Brasilien wird von der zweiten Corona-Welle überrollt. Das Land am Amazonas ist weltweit mit am stärksten von der Pandemie betroffen. Mehr als 223.000 Menschen sind dort bislang im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben – das ist die höchste Zahl nach den USA.
Symbolisch für die katastrophale Lage in Brasilien ist die Metropole Manaus. Dort brach jüngst das Gesundheitssystem zusammen, die dramatischen Bilder gehen um die Welt.

Corona in Manaus: Brasilianischer Metropole geht der Sauerstoff aus

„Sie wollen meinen Vater nicht aufnehmen. Er stirbt hier“, ruft Marcos Platiny und zeigt auf einen schwerkranken Mann auf einer Trage. Dann lehnt er sich verzweifelt gegen die geschlossene Tür der Notfall-Krankenstation „Campos Salles“ im Westen von Manaus. Ein Arzt sei noch herausgekommen und habe versucht, seinen Vater zu reanimieren, zu helfen, ihn woandershin zu bringen, erzählt Marcos unter Tränen im Fernsehen. Aber man habe ihm gesagt, dass das vergebens sei.
Es gibt in Manaus fast keine freien öffentlichen Krankenhaus- und Intensivbetten mehr. Das Gesundheitssystem in Manaus ist zum zweiten Mal kollabiert.
Diesmal aber sind nicht nur die Kliniken überfüllt und neue Gräber werden ausgehoben. Diesmal geht den Hospitälern der Zwei-Millionen-Stadt mitten im Regenwald auch noch der Sauerstoff aus. „Das ist das Dramatischste“, sagt Padre Cândido Cocaveli, der von Manaus aus Gemeinden im Bundesstaat Amazonas betreut und dabei vom katholischen Hilfswerk „Adveniat“ unterstützt wird „Es ist der totale Kollaps, auch der Behörden.“

Corona England Einreisesperre für Corona-Mutationsgebiete ab Samstag

Neue Proteste gegen Präsident Jair Bolsonaro

Die Corona-Krise ist auch die Krise des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. In mehreren brasilianischen Städten haben erneut Demonstrationen gegen das Staatsoberhaupt stattgefunden. Im Zentrum der Hauptstadt Brasília versammelten sich am Wochenende etwa 200 Demonstranten. Auf Schildern forderten Protestierende ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bolsonaro. Langsam vorbeifahrende Autofahrer hupten als Zeichen der Zustimmung.
Einige vor dem Parlamentsgebäude stehende Demonstranten trugen gelbe Plastiktüten über dem Kopf - damit verwiesen sie auf die dramatische Lage in der Amazonasregion, wo Corona-Patienten verstorben waren, weil Krankenhäusern der Sauerstoff ausging.
Proteste gegen Bolsonaro fanden auch in São Paulo und Rio de Janeiro statt. Dazu aufgerufen hatten linksgerichtete Parteien und Organisationen. Die Teilnehmerzahlen waren allerdings geringer als bei den Demonstranten am vorherigen Wochenende.

Corona-Krise in Südamerika: So geht es in Brasilien weiter

Experten gehen davon aus, dass sich die Lage in Brasilien im Inneren des Bundesstaates Amazonas verschlimmert, wo die Infrastruktur noch schwächer ist als in der Hauptstadt Manaus. In der Gemeinde Coari etwa, 450 Kilometer von Manaus den Amazonas-Strom hinauf, starben nach Angaben des Nachrichtenportals „G1“ zuletzt sieben Covid-19-Patienten, weil sie nicht mit Sauerstoff versorgt werden konnten. „Das Komplizierte ist: Wir sind 62 Gemeinden im Bundesstaat, und nur die Hauptstadt hat Intensivbetten“, sagt Padre Cândido. Allein der Bundesstaat Amazonas ist etwa 4,5 Mal größer als Deutschland.
Schwer kranke Corona-Patienten aus Coari oder Tefé und São Gabriel da Cachoeira tief im Amazonas-Gebiet, wo die Organisation Ärzte ohne Grenzen Hilfe leistet, mussten bereits zuvor per Schiff oder Flugzeug ins Hunderte Kilometer entfernte Manaus gebracht werden. Pierre Van Heddegem, Brasilien-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen, sagt: „Aufgrund der Überlastung der Krankenhäuser konnten wir in den vergangenen Wochen keine Patienten von Tefé nach Manaus fliegen. Drei Menschen sind gestorben, die mit einer Behandlung in einer größeren Gesundheitseinrichtung eine Überlebenschance gehabt hätten.“

Ermittlungen gegen Brasiliens Gesundheitsminister Pazuello eingeleitet

Wegen des zusammengebrochenen Gesundheitssystems und fehlenden Sauerstoffs für Corona-Patienten wird jetzt gegen Brasiliens Gesundheitsminister Eduardo Pazuello ermittelt. Generalstaatsanwalt Augusto Aras leitete Ermittlungen gegen Pazuello wegen möglichen Fehlverhaltens im Amt ein, wie das Nachrichtenportal G1 berichtete.
Unterdessen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Hilfe nach Brasilien geschickt. In der vergangenen Woche seien 45 Sauerstoff-Zylinder gespendet worden, hieß es in einer Mitteilung der Pan-Amerikanischen Gesundheitsorganisation (Paho) am Montag. Zu der Lieferung gehörten demnach auch 1500 Thermometer zur Temperatur-Messung von Covid-19-Patienten und 4600 Oximeter, die dabei helfen, den Gesundheitszustand eines Patienten zu bestimmen. Zudem wurden 60.000 Schnelltests zur Diagnose von Covid-19 in Aussicht gestellt.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen in Brasilien

  • Infizierte seit Pandemie-Beginn: 9.339.420
  • Genesene seit Pandemie-Beginn: 8.311.881
  • Registrierte Todesfälle: 227.563
  • Quelle: Johns Hopkins University (Stand, 4. Februar, 6:22 Uhr)

Corona Zahlen weltweit

Weltweit gab es seit Beginn der Corona-Pandemie über 100 Millionen Infizierte. Weltweit sind an oder mit dem Coronavirus laut Angaben der Johns Hopkins Universität über 2,2 Millionen Menschen verstorben (Stand 4.2). Brasilien zählt dabei die zweitmeisten Toten. Die meisten Toten (450.681) sind in den USA verzeichnet. Mexiko liegt mit 161.240 auf dem dritten Platz.

Corona in Südamerika: Auswärtiges Amt spricht Reisewarnung für Brasilien und weitere Länder aus

Das deutsche Auswärtige Amt hat die Reiseauflagen wegen der Corona-Pandemie verschärft. Es werden aktuell Reisewarnungen für mehrere südamerikanische Länder ausgesprochen. Betroffen sind unter anderem:
  • Brasilien
  • Argentinien
  • Bolivien
  • Chile
  • Costa Rica
  • Kolumbien
  • Uruguay

Corona-Mutation aus Brasilien in Deutschland nachgewiesen

In Deutschland ist Ende Januar erstmals eine in Brasilien verbreitete Mutation des Coronavirus nachgewiesen worden. Die Coronavirus-Variante sei bei einem Reiserückkehrer in Hessen entdeckt worden, sagte der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne). Es handle sich um den ersten Nachweis dieser Mutante in Deutschland.
Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek sagte, es sei bereits auf dem Flug nach Deutschland gemeldet worden, dass es an Bord eine coronapositiven Menschen geben soll, der aber keine Symptome aufweise. Mit einer PCR-Testung sei dann die in Brasilien kursierende Mutation nachgewiesen worden. Die Sequenzierung sei noch nicht abgeschlossen.
Die aus Brasilien stammende Coronavirus-Variante soll einer südafrikanischen Virusmutation ähneln, die ebenfalls bereits in Deutschland nachgewiesen wurde. Für beide Varianten wird laut Robert-Koch-Institut (RKI) eine „erhöhte Transmissibilität“ diskutiert, also ob das mutierte Virus leichter von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Corona Portugal: Mutation, Zahlen, Einreise - Was jetzt im Risikogebiet mit Reisewarnung gilt

Besonders in Portugal ist die Mutation P1 aus Brasilien verbreitet. Dort schnellen die Zahlen in die Höhe. Die Regeirung reagiert mit strikten Einreisebeschränkungen.