzeichnete die Stärke 7,7 in 10 Kilometer Tiefe. Zudem registrierten beide Organisationen ein paar Minuten später ein weiteres Erbeben mit einer Stärke von 6,4.
- Welche Schäden und Folgen? Mindestens 147 Menschen starben bei der Erdbebenkatastrophe. Nach Angaben der Militärführung sind in Myanmar mindestens 144 Menschen gestorben. Weitere 730 Menschen wurden verletzt, wie die Junta im staatlichen Fernsehen bekanntgab. Im Thailand wurden drei Todesfälle offiziell bestätigt. Und nach wie vor werden viele Menschen vermisst. Nach Angaben der geschäftsführenden deutschen Bundesregierung gibt es vorerst keine Hinweise auf deutsche Opfer.
- Wie wird geholfen? Die Militärjunta in Myanmar rief in mehreren Regionen den Notstand aus und bat die internationale Gemeinschaft und andere Organisationen um Hilfe. Die EU unterstützt nach eigenen Angaben bereits mit Satellitenbildern und hat weitere Hilfe angeboten. Der Malteser Hilfsdienst stellt zunächst 250.000 Euro Nothilfe zur Verfügung - die Caritas weitere 100.000 Euro.
In Myanmar lag das Epizentrum. Juntaführer Min Aung Hlaing sagte im Fernsehen, dass er auch Hilfe der internationalen Gemeinschaft und anderen Organisationen angefordert habe. Und er habe bereits Indien und dem Verband südostasiatischer Nationen, abgekürzt ASEAN, erlaubt, Helfer in den Regionen zu unterstützen.
Myanmar schon gezeichnet durch Chaos und Gewalt
Die Militärjunta hat zudem in mehreren Regionen Myanmars den Notstand ausgerufen. Das stärkere Beben ereignete sich etwa 50 Kilometer östlich von Monywa im Zentrum Myanmars. In dem östlich davon gelegenen Mandalay, der mit 1,6 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes, kamen nach Medienberichten zehn Menschen beim Einsturz einer Moschee ums Leben. In Taungoo brach ein Kloster ein, in dem Vertriebene untergebracht waren. In Sagaing stürzte eine alte Brücke ein. Fotos zeigten zudem beschädigte historische Pagoden in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw. Das Rote Kreuz in Myanmar spricht von verheerenden Schäden. Es bestehe große Sorge, dass Dämme am Fluss Irrawaddy brechen könnten.
Seit einem Militärputsch im Februar 2021 versinkt das frühere Birma ohnehin schon in Gewalt und Chaos, verschiedene Rebellengruppen kämpfen teils erfolgreich gegen die Armee. Aus dem Land dringen nur wenige Informationen nach außen.
Die Kliniken brauchen nach Angaben von General Zaw Min Tun, dem Sprecher der Militärjunta in Myanmar, dringend Blutkonserven. In Mandalay seien die Krankenhäuser mit der Menge an Verletzten überfordert, schilderte Bewohner Zin Nyi, der dort an den Rettungsarbeiten beteiligt war, der Deutschen Presse-Agentur. „Viele meiner Freunde waren zum Gebet in der Moschee. Als ich dort ankam, war die Moschee eingestürzt“, sagte er. Das gelte für viele Gebäude der Stadt. An allen Ecken sei Weinen zu hören.
Nach Angaben von Yin Yin Thwe, einer Bewohnerin von Mandalay, steckten viele Menschen unter den Trümmern fest. Es gebe zu wenige Helfer.
Rohbau von Hochhaus in Bangkok eingestürzt
Von dem Erdbeben betroffen waren auch Regionen Thailands, Indiens, Chinas und Vietnams. In Bangkok brach der Rohbau eines mehr als 30 Stockwerke hohen Gebäudes nach den Erschütterungen in sich zusammen. Videos im Internet zeigten, wie Arbeiter vor dem einstürzenden Hochhaus davonliefen. Thailands Institut für Notfallmedizin meldete dort drei Tote und 68 Verletzte. Nach Medienberichten werden mehr als 80 Arbeiter noch vermisst. Hier hatte die Erde minutenlang gebebt, Menschen verließen in Panik ihre Häuser. 17 Krankenhäuser in Provinzen des Landes seien beschädigt worden, berichtete das Portal „Nation Thailand“ nach Angaben des Gesundheitsministeriums. Vor allem hätten die Gebäude Risse.
Thailands Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra rief den Notstand für Bangkok aus. Sie hatte zuvor eine Reise abgebrochen, um eine Dringlichkeitssitzung ihrer Regierung abzuhalten. Die Ministerpräsidentin erklärte am Abend (Ortszeit), die Schäden hielten sich in Grenzen. Ein Tsunami-Risiko bestehe nicht. Die Menschen könnten in ihre Wohnungen zurückkehren.

In Bangkok (Thailand), rund 1000 Kilometer vom Epizentrum entfernt, stürzte ein im Bau befindliches Hochhaus ein und begrub mehrere Arbeiter unter Trümmern.
HANDOUT/AFPDas Erdbeben war auch in der bei Touristen beliebten Stadt Chiang Mai im Norden Thailands zu spüren gewesen und sorgte dort zwischenzeitlich für einen Stromausfall.
China meldet Schäden an Häusern und Verletzte
Auch Teile Chinas sind betroffen. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, war das Beben auch in der an Myanmar angrenzenden Provinz Yunnan in Südwestchina deutlich zu spüren. Betroffen waren unter anderem die Großstadt Kunming oder die bei Touristen beliebten Orte Lijiang und Dali.
Der Katastrophenschutz in der Stadt Ruili sprach von Schäden an Häusern und Verletzen, wie chinesische Medien unter Berufung auf die Behörde berichteten. Ein Video auf der chinesischen Online-Plattform Weibo, Chinas Pendant zur Plattform X, zeigte Trümmerteile auf einer Straße in Ruili und Schäden an einem Hausdach. Auch in den chinesischen Provinzen Guizhou und Guangxi waren die Erdstöße zu spüren.
Laut Auswärtigem Amt keine Deutschen betroffen
Das Auswärtige Amt teilte mit, es gebe keine Erkenntnisse über betroffene Deutsche. Die Lage sei aber noch sehr unübersichtlich. Auf den bei Urlaubern beliebten Inseln Koh Samui und Phuket spürten Anwohner nichts von dem Erdstoß.
Laut dem GFZ ereignete sich das Erdbeben in der Sagaing-Verwerfung. Hier bewegen sich die indische Kontinentalplatte und die eurasische Platte mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Millimeter pro Jahr aneinander vorbei. Es bauen sich Spannungen auf, die sich immer wieder entladen - wie nun nach einer ruhigeren Phase, die über fast 70 Jahre angehalten hatte, erläuterte das Geoforschungsinstitut. Dessen Experten gehen aktuell von einer Bruchlänge von mehr als 200 Kilometern aus.
Geoforscher rechnen mit Nachbeben-Serie
Die Wissenschaftler rechneten damit, dass in den nächsten Stunden bis Tagen Ereignisse der Stärke 6 bis 6,5 auftreten können. „Das ist ein typischer Prozess“, sagte der Geophysiker Oliver Heidbach vom GFZ der Deutschen Presse-Agentur. Es könne Nachbeben-Serien geben, die in der Anzahl und Stärke mit der Zeit abnehmen. Alternativ kann es ein weiteres starkes Beben geben. Die seismischen Wellen könnten erhebliche weitere Schäden anrichten, da sie auf bereits beschädigt Gebäude treffen.
Thailands Ministerpräsidentin sprach Lokalmedien zufolge von gut von einem Dutzend Nachbeben innerhalb von weniger Stunden.
Bundeskanzler Scholz drückt sein Mitgefühl aus
„Nach dem schweren Erdbeben in Myanmar und Thailand sind unsere Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und Freunden“, schrieb Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Plattform X. „Wir hoffen, dass die Suche nach Vermissten rasch gelingt und wünschen den Verletzten schnelle Genesung.“













