Sebastian Kurz meint es ernst. Diesen Eindruck will der österreichische Bundeskanzler in der Corona-Krise erwecken. Pressekonferenzen gibt er nur noch hinter einer Glasscheibe, den Mundschutz nimmt er lediglich zum Sprechen ab.

Sebastian Kurz geht voran. Auch das will der Politiker vermitteln – nicht nur in Österreich. Das Coronavirus hat Kurz Selbstvertrauen gegeben. Wenig Infizierte, kaum Tote – und das mitten im Epizentrum der Pandemie: Österreich steht blendend da. Kurz nutzt das aus. „Wir sind bisher besser durch die Krise gekommen als die meisten anderen Länder“, stellte Kurz bei der Pressekonferenz fest.

Laut der Johns Hopkins University sind in Österreich (Stand: 04. Mai, 12:32 Uhr)

  • 15.597 Menschen infiziert,
  • 580 an dem Virus gestorben,
  • 13.316 wieder geheilt.

Rekordarbeitslosigkeit in Österreich: 12,8 Prozent ohne Job

In Österreich ist die Arbeitslosigkeit im April aufgrund der Corona-Krise stark angestiegen und hat einen neuen historischen Höchststand erreicht. Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer stieg im Vorjahresvergleich um 58,2 Prozent auf 571.000 Menschen, teilte der Arbeitsmarktservice (AMS) am Montag mit. Die Arbeitslosenquote stieg um 5,5 Prozentpunkte auf 12,8 Prozent. Betroffen waren alle Altersgruppen, in allen Branchen und in allen Bundesländern. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank um ein Drittel. Die Covid-19-Krise habe seit Mitte März zu einem „extremen Anstieg der Arbeitslosigkeit“ geführt, so der AMS.

Ausgangsbeschränkungen in Österreich enden

Nach den wochenlangen Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie brauchen die Menschen in Österreich ab Freitag keinen besonderen Grund mehr, um das Haus zu verlassen. Allerdings sollen sie in der Öffentlichkeit zu Menschen, die nicht im eigenen Haushalt leben, weiterhin mindestens einen Meter Abstand halten. Die Zahl der Menschen, die sich im öffentlichen Raum versammeln dürfen, bleibt vorerst grundsätzlich auf zehn begrenzt.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober warnte die Bürger vorab davor, durch ein zu sorgloses Verhalten erneute Corona-Einschränkungen notwendig zu machen. Österreich hatte früh umfangreiche Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus ergriffen. Ab Montag sollen in Österreich die Schulen wieder öffnen, Mitte Mai erste Restaurants und am 29. Mai Hotels sowie Schwimmbäder und Freizeitanlagen.

Formel-1-Rennen in Österreich von Sicherheitskonzept abhängig

In der Debatte um die Austragung eines Formel-1-Rennens in Österreich macht die Regierung ihre Zustimmung vom Sicherheitskonzept der Veranstalter abhängig. Ob die Regierung den für den 5. Juli geplanten Grand Prix in Spielberg erlauben werde, „hängt total davon ab, welches Sicherheitskonzept die Veranstalter mitbringen“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch im Ö1-„Journal um acht“.

Ressortchef Anschober hat nach eigenen Angaben auch mit Vertretern im Profifußball gesprochen. „Nur unter strikten, strengen Bedingungen
werden wir solche Veranstaltungen zulassen und natürlich, ich glaube
das versteht sich in der Situation von selbst, ohne Massenpublikum“,
sagte er weiter. Die Formel 1 plant ihren Saisonstart für den 5. Juli in Österreich.

280 Deutsche melden sich als Opfer mangelnder Corona-Maßnahmen in Tirol

Etwa 260 Ski-Urlauber aus Deutschland, die sich Anfang März in österreichischen Skiorten mit dem Coronavirus angesteckt hatten, haben sich laut einem Bericht bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck als Opfer gemeldet. „Bislang haben 285 Personen aus mehreren Ländern erklärt, sich als Opfer dem Verfahren anzuschließen - etwa 90 Prozent davon kommen aus Deutschland“, zitierte „Focus Online“ am Dienstag den Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr.

Die Deutschen hatten Urlaub in Ischgl, Sölden oder St. Anton gemacht. In den vollen Hütten, Apres-Ski-Bars und Restaurants der Skiorte hatten sich tausende Wintersportler infiziert, nach ihrer Rückkehr in die Heimatländer steckten sie weitere Menschen an. Bei der Klage handelt es sich um eine Sammelklage gegen die Tiroler Behörden wegen einer zu späten Reaktion auf die Corona-Pandemie anschließen wollten.

Reisen zwischen Deutschland und Österreich? Noch keine Entscheidung

Ab wann Urlaubsreisen zwischen Deutschland und Österreich wieder möglich sind, ist laut der österreichischen Tourismusministerin noch nicht entschieden. „Wir werden nur dort Möglichkeiten der Reisefreiheit und teilweisen Öffnung der Grenzen ermöglichen können, wo Infektionszahlen niedrig sind und sich ähnlich gestalten wie in Österreich“, sagte Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Dienstag. „Das ist in Tschechien und auch in Deutschland der Fall. Aber das wird noch eine Diskussion in der Zukunft sein.“

Hotels dürfen in Österreich ab 29. Mai wieder öffnen

In Österreich dürfen Hotels und andere Beherbergungsbetriebe aufgrund der Erfolge bei der Eindämmung der Corona-Krise ab 29. Mai wieder öffnen. Das teilte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Dienstag in Wien mit.„Die gesamte Branche hat eine Vollbremsung hingelegt. Für Betriebe waren die letzten Wochen extrem schwierig, in vielen Fällen natürlich existenzbedrohend“, sagte Köstinger. Die aktuelle Entwicklung gebe aber die Möglichkeit zum Neustart. Dabei habe die Alpenrepublik stets den Anspruch, die Gastfreundschaft Österreichs mit größtmöglichem Schutz für Gäste und Mitarbeiter zu gewährleisten.

Österreich öffnet meiste Schulen im Mai wieder

In Österreich öffnen die meisten Schulen im Mai wieder. An Grundschulen und in den Unterstufen weiterführender Schulen beginnt der Unterricht am 18. Mai, wie Bildungsminister Heinz Faßmann am Freitag in Wien bekannt gab. Für Abiturienten sowie die Abschlussklassen von berufsbildenden und Mittelschulen geht es bereits am 4. Mai wieder los, wie zuvor bereits bekannt wurde. Für alle anderen Schüler startet der Unterricht Anfang Juni nach Pfingsten.

Historischer Wirtschaftseinbruch in Österreich

Österreich droht wegen der Corona-Pandemie eine historische Rezession. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in Wien rechnet laut seiner Prognose vom Donnerstag mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr zwischen 5,25 Prozent und 7,5 Prozent. Im nächsten Jahr soll die Wirtschaft dann wieder um 3,5 Prozent wachsen.

Die Krise wirkt sich demnach auch deutlich auf die Arbeitslosenquote aus. Diese wird laut Wifo auf 8,75 bis 9,1 Prozent steigen. Zugleich schlagen sich die umfangreichen Staatshilfen in der Krise im österreichischen Haushalt nieder: Die Forscher rechnen mit einem Defizit von bis zu zehn Prozent.

Kanzler Kurz: Ziel ist Grenzöffnung zwischen Deutschland und Österreich

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich zuversichtlich gezeigt, dass das Reisen zwischen Österreich und Deutschland wieder möglich wird. „Natürlich ist es das Ziel, dass wir die Grenzen wieder runterfahren“, sagte Kurz am Mittwochabend in der ARD-Talkshow „Maischberger. Die Woche“. Beide Länder seien bei der Eindämmung des Coronavirus auf einem guten Weg - und dies sei die Voraussetzung für ein Wiederaufleben des Tourismus. Einen genauen Zeitpunkt für Grenzöffnungen nannte er nicht. Kanzler Kurz bekräftige, dass in Österreich die Ausgangsbeschränkungen Ende April weitgehend auslaufen sollen. Dann seien auch wieder Treffen mit Familienmitgliedern und Freunden möglich. Die Eigenverantwortung der Bürger mit dem Einhalten der neuen Regeln wie Abstandhalten und dem Tragen von Mund-Nasen-Schutz werde dann zentrale Bedeutung bekommen, so Kurz.

Vorwürfe, dass Skiorte wie Ischgl eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Virus in Teilen Europa gespielt hätten, hielt Österreichs Regierungschef für wenig konstruktiv. Er halte nichts von Schuldzuweisungen. Zur Verbreitung des Virus gebe es diverse Theorien und Studien - und eine gehe davon aus, dass sich das Virus im Wesentlichen von München aus verbreitet habe. Sollte es im Fall Ischgl zu Fehlverhalten gekommen sein, dann sei eine Bestrafung der Verantwortlichen selbstverständlich, meinte Kurz

Fußball-Bundesligisten in Österreich trainieren wieder

Die österreichischen Fußball-Bundesligisten haben teilweise das Training nach der Corona-Zwangspause wieder aufgenommen. Am Dienstag rollte unter anderem auf den Trainingsgeländen von RB Salzburg und Rapid Wien der Ball. Bereits am Montag hatte der Tabellenführer Linzer ASK in Kleingruppen trainiert. „Es war richtig zach, die Motivation ist immer weniger geworden. Umso mehr Spaß hat es heute gemacht“, sagte Salzburg-Verteidiger Maximilian Wöber. „Es war ein guter erster Tag“, befand sein Trainer Jesse Marsch.

Öffnungsplan in Österreich erweitert – Quarantäne-Ende in Ischgl

In der Corona-Krise erweitert Österreich seinen Öffnungsplan auch auf fast alle Dienstleistungen. Ab Anfang Mai dürften neben den Friseuren nun unter anderem auch Kosmetik- und Nagelstudios ihre Services wieder anbieten, sagte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Dienstag in Wien. Ausgenommen seien Dienstleistungen im Freizeit- und Tourismusbereich. Zudem dürfen sämtliche Geschäfte wieder öffnen. „Wir gehen diesen Weg, weil wir in Österreich ganz besonders diszipliniert waren und weil die Entwicklung bei uns eine bessere ist als in anderen Ländern“, sagte Kurz. In Tirol wird der Weg in Richtung Normalität mit dem Quarantäne-Ende etwa für Ischgl ab Donnerstag weiter beschritten.

Lokale und Restaurants ab 15. Mai wieder offen

In Österreich sollen ab Mitte Mai die Lokale und Restaurants wieder öffnen. Mitarbeiter der Gaststätten müssten dann einen Mund-Nasen-Schutz tragen, für die Zahl der Gäste gelte eine Obergrenze, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Dienstag in Wien. Zudem müssten die Lokale spätestens um 23 Uhr schließen.

Sind Gottesdienste bald wieder möglich?

Außerdem seien – bei Einhaltung der Abstandsregeln – ab Mitte Mai voraussichtlich auch wieder Gottesdienste möglich. Angesichts der guten Entwicklung bei den Fallzahlen in der Corona-Krise könne die Regierung an ihrem Fahrplan festhalten, so der Regierungschef weiter. Für die wirtschaftliche Entwicklung bedeute das „Licht am Ende des Tunnels“. Dienstleister wie Friseure und Kosmetiker dürfen bereits ab Anfang Mai wieder öffnen.

Österreichische Kliniken sollen schrittweise zur Normalität zurückkehren

Nach dem Ausnahmezustand wegen der Corona-Krise können die Kliniken in Österreich schrittweise wieder in einen Normalbetrieb übergehen. So sollen zum Beispiel verschobene Operationen nun wieder möglich werden, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Wichtig sei, dass zugleich Reserven für einen etwaigen Anstieg der Corona-Fälle blieben. Das werde „ein von Vorsicht geprägter Prozess“, der sich über Wochen erstrecken werde, so der Minister. Die stringenten Besuchsregeln sollen sich nicht ändern.

Fußball: Bundesliga-Spiele Mitte Mai „absolut realistisch“

Österreich erwägt für Mitte Mai die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der wegen der Coronakrise seit dem 8. März unterbrochenen Fußball-Bundesliga. Das bestätigte Ligachef Christian Ebenbauer am Donnerstag. „Ich persönlich halte das für absolut realistisch“, sagte Ebenbauer, der Geisterspiele ebensowenig ausschließt wie ein reguläres Saisonfinale Ende Juni. Die Mannschaften sollen in der kommenden Woche das Training in Gruppen von jeweils sechs Spielern wieder aufnehmen

Corona-Pandemie in Österreich: Regierung will alle Menschen in Altenheimen testen

Österreich will alle Mitarbeiter und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen auf das Coronavirus testen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien, dass dies „der ganz große, zentrale Schwerpunkt“ der künftigen Teststrategie in der Alpenrepublik sei. Laut Anschober betrifft die Maßnahme 130 000 Menschen in mehr als 900 Einrichtungen. Bisher hat Österreich insgesamt rund 157 000 Corona-Tests durchgeführt.

Ab 1. Mai: Diese sechs Sportarten sind in Österreich wieder erlaubt

In Österreich dürfen Freizeitsportler vom 1. Mai an trotz Corona-Krise bestimmten Sportarten wieder nachgehen. Sportminister Werner Kogler (Grüne) nannte am Mittwoch in Wien Leichtathletik, Tennis, Golf, Reiten, Bogenschießen und Segelfliegen. Laufen und Radfahren waren bereits bisher erlaubt. „Wir wollen was ermöglichen“, so Kogler. Sport sei gerade in diesen Zeiten wichtig. Die Definition der zu beachtenden Hygiene-Regeln werde den jeweiligen Sportverbänden überlassen, sagte der Minister.

Österreichs Kanzler zieht erste Bilanz nach Wiedereröffnung vieler Geschäfte

Vor manchem Bau- und Gartenmarkt in Österreich bildeten sich am Dienstag, 14. April, eine lange Schlange von Kunden. Die Österreicher nutzten in der Corona-Krise gleich Tag eins der Wiederöffnung vieler Geschäfte. Das Wichtigste dabei: Es ging augenscheinlich diszipliniert zu, die Hygiene- und Abstandsregeln wurden eingehalten. Und auch Kanzler Sebastian Kurz gab sich eher gelassen. Damit habe er gerechnet und er vertraue weiter darauf, dass die Bürger beim Einkaufen den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz trügen und die Geschäfte nicht mehr Kunden als erlaubt Zutritt gewährten. Generell stellte er fest: „Wir sind auf Kurs.“

Kanzler Sebastian Kurz erzielt Rekord-Umfragewerte

Mit seiner schnellen und rigorosen Politik scheint Österreichs Sebastian Kurz zu überzeugen. In Umfragen erhielt er den höchsten Vertrauenswert seiner Karriere.

In Österreich dürfen die ersten Läden wieder öffnen

Von heute, 14. April, an, dürfen in Österreich alle kleinen Läden wieder öffnen, die weniger als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche haben. Auch Bau- und Gartenmärkte haben wieder geöffnet. Von den Lockerungen profitieren im Land rund 80 Prozent der Einzelhändler. Allein in Wien dürfen somit rund 4500 Läden wieder ihre Waren verkaufen.

Für das Einkaufen gibt es strenge Auflagen: Alle Kunden und Mitarbeiter müssen einen Mundschutz tragen. Die Öffnungszeiten der Geschäfte sind auf 7.40 Uhr bis 19 Uhr beschränkt. Händler, die zu viele Kunden ins Lokal lassen, müssen mit bis zu 3600 Euro Strafe rechnen. Ab dem 2. Mai sollen alle Geschäfte in Österreich wieder öffnen dürfen, darunter auch Friseure. Von Mitte Mai an könnten Lokale und Restaurants folgen.

Studie geht von doppelt so hoher Neuinfektionszahl in Österreich aus

In Österreich könnte die Zahl der neuen Coronavirus-Infektionen einer Studie zufolge mindestens doppelt so hoch sein wie die offiziell gemeldeten Zahlen. Die Autoren einer am Freitag veröffentlichten Studie des Sora-Instituts schätzen, dass sich statt der offiziell für die erste Aprilwoche gemeldeten 12.200 Fälle rund 28.500 der fast neun Millionen Einwohner Österreichs infiziert haben.

„Es gab die Annahme, dass mehr Menschen infiziert sind als offiziell getestet wurden. Das deckt sich mit den bisherigen Ergebnissen“, sagte der Leiter des Sozialforschungsinstitut Sora, Christoph Hofinger, der Nachrichtenagentur AFP. Mit der von der Regierung beauftragten Studie sollte die Dunkelziffer der Infektionen bei den nicht in Krankenhäusern behandelten Menschen abgeschätzt werden.

Das Institut befragte für die Studie in der ersten Aprilwoche 1544 Menschen. Davon gaben 0,32 Prozent an, positiv auf das neuartige Virus getestet worden zu sein. Umgerechnet auf die Bevölkerung seien das etwa 28.500 Menschen, also mehr als drei von tausend Menschen.

Unter Berücksichtigung von Abweichungen könnten in Österreich der Studie zufolge insgesamt zwischen 10.200 und 67.400 Menschen infiziert sein. Nach Angaben des Sora-Instituts handelt es sich um die erste Studie dieser Art - sie soll ein besseres Verständnis der Virus-Verbreitung ermöglichen.

Corona in Österreich: Frühe und rigorose Politik zeigt Wirkung

Kurz vergleicht momentan gerne mit anderen Ländern. So gut sind die Corona-Zahlen der Alpenrepublik. 12.981 Corona-Patienten hat Österreich bislang registriert (Quelle: Johns-Hopkins-University, Stand: 9. April, 9.40 Uhr). Ein vergleichsweise moderater Anstieg – am Dienstagabend waren 12.519 Fälle gemeldet worden. 273 Menschen sind in Österreich bislang an Corona gestorben (Stand 9. April, 9.40 Uhr). Zum Vergleich: In Italien verstarben Mitte März doppelt so viele Menschen – an nur einem Tag.

Woher kommen die niedrigen Zahlen? Österreich hat auf die Krise sehr früh sehr restriktiv reagiert. Bereits am 13. März kündigte Kurz an, dass ein Großteil der Geschäfte in Österreich schließen müsse. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade einmal 504 Personen in Österreich an Covid-19 erkrankt.

Österreichs Bürger sollen Heimaturlaub machen

Österreich hat, wie viele andere Länder, dramatische Ausfälle im Tourismus. Deshalb fordert das Land seine Bürger zum Heimaturlaub auf. Da ausländische Touristen bisher für 75 Prozent der Übernachtungen sorgten, sollten sommerurlaubswillige Österreicher wenigstens etwas Abhilfe schaffen.

In Österreich können Hotels und Gaststätten voraussichtlich ab Mitte Mai ihren Betrieb langsam hochfahren, sollten sich die Infektionszahlen in der Corona-Krise weiter so günstig entwickeln wie bisher. Die genauen Schritte würden derzeit ausgearbeitet, so Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Alle Gäste und auch das Personal müssten sich aber auf das Einhalten von bestimmten Regeln einstellen, etwa das Einhalten von Sitzabständen und eine Schutzmaskenpflicht.

Österreich: Diese Corona-Beschränkungen werden nun aufgehoben

Nun ist Österreich das erste europäische Land, das die Corona-Beschränkungen schrittweise lockern will.

  • Vom 14. April an dürfen kleine Geschäfte, Bau- und Gartenmärkte wieder öffnen.
  • Anfang Mai dürfen größere Geschäfte wieder öffnen.
  • Hotels und Gastronomie sollen Mitte Mai folgen.
  • Der Schulbetrieb soll frühestens Mitte Mai wieder aufgenommen werden.
  • Veranstaltungen sind im besten Fall Anfang Juli wieder möglich.

Coronavirus in Österreich - Die Einkaufsregeln bleiben bestehen

Die Einkaufsregeln bleiben aber in Kraft. In zahlreichen Geschäften in Österreich müssen die Menschen seit Ende März aufgrund einen Mundschutz tragen. Die Supermärkte und Discounter verteilen daher in möglichst vielen Filialen einen Mund-Nasen-Schutz verteilen. Selbstgenähte Masken oder ein Schutz aus einem Schal oder einem Tuch wird ebenfalls akzeptiert.

Kurz betonte, dass die Regierung die Lockerungen nur umsetze, wenn sich die Leute an die Beschränkungen halten. Sollten die Fallzahlen wieder ansteigen, werde die Regierung die "Stopptaste" drücken, sagte Kurz. Die Osterwoche werde die entscheidende Woche sein. Der Kanzler rief die Österreicher auf, das Osterfest nur mit Menschen zu feiern, die im selben Haushalt leben.

Wien: Bankräuber missbraucht Mundschutz-Pflicht

Die Mundschutz-Pflicht hat ein Krimineller in Wien für einen Bankraub missbraucht: Der Unbekannte verletzte bei dem Überfall am vergangenen Freitag in Wien eine 58-jährige Bankkundin, die fliehen wollte, durch einen Schuss in den Oberkörper schwer, wie die Polizei berichtete. Dem Mann gelang es, mit einem Geldbetrag in unbekannter Höhe zu fliehen. Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot. Bislang erfolglos.

Quarantäne in Tirol nach drei Wochen aufgehoben

In Tirol gibt es unterdessen erste Anzeichen der Entspannung: Das österreichische Bundesland hebt die Quarantäne für das gesamte Landesgebiet mit kleinen Ausnahmen an diesem Dienstag auf. Die Quarantäne für alle 279 Gemeinden sollte ursprünglich noch bis einschließlich Ostermontag, 13. April, gelten. Seit dem 18. März durften die Menschen in Tirol nur in Ausnahmefällen – Arbeitsweg oder Arztbesuche – ihre Wohnorte verlassen.

Von der Aufhebung nicht betroffen seien vorerst St. Anton, das Paznauntal und Sölden, sagte Tirols Landeschef Günther Platter. Das Paznauntal mit dem beliebten Wintersportort Ischgl steht schon länger unter Quarantäne als die restlichen Tiroler Gemeinden. Ischgl stand wegen seiner Corona-Politik in der Kritik, der Skiort soll zu spät auf das Virus reagiert haben.

Corona in Österreich: Lindner und Gauland loben Kanzler Kurz

Lob erhält Kurz von deutschen Politikern – besonders aus dem liberalen und rechten Lager. „Es ist gut und richtig, dass Sebastian Kurz die Corona-Maßnahmen in Österreich wieder lockern will“, sagt AfD-Bundestagsabgeordneter Alexander Gauland.

Aus Sicht des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner sollte sich die Bundesregierung sich Österreich zum Vorbild nehmen, wenn es um die Lockerung der Beschränkungen geht. „Man muss es nicht genauso machen, aber auch unser Land braucht eine Perspektive auf Öffnung“, sagte er.

So bewertet die österreichische Opposition die Corona-Politik von Kurz

Die Politkollegen in Österreich beurteilen die Politik des Bundeskanzlers deutlich kritischer. Die Opposition wirft der Regierung vor, zu wenig Menschen zu testen. „Offenbar steigt nur die Zahl an Pressekonferenzen rapide, nicht aber die der überlebenswichtigen Corona-Tests“, sagte Gerald Loacker, Gesundheitssperecher der liberalen Partei Neos.

Nach Berechnung der Partei sank die Zahl der täglichen Tests von knapp 5000 Anfang der vergangenen Woche auf 3200 am Freitag vergangener Woche.

Debatte in Österreich: Wie geht es in Tirol nach Corona weiter?

Der Tiroler Tourismus steuert durch die Corona-Krise auf eine ungewisse Zukunft zu - aus Sicht der stellvertretenden Tiroler Landeschefin Ingrid Felipe (Grüne) muss daher nun ein Umdenken erfolgen. „Ich glaube schon länger, dass der Tiroler Tourismus sich viel stärker in Richtung eines klimafreundlichen, naturnahen, weniger auf Hüttengaudi und Après Ski und Pistenkilometer ausgelegten Tourismus entwickeln sollte“, sagte Felipe der Deutschen Presse-Agentur. „Spätestens jetzt müssen alle verstanden haben, dass die Zukunft nicht in noch mehr Liftstützen und Pistenkilometern liegt, sondern in einer naturnahen Erfahrung.“

Ischgl/Ulm/Göppingen

Der Tiroler Tourismus und speziell der Wintersportort Ischgl stehen als eine Keimzelle des Coronavirus für ganz Europa schwer in der Kritik. Ein österreichischer Verbraucherschützer hat bereits mehr als 4000 Zuschriften von Menschen gesammelt, die davon ausgehen, dass sie sich in Tirol mit Sars-CoV-2 infiziert haben. Der Skibetrieb in Tirol steht seit dem 16. März still - neun Tage, nachdem in Ischgl der erste Corona-Fall bestätigt wurde.

Grünen-Politikerin in Österreich zu Ischgl: „Geschehnisse im März müssen aufgeklärt werden“

Die Geschehnisse im März müssten unabhängig aufgeklärt werden, meint Felipe. „Es ist mir sehr wichtig, dass das umfangreich aufgearbeitet wird, weil man ja das Pauschalurteil über Ischgl und Tirol ausräumen muss. Es kann sein, dass es Einzelne gibt, die diese Kritik verdient haben. Aber man erwischt auch viele, die das nicht verursacht haben können.“

Die Grünen-Politikerin hofft zudem, dass die Corona-Krise in der gesamten Gesellschaft einen Veränderungsprozess lostreten wird. Das Zusammenleben müsse rücksichtsvoller, die Gesellschaft etwas ruhiger werden. „Unser Mobilitätsverhalten, das hat schon Dimensionen erreicht, die ja kaum mehr auszuhalten waren. Vielleicht kann man da auch die ein oder andere Lehre draus ziehen und nicht vier Mal im Jahr auf Urlaub fahren.“