Dreimal größer als gewöhnliche Zecken
: Hyalomma bringt neue Krankheiten nach Deutschland

Hyalomma-Zecken besitzen Augen und können ihre Beute über hunderte Meter verfolgen. Auch in Deutschland droht sich die Art mit den steigenden Temperaturen weiter auszubreiten.
Von
David Hahn
Berlin
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Einheimische Zeckenart im Vergleich mit tropischem „Monster“: Gemeiner Holzbock (links, Ixodes ricinus) und Hyalomma marginatum.

HANDOUT - Die Zecken Gemeiner Holzbock (l, Ixodes ricinus) und Hyalomma marginatum liegen in der undatierten Aufnahme zum Größenvergleich nebeneinander. Funde mehrerer tropischer Zecken in Deutschland beunruhigen Forscher. In Niedersachsen und Hessen registrierten Wissenschaftler in diesem Jahr insgesamt sieben Exemplare der Gattung Hyalomma, wie die Mitarbeiter der Universität Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr mitteilten. (zu dpa «Funde tropischer Zeckenarten alarmieren Wissenschaftler » vom 14.08.2018) Foto: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

Einheimische Zeckenart im Vergleich mit tropischem „Monster“: Gemeiner Holzbock (links, Ixodes ricinus) und Hyalomma marginatum.

Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa
  • Hyalomma-Zecken breiten sich in Deutschland aus, können gefährliche Krankheiten übertragen.
  • Sie sind dreimal größer als heimische Zecken und jagen aktiv mit Augen.
  • Seit 2018 gibt es Funde in Deutschland, vor allem durch Zugvögel eingeschleppt.
  • Klimawandel begünstigt ihre Ausbreitung durch milde Winter und heiße Sommer.
  • RKI bittet um Einsendung verdächtiger Zecken zur Überwachung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Hyalomma-Zecke, eine tropische Zeckenart, breitet sich zunehmend in Europa aus und sorgt auch in Deutschland für Aufmerksamkeit. Die auffällige Zeckenart ist nicht nur deutlich größer als heimische Arten, sondern kann auch potenziell gefährliche Krankheiten übertragen.

Hyalomma-Zecke: Aktive Jäger

Hyalomma-Zecken, ursprünglich aus Asien und Afrika stammend, werden bis zu zwei Zentimeter groß. Damit sind sie zum Beispiel dreimal größer als der in Deutschland verbreitete Gemeine Holzbock. Auffällig sind ihre braun-gelb gestreiften Beine und ihre spinnenartige Erscheinung. Anders als die heimischen Zeckenarten sind Hyalomma-Zecken aktive Jäger: Sie besitzen Augen, mit denen sie ihre Beute über eine Entfernung von bis zu zehn Metern erkennen und über Hunderte Meter verfolgen können.

Hyalomma: Wie kommt die Zeckenart nach Deutschland?

Seit 2018 werden Hyalomma-Zecken in Deutschland gesichtet. Dabei handelt es sich vor allem um die Arten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes. Sie gelangen hauptsächlich durch Zugvögel aus dem Süden nach Mitteleuropa. Obwohl jedes Jahr Millionen von Hyalomma-Larven mit den Vögeln eingeschleppt werden, blieben Funde von erwachsenen Exemplaren bislang selten. 2022 wurden 14 und 2023 lediglich 12 Hyalomma-Zecken an das Robert Koch-Institut (RKI) gesandt. Laut dem Journal of Health Monitoring des RKI verbessern sich die klimatischen Voraussetzungen für Hyalomma-Zecken jedoch langfristig. Die mit dem Klimawandel zunehmend milderen Winter und heißeren Sommer in Deutschland schaffen bessere Bedingungen für die tropische Zeckenart.

Neue Krankheiten: Gefahren durch Hyalomma-Zecken

In Deutschland sind bisher vor allem Krankheiten wie Borreliose oder FSME verbreitet. Die Hyalomma-Zecke kann weitere verschiedene Krankheiten übertragen:

  • Krim-Kongo-Hämorrhagisches Fieber: Eine potenziell tödliche Viruserkrankung mit vergleichsweise hohen Todesraten. In Deutschland wurde dieses Virus bisher nicht nachgewiesen. In anderen europäischen Ländern ist eine Ansteckung jedoch bereits belegt.
  • Zecken-Fleckfieber, verursacht durch Rickettsien-Bakterien: Dieses Fleckfieber kann mit Hautausschlägen und Fieber einhergehen und sollte frühzeitig mit Antibiotika behandelt werden.

Für Pferdebesitzer und Reiter ist besondere Vorsicht geboten, da Hyalomma-Zecken Pferde bevorzugt befallen.

Zeckenfunde melden und einsenden

Das RKI bittet weiterhin darum, verdächtige Zeckenfunde einzusenden. Mit Ihrer Hilfe können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler somit die Ausbreitung der Hyalomma-Zecken besser verfolgen und Gegenmaßnahmen entwickeln. Fixieren Sie die Zecke dafür mit Klebestreifen auf Papier und senden Sie diese an: Robert Koch-Institut, ZBS 1 – „Zecke“, Seestraße 10, 13353 Berlin.