Darién-Gap
: Karte, Risiken & Co - alles über die gefährliche Fluchtroute zwischen Kolumbien und Panama

Viele Menschen versuchen jedes Jahr, in die USA zu gelangen. Dabei müssen es viele mit der gefährlichen Darién-Route aufnehmen.
Von
Philipp Staedele
Darian
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Migration in die USA: ARCHIV - 09.05.2023, Kolumbien, Darien Gap: Menschen aus Haiti waten durch Wasser, während sie den Darien Gap von Kolumbien nach Panama überqueren, in der Hoffnung, die USA zu erreichen. (zu dpa: «Unicef: Zehntausende Migrantenkinder durchqueren Darién-Dschungel») Foto: Ivan Valencia/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kolumbien, Darien-Gap: Menschen überqueren den Darien Gap von Kolumbien nach Panama in der Hoffnung, die USA zu erreichen.

Ivan Valencia/AP/dpa

Für unzählige Migranten aus ganz Südamerika ist es eines der schwierigsten und gefährlichsten Hindernisse auf ihrem Weg in die USA. Der Darién-Gap an der Grenze zwischen Panama und Kolumbien. Er gilt als gefährlichste Route und gleichzeitig als Mittelpunkt der Vertreibungskrise auf dem amerikanischen Kontinent. Alle Infos zum Garién-Gap gibt es hier.

Was ist der Darién-Gap eigentlich?

Der Darién-Gap (englisch: „Darién-Lücke“) bezeichnet einen etwa 100 km breiten Landstreifen in der Grenzregion zwischen Panama und Kolumbien, hier treffen Süd- und Nordamerika aufeinander. Die Bezeichnung als „Lücke“ bezieht sich auf die Unterbrechung der Panamericana, einer durchgängigen Straßenverbindung zwischen Alaska in Nordamerika und Feuerland in Südamerika (mit 25.000 km längsten Schnellstraße der Welt), die an genau dieser Stelle unterbrochen ist. Aufgrund des dichten Dschungels gibt es hier keine Straßen, dieses abgelegene und vornehmlich von Regenwald bedeckte Schutzgebiet ist nach wie vor schwer zugänglich und mit Ausnahme indigener Bewohner kaum besiedelt.

Der Darién-Gap auf der Karte

Die Karte zeigt die Grenze zwischen Kolumbien und Panama sowie den Darién-Dschungel

Die Karte zeigt die Grenze zwischen Kolumbien und Panama sowie den Darién-Dschungel.

Peters/dpa

Der Darién-Gap als gefährliche Fluchtroute

Der Darién-Gap ist eine extrem gefährliche Flüchtlingsroute: Für die Durchquerung müssen über 100 km Wegstrecke und mehr als 575.000 Hektar an Dschungel überwunden werden. Es existiert eine Route über Flussläufe, bei der die Menschen gegen Bezahlung mit einem Boot in das Grenzgebiet gebracht werden. Von hier sind sie dann bis zur Überquerung der Grenze weitere zwei bis drei Tage zu Fuß unterwegs. Jedoch verfügen die meisten Personen bei ihrer Ankunft im Dschungel nicht über die Mittel zur Finanzierung der zu überhöhten Preisen angebotenen Transportunterstützung, sodass sie den gesamten Darién-Gap zu Fuß durchqueren müssen.

Wie die Sprecherin des VN-Menschenrechtsbüros in Genf, Marta Hurtado laut Bundestag mitteilte, sind Migranten auf ihrem Weg durch den Darién-Gap außerdem zahlreichen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Dazu zähle insbesondere sexuelle Gewalt, aber auch Morde, Verschwinden, Menschenhandel, Raubüberfällen und Einschüchterungen durch kriminelle Banden und bewaffnete Gruppen.

Überdies besteht das Risiko, durch Tiere bzw. von durch Tiere übertragbaren Krankheiten getötet zu werden. Hohen Temperaturen und extreme Luftfeuchtigkeit, schlechtes Wetter, Nahrungsmangel und Infektionen durch verunreinigtes Wasser machen den Migranten zudem zu schaffen. Auch befinden sich aufgrund früherer bewaffneter Auseinandersetzungen kolumbianischer Sicherheitskräfte mit Guerillas und Drogenkartellen Landminen im Darién-Dschungel.

Laut Uno Flüchtlingshilfe ist der Weg durch diesen Dschungel die gefährlichste Route und gleichzeitig Epizentrum der Vertreibungskrise auf dem amerikanischen Kontinent.

USA und Mexiko: die gefährliche Grenze im Überblick

Wie viele Migranten versuchen die gefährliche Route?

Auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen oder nach Zuflucht vor Konflikten und Gewalt in ihren Heimatländern versuchen dennoch viele Menschen dieses Schutzgebiet zu durchqueren, um von Süd- nach Nordamerika zu gelangen.

Laut den Vereinten Nationen (VN) haben von Januar bis September 2023 mehr als 330.000 Migranten den Darién-Gap durchquert. Somit wurde bis Anfang September 2023 bereits die Gesamtzahl von 250.000 Personen, die dort im Laufe des Jahres 2022 die Grenze überquert hatten, überschritten. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nimmt an, dass im vergangenen Jahr mindestens 36 Menschen auf der Darién-Route starben, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) zufolge sind 91 Minderjährige vermisst oder getötet worden. Es wird eine deutlich höhere Dunkelziffer befürchtet.

Wer sind die Menschen auf der Flüchtlingsroute?

Einige der wichtigsten Herkunftsländer der Migranten sind laut den VN und der IOM Venezuela (55 Prozent), Haiti (14 Prozent) und Ecuador (14 Prozent). Aber auch Menschen aus Kolumbien, Peru und sogar aus China, Afghanistan und Nepal sind auf der Route unterwegs.

Besonders tragisch ist die hohe Zahl an Kindern unter den Migranten. Laut UNICEF wurden in den ersten acht Monaten 2023 über 60.000 Kinder gezählt. Im Laufe des Jahres 2022 waren es noch schätzungsweise 40.000 Kinder, denen die Überquerung gelang. Die Hälfte dieser Kinder ist dabei unter fünf Jahre alt, darunter sind auch zahlreiche Kinder mit Behinderungen.

Welche Maßnahmen gibt es für die Migranten?

Laut Informationen des Bundestags hat die Regierung Panamas mit internationaler Hilfe zwei Aufnahmezentren in der Provinz Darién und ein weiteres an der Grenze zu Costa Rica zur Unterbringung und zur Versorgung der Migranten errichtet - mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und sanitären Anlagen. Panama, Kolumbien und die USA haben sich im April 2023 außerdem auf zwei Punkte geeinigt:

  • hart gegen die im Darién-Gap operierenden kriminellen Banden und bewaffneten Gruppen vorzugehen
  • legale Migrationswege zu kreieren, um die illegale Migration zu unterbinden

Den Informationen zufolge beteiligen sich außerdem verschiedene Nichtregierungsorganisationen an der Bekämpfung der Ursachen von Vertreibung und irregulärer Migration. Gemeinschaften, die Migranten aufnehmen, sollen gestärkt werden sowie Regierungsinitiativen, welche den Zugang zu Verfahren zur Bestimmung des Flüchtlingsstatus und zu legalen Aufenthaltsmechanismen bieten, unterstützt werden.

Allerdings erwägt Panama aufgrund der wachsenden Zahl an Migranten sowie der Unzufriedenheit in der Zusammenarbeit mit Kolumbien, die Grenze zum Nachbarland vollständig zu schließen.

Der Darién-Gap bleibt aber laut Bundestag neben der realen Todesgefahr ein Symbol für die Schwierigkeiten und Risiken, die mit illegaler Migration verbunden sind. Er unterstreicht die Dringlichkeit, reguläre Routen für Migranten auszubauen und das Leben und ihre Rechte in prekären Verhältnissen zu schützen. Zudem müssen die Systeme zur Bestimmung des Flüchtlingsstatus gestärkt, weitere Schutzalternativen in der Region identifiziert und vor allem die Migrationsursachen in den Herkunftsländern bekämpft werden.

Quellen:

uno-fluechtlingshilfe.de: Fluchtroute Darién Gap

ohchr.org: Darien Gap migrants

rosanjose.iom: ACNUR y OIM piden mayor cooperación regional ante el récord de 250.000 personas que cruzan a pie la selva del Darién

bundestag.de: Der "Darién-Gap"