Vor mehr als einem halben Jahr schockierte Russland die Welt mit dem Einmarsch in die Ukraine. Seitdem tobt in dem Land ein blutiger Krieg, es scheint kein Ende in Sicht. Der Westen hat sich mit der Ukraine solidarisiert – und den Angreifer Russland mit harten Sanktionen belegt. Dazu gehört auch ein EU-weites Öl-Embargo, das ab Ende 2022 in Kraft tritt.
  • Was bedeutet „Embargo“?
  • Welche Folgen wird das Öl-Embargo für Europa haben?
  • Was ist mit einem Gas-Embargo?
  • Kann Deutschland ohne Öl und Gas aus Russland auskommen?

Embargo: Bedeutung und Definition

Das Wort „Embargo“ kommt aus dem Spanischen und bedeutet so viel wie „Beschlagnahme“. In der Wirtschaft bedeutet das Wort aber ungefähr „Handelsverbot“. Es handelt sich also um eine staatliche Zwangsmaßnahme, die den Handel mit einer bestimmten Sache verbietet. Ein Embargo dient also der Bestrafung eines Landes, meistens wegen Völkerrechtsverletzungen. Ein Embargo ist zu unterscheiden von einem Boykott: Beim Embargo handelt es sich um eine staatliche Maßnahme, der Boykott hingegen ist eine private Aktion, meist von vielen Menschen gleichzeitig.

Öl-Embargo: Folgen des Importstopps aus Russland

Das Ende der Öllieferungen nach Europa wird Russland sehr empfindlich treffen. Die Energiewirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig. Neben Öl steht auch Kohle unter einem Embargo. Für Russland sind die Folgen also verheerend – was Wladimir Putin nicht zugeben wird.
Die EU konnte sich jedoch nicht auf einen vollständigen Liefertopp einigen. Denn: Einige EU-Länder sind zu über 90 Prozent von Russland abhängig. Ungarn, Tschechien und die Slowakei gehören zu den Ländern, für die also Ausnahmen gelten sollen: Über die „Druschba“-Pipeline soll weiterhin Öl aus Russland fließen können.
Von den deutschen Öl-Importen aus Russland - 2021 nach Wirtschaftsminister Robert Habecks Angaben 35 Prozent des Verbrauchs - kamen bisher etwa ein Drittel per Schiff nach Westdeutschland und zwei Drittel über die Druschba-Pipeline in die Raffinerien in Leuna in Sachsen-Anhalt und Schwedt in Brandenburg. Die Bezieher im Westen hätten neue Lieferanten gesucht, sagt Habeck. Auch der Leuna-Betreiber Totalenergies will russisches Öl bis zum Jahresende ersetzen. Der verbliebene Anteil russischen Öls von zwölf Prozent entfalle auf Schwedt.
Und hier ist das größte Problem: Für Schwedt wird das Ausbleiben des Öls aus Russland eine Katastrophe sein. Viele Arbeiter erwarten, dass sie ihre Jobs verlieren. Dem „Spiegel“ zufolge hängen die Existenzen von bis zu 10.000 Menschen indirekt oder direkt an der Raffinerie PCK Schwedt.
Offen ist weiterhin, wie sich die Ölpreise im Zuge des Embargos entwickeln werden. Das hängt auch von anderen Faktoren ab. Schon jetzt haben sich die Preise für Öl und insbesondere Heizöl auf einem sehr hohen Niveau eingependelt.

Lieferstopp von Gas aus Russland: Halten wir das aus?

Beim Gas gibt es kein Embargo – und es ist auch keines in Sicht. Denn: Deutschland würde das momentan nicht aushalten. Zwar ist es das erklärte Ziel der Bundesregierung, nach und nach vom russischen Gas wegzukommen. Aber sollte von heute auf morgen Erdgas aus Russland fehlen, würde das Deutschland wahrscheinlich in eine Wirtschaftskrise führen. Und damit spielt der russische Präsident aktuell: Immer wieder kündigt die Firma Gazprom an, dass für ein paar Tage kein Gas mehr nach Deutschland geliefert werden könne. Es werden Wartungsarbeiten vorgeschoben – an die eigentlich keiner wirklich glaubt.
Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt in einer Analyse zum Schluss, ein gänzlicher Ausfall russischer Gasimporte werde zu Engpässen führen. Wie lange Deutschland mit Hilfe der gut ausgebauten Gasinfrastruktur in diesem Fall vor Versorgungslücken geschützt sei, hänge von den verfügbaren Importen von Flüssigerdgas (LNG), Speicherständen und der Entwicklung der Außentemperaturen ab.
Der Branchenverband Zukunft Gas befürchtet bei einem Embargo schwere Schäden für die deutsche Wirtschaft. Vorstand Timm Kehler sagte: „Sollten Liefermengen ausbleiben und nicht durch andere Routen ersetzt werden, so werden Lastabschaltungen zuerst in der Industrie vorgenommen, um Haushalte und andere geschützte Kundengruppen mit Gas versorgen zu können.“ Viele Prozesse der deutschen Kernindustrien Fahrzeugbau oder Chemie beruhten auf Gas.