Der Frühling ist da und bescherte den Menschen in Ulm und der Region einen sonnigen Vatertag. Während das Wetter am Wochenende, 23. und 24. Mai, durchwachsen werden soll, rechnen Meteorologen in der kommenden Woche wieder mit Temperaturen jenseits der 20-Grad-Marke. Dann lädt das schöne Wetter wieder zum Bummeln und Schlemmen in der Innenstadt ein. Wer im Außenbereich der Gaststätten keinen freien Platz ergattert, den zieht es in die oftmals klimatisierten Innenräume. In der Corona-Krise stellt sich dabei allerdings folgende Frage: Können Klimaanlagen Virenschleudern sein?
Klar ist: Wie viele Viren verbreitet sich auch Sars-CoV-2 durch die Luft. Als Tröpfcheninfektion, aber auch in Form sogenannter Aerosol-Partikel. Das sind kleinste Schwebeteilchen.

Restaurant in China mit Klimaanlage: Neun Menschen erkrankten an Covid-19

Zu Beginn des Jahres machte ein Fall aus der chinesischen Metropole Guangzhou Schlagzeilen. Neun Menschen erkrankten an Covid-19, nachdem sie in einem fensterlosen, mit Klimaanlage ausgestatteten Restaurant gespeist hatten. Sie saßen an verschiedenen Tischen und gehörten zu drei Familien, die sonst keinen Kontakt miteinander hatten.
Chinesische Forscher  haben sich  in einer Studie genauer mit dem Fall beschäftigt. Sie rekonstruierten, dass die Übertragung des Virus wahrscheinlich von einem einzigen Infizierten im Restaurant ausging und kommen zu dem Schluss, dass Klimaanlagen in beengten Räumen durchaus tückisch sein und die Übertragung von Sars-CoV-2-Erregern befördern können. Der Schlüsselfaktor für die Infektionen mancher Restaurantbesucher sei die Richtung des Luftstroms gewesen. „Die Luftströmungsrichtung stimmte mit der Tröpfchenübertragung überein.“

Epidemiologe weist auf technische Unterschiede bei Klimaanlagen hin

Aus der chinesischen Studie abzuleiten, dass alle Klimaanlagen per se gefährlich sind, ist allerdings die falsche Schlussfolgerung. „Es gibt technische Unterschiede bei Klimaanlagen und die Möglichkeit der Filterung, das alles müsste man in die Betrachtung einbeziehen“, sagte Epidemiologe Rafael Mikolajczyk der Süddeutschen Zeitung.

Dehoga empfiehlt Gastwirten regelmäßiges Lüften gegen Corna-Infektionen

In der Gastronomie-Branche ist das natürlich längst Thema: Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bundesverbandes, erklärt: „Unabhängig von den unterschiedlichen Bewertungen in der Wissenschaft empfiehlt der Dehoga, die Räumlichkeiten häufig zu lüften und Luftbefeuchter zu nutzen.“ Und auch die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe hat den Aspekt in Arbeitsschutzstandards extra zur Corona-Wiedereröffnung in der Gastro aufgenommen. Es sei sicherzustellen, dass...
  • Arbeitsräume
  • Sanitärräume
  • Pausenräume
...regelmäßig gereinigt und gelüftet werden.

Das wird bei Lüftungsanlagen und Lüften mit Frischluft wegen Corona empfohlen

Die Lüftungsanlagen seien fachkundig zu betreiben, Filter sollten regelmäßig gereinigt beziehungsweise getauscht werden, heißt es weiter. Es empfiehlt sich die Aufstellung eines Reinigungs- und Lüftungsplans. Bei natürlicher Lüftung ist der erforderliche Luftwechsel durch ausreichend häufiges Stoßlüften zu realisieren.“
Virologe Christian Drosten empfiehlt Gastronomen, den Innenbereich ihrer Räumlichkeiten regelmäßig zu lüften.
Virologe Christian Drosten empfiehlt Gastronomen, den Innenbereich ihrer Räumlichkeiten regelmäßig zu lüften.
© Foto: dpa

Virologe Christian Drosten: Draußen weht der Wind das Virus weg

Auch Christian Drosten, Virologe von der Berliner Charité, hat sich mit den Infektionsrisiken in Gaststätten beschäftigt. Der Außenbereich von Gaststätten sei als relativ sicher einzustufen, sagte er im NDR-Podcast. „Im Außenbereich ist ein Zwei-Meter-Abstand wahrscheinlich gar nicht notwendig.“ Der Wind wehe das Virus weg. In Innenbereichen sollte man genau für diesen Durchzug-Effekte Fenster aufreißen. In Räumen seien wegen der Infektionsgefahr auch Abstandsregeln wichtiger, so Drosten.

Klimaanlage in Flugzeugen: So groß ist das Risiko einer Corona-Infektion an Bord

Im Flugzeug mal eben das Fenster zum Stoßlüften aufzureißen, ist selbstverständlich nicht möglich. Nach Angaben des Flugzeugherstellers Airbus sorgt ein komplexes und geschlossenes Belüftungssystem in Passagiermaschinen für eine sehr saubere Luft und ein geringes Infektionsrisiko an Bord. Es sorgt dafür, dass die Luft in der Kabine alle zwei bis drei Minuten erneuert wird und der Qualität in einem Krankenhaus entspricht. „Die Luft im Flugzeug ist bei der Landung sauberer als nach dem Schließen der Türen beim Start“, sagt Airbus-Chef-Ingenieur Jean-Brice Dumont.
Mehr Infos zu diesem Thema findet ihr in diesem Artikel: