Das Land Baden-Württemberg ändert seine Quarantäne-Regeln in Schulen und Kitas: Künftig müssen nicht mehr ganze Klassen oder Gruppen in häusliche Isolation geschickt werden, selbst wenn es einen größeren Corona-Ausbruch gibt.
  • Warum wurden die Corona-Regeln für Kinder geändert?
  • Welche Corona-Regeln gelten an Schulen in BW?
  • Wann müssen Schülerinnen und Schüler in Quarantäne?

Quarantäne in BW: Wann müssen Kita- und Schulkinder in Isolation?

Das Sozialministerium hat seinen Handlungsleitfaden für die Gesundheitsämter aktualisiert. Demnach müssen sich künftig nur noch positiv getestete Kitakinder sowie Schülerinnen und Schüler absondern. Bisher war es so, dass die ganze Klasse oder Kitagruppe in Quarantäne geschickt werden musste, wenn mehr als fünf Jugendliche oder Kinder oder 20 Prozent einer Klasse oder Gruppe infiziert waren. Der Schritt soll verhindern, dass zu viele Klassen gleichzeitig in Quarantäne sind.

Neue Corona-Regeln für die Quarantäne an Schule und Kita in BW – ab wann?

Die neue Quarantäne-Regelung für die Kitas und Schulen in Baden-Württemberg gilt ab sofort - 02.02.2022. Am Mittwoch wurde der neue Handlungsleitfaden für die Gesundheitsämter in Stuttgart beschlossen. „Damit schützen wir den Präsenzunterricht und gewährleisten einen einigermaßen geregelten Schul- und Kitabetrieb“, sagte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart. „Nach der alten Regel hätten immer mehr komplette Schulklassen und Kitagruppen in Quarantäne gehen müssen - das wollen wir verhindern.“, sagte Lucha. Die aktuelle Omikron-Variante verlaufe etwas milder. „Zudem sind immer mehr Menschen im Land geboostert und damit auch die Familienmitglieder der Schülerinnen und Schüler und Kitakinder geschützt.“

Corona-Regeln an der Schule: Was gilt in BW aktuell?

An Schule in Baden-Württemberg gelten aktuell folgende Corona-Regeln:
  • Alle 20 Minuten soll in den Klassen gelüftet werden
  • In Schule und Kita müssen alle dreimal die Woche einen Schnelltest oder zweimal die Woche einen PCR-Test machen
  • Von der Testung ausgenommen sind vollständige Geimpfte oder Genesene
  • Maskenpflicht außerhalb der Unterrichts- und Betreuungsräume an Schulen; Grundschulförderklassen; Schulkindergärten in öffentlicher und freier Trägerschaft; bei Betreuungsangeboten der verlässlichen Grundschule; flexiblen Nachmittagsbetreuung sowie den Horten an der Schule
  • Maskenpflicht in den Unterrichts- und Betreuungsräumen gilt für die Kinder sowie die Schülerinnen und Schüler, solange sie sich im Raum fortbewegen.
  • Ausnahme der Maskenpflicht in Unterrichts- und Betreuungsräumen: Schülerinnen und Schüler der Grundschulen; der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung; der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit anderen Förderschwerpunkten mit dem Bildungsgang geistige Entwicklung; der Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren sowie die Kinder der Grundschulförderklassen
  • Maskenpflicht für Lehrer: Lehrkräfte und andere am Unterricht und an Betreuungsangeboten mitwirkende Personen müssen eine Maske tragen, solange sie den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht einhalten,
  •  Maskenpflicht für alle, sobald eine Infektion auftritt oder die Alarmstufe gilt. Damit müssen Schülerinnen und Schüler, Kinder, Betreuungspersonal, Lehrkräfte und andere am Unterricht mitwirkende Personen eine Maske tragen.

Quarantäneregeln BW: Schulen selbst sollen über Fernunterricht entscheiden

Die Kultusministerin Theresa Schopper sagte der DPA, über Fernunterricht sollten künftig die Schulleitungen noch flexibler entscheiden können. „Eigentlich ist es so, dass die Schulleitungen das relativ selbstständig entscheiden können.“ Zwar bleibe 20 Prozent positiv Getestete der ungefähre Richtwert, sagte Schopper. Aber auch hier könnten die Schulleitungen selbst einschätzen, ob es sinnvoll sei, etwas früher oder erst später mit der Klasse in den Fernunterricht zu gehen.

Kritik der GEW: Keine FFP2-Masken und zu wenig Luftreiniger in Baden-Württemberg

Die Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Monika Stein, widersprach vehement. Die Regierung habe viel zu wenig getan, um die Corona-Zahlen zu bremsen. Es gebe keine FFP2-Masken und viel zu wenige Luftreiniger. „Wir können nur hoffen, dass möglichst niemand in der Schulgemeinschaft schwer erkrankt.“ Der Philologenverband erklärte, durch die neue Regelung werde die Zahl der Schüler in Quarantäne sinken. „So kann man auch versuchen, das explodierende Infektionsgeschehen an den Schulen und Kitas schönzureden“, sagte Landeschef Ralf Scholl. VBE-Landeschef Brand sprach zudem von einem kommunikativen Desaster, weil die Information nicht zuerst aus dem Kultusministerium gekommen sei. „Wer ist denn eigentlich für die Schulen im Land zuständig?“

Corona an Schulen und Kitas in BW – Viele Neuinfektionen wegen der Omikron-Variante

Die Omikron-Variante des Coronavirus hat zuletzt zu einem rasanten Anstieg der Corona-Zahlen an den Schulen im Südwesten geführt. Die Folge sind Unterrichtsausfälle und hohe Belastungen in den Lehrkollegien. Im Vergleich zum vergangenen Herbst habe sich die Zahl der Infektionsfälle an den Schulen in Baden-Württemberg verzehnfacht, sagte Brand. Experten gehen davon aus, dass Mitte Februar der Höhepunkt der Omikron-Welle erreicht wird.
Laut Kultusministerium blieben am Dienstag 946 Schulklassen coronabedingt zu Hause. Eine Woche zuvor waren es noch 607 Klassen. Die Belastung der Lehrkräfte sei hoch, sagte der VBE-Chef: „Die Nerven liegen blank.“