In Deutschland, Europa und der Welt steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den vergangenen Wochen wieder deutlich an. Auch für die Bundesrepublik ist Zahl der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit Anfang Mai geklettert. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bis Mittwochabend 1445 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Höher lag der Wert zuletzt am 01. Mai mit 1639 registrierten Neuinfektionen.
Der Anteil an Kreisen, die keine Neuinfektionen übermittelt haben, sei in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen. „Dieser Trend ist beunruhigend“, so das RKI. „Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden.“ Besonders betroffen seien derzeit Nordrhein-Westfalen und Hamburg, wo ein deutlicher Anstieg auffalle.

Corona Zahlen Deutschland: Anfang April 6000 Neuinfektionen täglich

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder. Experten sind besorgt, dass es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kommen könnte, der die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten an Grenzen bringt.

Neu-Ulm

Corona in Deutschland: Zahlen der Infektionen, Genesenen und Toten

Die Zahlen verändern sich in der Corona-Krise täglich. Hier sind die aktuell gemeldeten Werte des RKI:
  • Infizierte mit dem Coronavirus: Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 219.964 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Mittwochmorgen im Internet meldete (Datenstand Donnerstag, 13.8.2020, 0.00 Uhr).
  • Corona-Tote in Deutschland: Seit dem Vortag wurden vier neue Todesfälle gemeldet. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben nun bei 9211.
  • Von den gut 9000 in Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbenen (4,2 Prozent aller bestätigten Fälle) waren etwas mehr als die Hälfte Männer (55 Prozent). Der Altersdurchschnitt der Verstorbenen liegt nach den RKI-Daten bei 81 Jahren. Bislang seien lediglich drei Covid-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt worden. „Die verstorbenen Personen waren im Alter zwischen 3 und 18 Jahren, alle hatten Vorerkrankungen.“
  • Genesene vom Coronavirus: Bis Sonntagmorgen hatten 199.500 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

    Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland mit dem Coronavirus steigen deutlich an. Die Gesundheitsämter haben Sorge, dass sie mit dem Testen und Nachverfolgen der Infektionsketten nicht hinterherkommen. (Symbolbild)
    Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland mit dem Coronavirus steigen deutlich an. Die Gesundheitsämter haben Sorge, dass sie mit dem Testen und Nachverfolgen der Infektionsketten nicht hinterherkommen. (Symbolbild)
    © Foto: DPA

Corona in Deutschland: Die Reproduktionszahl und der7-Tage-R-Wert

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 12.8., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 0,88 (Vortag: 0,97). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.
Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 12.8., 0.00 Uhr, bei 1,04 (Vortag: ebenfalls 1,04). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

RKI Dashboard - Hier stehen Bayern und Baden-Württemberg im Vergleich

Die R-Werte liegen nach RKI-Angaben seit Mitte Juli 2020 wieder bei 1 beziehungsweise leicht darüber. „Dies hängt mit einer größeren Anzahl kleiner Ausbrüche, aber auch mit den bundesweiten Fallzahlen zusammen, die seit den Lockerungen der Maßnahmen sowie durch zunehmende Fälle unter Einreisenden in den letzten Wochen stetig gestiegen sind“, hieß es.
Das Robert-Koch-Institut bereitet seit Beginn der Corona-Krise die aktuellen Zahlen - auch für die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg im Vergleich - auf. Diese werden allerdings etwas zeitversetzt eingepflegt und können sich daher von den oben genannten Werten unterscheiden. Hier geht es zum Dashboard. 

Coronavirus aus dem Urlaub? Das sind die häufigsten Infektionsorte

Mit den Grenzöffnungen sei der Anteil aus dem Ausland eingetragener Infektionen deutlich gestiegen, heißt es im aktuellen Situationsbericht des RKI. In der Meldewoche vom 3. bis 9. August habe er bei 31 Prozent gelegen. Am häufigsten seien bei Ansteckungen im Ausland in den vergangenen vier Wochen Länder des
  • Westbalkans,
  • die Türkei,
  • Bulgarien,
  • Rumänien,
  • Polen und
  • Spanien
als wahrscheinlicher Infektionsort genannt worden.

Corona Zahlen in Deutschland: Spahn zeigt sich besorgt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Mittwoch dem Deutschlandfunk, mit jeder weiteren Zunahme werde es für die Gesundheitsämter schwieriger. Es gelte, „sehr, sehr wachsam“ zu sein. Das Gesundheitssystem könne die derzeitigen Infektionszahlen jedoch noch gut bewältigen.

Corona Zahlen aktuell: Präsident der Ärztekammer warnt vor Panik

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat vor Panik angesichts der auch in Deutschland wieder steigenden Zahl der Corona-Neuinfektionen gewarnt. "Mit Infektionszahlen von 1.200 Infektionen am Tag, wenn die jetzt nicht erheblich weiter ansteigen, können wir im Gesundheitswesen natürlich umgehen", sagte Reinhardt am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk. Es sei in dieser Lage jedoch "richtig, vorsichtig zu sein".
Mit Blick auf die schwere Panne in Bayern, wo 44.000 Ergebnisse von Corona-Tests an Reiserückkehrern geraume Zeit nicht den Betroffenen mitgeteilt wurden, darunter auch rund 900 positive Befunde, sagte Reinhardt: "Wir haben in den letzten 20 Jahren angesichts nicht bestehender Herausforderungen für den öffentlichen Gesundheitsdienst, den leider etwas kaputt gespart." Das räche sich jetzt. Reinhardt forderte, das Gesundheitswesen wieder besser auszustatten.
Zurückhaltend äußerte sich der Ärztepräsident zu der Forderung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), wonach sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten einem zweiten Corona-Test unterziehen sollen. "Die Deutschen haben die Eigenschaft, möglichst alles 100-prozentig zu machen. Das ist keine ganz schlechte", sagte Reinhardt. "Und wenn man 100 Prozent haben möchte, dann muss man natürlich einen zweiten Test durchführen." Ob sich dieser Aufwand allerdings lohne, da mache er "ein Fragezeichen dran".