„Die Null“ in München: Das steckt hinter dem ersten alkoholfreien Biergarten

"Die Null": Der erste alkoholfreie Biergarten Münchens hat jetzt eröffnet.
Peter Kneffel/dpaMit dem Münchner Biergarten verbindet man mitunter ein leicht beduselt-beschwingtes Gefühl. Der Sommer ist schön, das Leben leichter und die Stimmung entspannt am lauen Abend unter den Kastanien. Das mag auch an der Wirkung des einen oder anderen im Garten getrunkenen Kruges Bier liegen.
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist nun am Donnerstagnachmittag zu einem neuen und für die Welthauptstadt des Bieres außergewöhnlichen, ja einzigartigen Ort gekommen. „Ich habe schon viel eingeweiht in den letzten Jahren“, sagt er gut gelaunt. „Aber noch nie einen alkoholfreien Biergarten.“ Nun ist es so weit, und der OB setzt seine Unterschrift an die Wand des großen, schnell zusammengezimmerten und von Künstlern verzierten Toilettenwagens. Währenddessen rockt eine Münchner Schülerband.
„Die Null“ nennt sich diese auf dem Karl-Stützel-Platz errichtete Location, so wie manche alkoholfreien Biere mit „0,0“ beworben werden. Auf dem Platz befindet sich eine große rote Skulptur des italienischen Bildhauers Mauro Staccioli, den „Ring“, der genau wie eine Null aussieht. Alles scheint hier zu passen.
Münchens OB will die Bürger nicht „erziehen“
Das ist aber keine großstädtische Woke-Aktion. „Ich möchte die Bürger nicht zu Anti-Alkoholikern erziehen“, sagt Dieter Reiter, der ja auch jedes Jahr im Herbst das Münchner Oktoberfest eröffnet und dabei das erste Fass durchaus alkoholreichen Bieres anzapft.
Vielmehr ist die „Null“ als Kontrapunkt zu seiner örtlichen Umgebung entstanden. Der Biergarten liegt nur ein paar Schritte vom Hauptbahnhof entfernt und ist der östliche Zipfel des Alten Botanischen Gartens. Über diese Ecke der Stadt meint Reiter ganz deutlich, sie gebe ein „niederschmetterndes Bild“ ab.
Der Garten ist in München in recht kurzer Zeit zu dem Hotspot für Kriminalität - etwa Vergewaltigungen -, Drogenhandel und -konsum sowie für Alkoholiker und Obdachlose geworden, die im Freien nächtigen. Geht man nach längerer Zeit mal wieder durch den Garten bis nach hinten zum Neptunbrunnen, so zeigt sich ein erschreckendes Bild. Überall sitzen, liegen, schlafen die Menschen, die dieser Szene angehören.
Eine Brauerei war sofort mit dabei
Reiter meint: „Wir brauchen hier Belebung, viel mehr normale Münchner, Touristen.“ Er sagt: „Wer diese Gegend kennt, weiß, warum wir alkoholfreies Bier ausschenken.“ Ziel sei es, „dass dieser Teil Münchens wieder schöner wird“. Dabei will die Stadt keine harte Law-and-Order-Politik durchsetzen. Alkohol- und drogenkranke Menschen brauchen vor allem Hilfsangebote, meint der OB.

"Die Null" in München: Bei der Eröffnung hielt sich der Andrang noch in Grenzen.
Peter Kneffel/dpaErst vor vier Wochen war die Idee der „Null“ entwickelt, und zwar von einigen Leuten aus der Kulturszene und Gastronomen um den Alten Botanischen Garten herum. Und jetzt steht der Biergarten schon - die Macher haben ein ungewöhnlich schnelles Tempo vorgelegt. „Es geht um das ganze Revier“, sagt etwa Christian Lehner vom seit langem angesagten Parkcafé, das ein paar Meter weiter liegt. „Es ist hier eigentlich wunderschön, aber unter der Situation der letzten Jahre haben wir sehr gelitten.“
Gesponsert wird das Projekt von der Augustiner-Brauerei, deren neues Alkoholfreies gerade fast überall ausverkauft ist, sowie vom angrenzenden Luxushotel „The Charles“. Dessen Leiter Florian Steinmaier meint: „Wir müssen diesen Park zurückholen.“
Und so gibt es in der „Null“ nicht nur alkoholfreies Bier, sondern ebensolchen Wein - vom Riesling über Rosé bis zum Spätburgunder -, Limos, Säfte oder Mocktails, worunter man Cocktails ohne Alkohol versteht. Und Konzerte sind angesagt - Rock, Techno-Raves. Sowie der Chor des Münchner Amtsgerichts.

