• In Österreich ist die Corona-Inzidenz aktuell doppelt so hoch wie in Deutschland
  • Eine Region an der deutschen Grenze ist wieder Risikogebiet
  • Die Ski-Saison soll dennoch regulär stattfinden, allerdings unter klaren Regeln – vor allem für den Après-Ski
  • Kritik kommt aus Berlin: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußert Bedenken an Kurz’ Plänen
Der Wintersport ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in den Alpen. Im vorigen Winter musste ein Totalausfall verbucht werden. Corona-Regeln sollen den Skitourismus in diesem Jahr retten. In Österreich gilt in der kommenden Wintersportsaison auf den Skipisten die 3G-Regel. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz verspricht eine sichere Skisaison. Falls sich die Corona-Situation weiter verschärft, würden allerdings nur noch Geimpfte Zugang zu Après-Ski-Lokalen erhalten, kündigte er in einem Interview mit der Funke Mediengruppe (Samstag) an. Sowohl 70 Prozent der über 12-Jährigen in Österreich als auch die überwiegende Masse der Touristen seien geimpft. „Insofern steht einem sicheren Urlaub in Österreich nichts im Wege.“
Österreichs oberster Ärztevertreter, Thomas Szekeres, kritisierte hingegen, dass sich die österreichische Regierung auch mit der Immunisierung beschäftigen müsse, um die Pandemie zu besiegen. „Über Après-Corona reden statt über Après-Ski“, forderte er.
Der österreichische Party- und Skiort Ischgl war voriges Jahr zum Corona-Hotspot geworden. Am Freitag wurde in Wien ein Schadenersatz-Prozess gegen den Staat Österreich verhandelt. Die Kläger sind Hinterbliebene eines Corona-Toten, der in Ischgl Urlaub gemacht hatte. Ihr Anwalt argumentierte, dass Kurz mit seiner unvorbereiteten Ankündigung der Quarantäne für Ischgl für ein Ausreise-Chaos mit weiteren Infektionen verantwortlich war. Die Republik weist die Vorwürfe von sich.
Im Frühjahr war Ischgl ein Corona-Hotspot. Anderthalb Jahre später hat eine Person den Staat Österreich verklagt.
Im Frühjahr war Ischgl ein Corona-Hotspot. Anderthalb Jahre später hat eine Person den Staat Österreich verklagt.
© Foto: Johann Groder/afp
Kurz sagte im Interview, dass auch die sogenannte 3G-Regel für einen sicheren Winter sorgen werde – also der Zutritt zu Gastronomie und Hotels nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete. Der konservative Kanzler räumte ein, dass die Kampagne der rechten FPÖ mit ein Grund für Österreichs niedrigere Impfrate im Vergleich zu Deutschland ist.

3G-Regel in Österreich – Diese Regeln gelten beim Skifahren

In Österreich gilt in der kommenden Wintersportsaison auf den Skipisten die sogenannte 3G-Regel. Seilbahnbetreiber dürfen nur gegen Covid-19 Geimpfte, Getestete oder Genesene befördern, wie die Regierung am Montag in Wien bekanntgab. Abstandsregeln und Kapazitätsbeschränkungen wird es für die Skilifte nicht geben, eine FFP2-Maskenpflicht jedoch schon. Sollte die Auslastung der Intensivstationen mit Corona-Kranken steigen, werden die Regeln für ungeimpfte Wintersportler verschärft. „Ich bin überzeugt, dass mit diesen Rahmenbedingungen eine unbeschwerte, sichere Wintersaison in unserem Land möglich sein wird“, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger bei einer Pressekonferenz in Wien.
  • Derzeit sind rund 200 Intensivbetten in Österreich mit Covid-19-Patienten belegt.
  • Wenn die Zahl auf 300 steigt, dürfen Ungeimpfte keine Après-Ski-Lokale mehr besuchen - auch nicht mit negativem Testergebnis, sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Ab dieser Stufe dürfen Seilbahnen, Gastronomie und Hotels außerdem keine Selbsttests mehr akzeptieren.
  • Ab einer Intensivauslastung von 400 Betten müssen Ungeimpfte negative PCR-Tests vorweisen. Die weniger genauen Antigentests reichen dann nicht mehr aus.
  • Falls sich die Lage noch mehr zuspitzt, stellte die Regierung die Ausweitung der 2G-Regel - Geimpft oder Genesen - auf weitere Bereiche in den Raum.
Wie an den Seilbahnen die 3G-Regel ohne langes Anstellen kontrolliert werden soll, war vorerst noch unklar. An einer Lösung werde noch gearbeitet, hieß es vom Tourismusministerium. So könnte zum Beispiel der Online-Verkauf von Liftkarten an eine automatisierte Kontrolle des Corona-Status gekoppelt werden.

Skitourismus: Wichtiger Wirtschaftszweig für Österreich

Für Tourismusministerin Köstinger ist das Ziel, „dass Österreich nicht wieder mit Reisewarnungen belegt wird“. Skitourismus ist in Österreich ein wichtiger Wirtschaftszweig. Mehr als die Hälfte aller Winterurlaube in Europa finden laut Köstingers Ministerium in Österreich statt. Dabei spielen Gäste aus Deutschland eine wichtige Rolle: Vor der Pandemie entfielen in der Wintersaison 2018/19 fast 37 Prozent der Übernachtungen auf Deutsche. Die Saison 2020/21 war laut Köstinger ein „Totalausfall“.

Après-Ski in Österreich: Lauterbach äußert bedenken

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat kritisch auf den Vorstoß des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz reagiert, der eine sichere Wintersaison in dem Alpenland versprochen und Après-Ski nur für Geimpfte in Aussicht gestellt hatte. „Wie die nächste Wintersaison aussehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös vorhersagen - auch nicht der österreichische Bundeskanzler“, sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online Sonntag, Print Montag).
Lauterbach erklärte, er würde aus heutiger Sicht „eher davon abraten, unter Ischgl-ähnlichen Bedingungen zu feiern“ und verwies auf Impfdurchbrüche. „In Innenräumen haben wir jetzt schon viele Ansteckungen auch unter Geimpften. Diese Fälle werden noch zunehmen, wenn der Impfschutz nachlässt.“ Ob Après-Ski überhaupt möglich sein werde, hänge nicht zuletzt von Booster-Impfungen oder von weiterentwickelten Impfstoffen ab, merkte der Gesundheitsexperte an.
Der österreichische Party- und Skiort Ischgl war voriges Jahr zum Corona-Hotspot geworden. Am Freitag wurde in Wien ein Schadenersatz-Prozess gegen den Staat Österreich verhandelt. Die Kläger sind Hinterbliebene eines Corona-Toten, der in Ischgl Urlaub verbrachte. Ihr Anwalt argumentierte, dass Kurz mit seiner unvorbereiteten Ankündigung der Quarantäne für Ischgl für ein Ausreise-Chaos mit weiteren Infektionen verantwortlich war. Die Republik weist die Vorwürfe von sich.

Corona in Österreich: Eine Region sind Risikogebiete

Nachdem die Inzidenz deutlich gestiegen war, hat die österreichische Bundesregierung um Kanzler Sebastian Kurz das Salzburger Land zum nationalen Risikogebiet erklärt. Dort gelten strengere Regeln also in anderen Regionen in Österreich.

Aktuelle Corona-Zahlen aus Österreich:

  • Sieben-Tage-Inzidenz: 148,2
  • Neuinfektionen: 1.240
  • Infektionen insgesamt: 726.674
  • Neue Todesfälle: 22
  • Todesfälle insgesamt: 10.918
  • Stand: 22.09.2021; Quelle: corona-in-zahlen.de