Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lehnt Abweichungen an der von Bund und Ländern festgelegten „Notbremse“ mit Corona-Auflagen bei einer Inzidenz von mehr als 100 ab. Es mache keinen Sinn, die Notbremse etwa auf 150 hochzusetzen, wie es mancherorts diskutiert werde, sagte der CSU-Chef am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Damit Lockerungen überhaupt möglich seien, brauche es eine effektive und über alle Bundesländer hinweg einheitliche Notbremse.
Es müsse einen Automatismus geben, dass Lockerungen zurückgenommen werden, sobald es mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gebe, sagte Söder. Dies sei umso wichtiger, weil der generelle Trend in Deutschland wieder schwieriger werde. „Wir befinden uns in einem Wettlauf mit der Zeit und gleichzeitig in einem Wettlauf mit der Geduld.“ Die Zahlen zeigten, dass wieder „schwierigere Wochen auf uns zukommen“.

Corona Mutation Bayern: Anteil liegt bei fast 60 Prozent

Generell sei in Bayern erkennbar, dass sich die britische Virusmutation „von Ost nach West“ ins Land fräse. Der Anteil der Mutationen liege bereits bei fast 60 Prozent. Auch die Inzidenz steige stark an. Sie liege jetzt bei 89, vor einer Woche habe sie noch bei 71 betragen. In rund einem Drittel der Landkreise sei die Inzidenz bei mehr als 100, nur noch 13 lägen unter 50.
Dass derzeit der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca nicht eingesetzt werden dürfe, „mag verständlich sein, ist aber bitter“, sagte Söder. Jetzt müsse es schnell Klarheit geben, wie mit dem Impfstoff weiter verfahren werde. Zudem sei er dafür, dass Astrazeneca im Falle einer Wiederzulassung allen Menschen frei gegeben werde. Ansonsten werde es schwer, den Impfstoff auf Dauer zu nutzen. Hier seien Hausärzte die richtige Anlaufstelle, da sie am besten ihre Patienten beraten könnten.
Söder will Impfprioritäten aufheben und die Bürokratie entschlacken. „Ich rate uns dazu, zu Geschwindigkeit überzugehen“, sagte er. Aus den Prioritäten könnten Empfehlungen werden, um schneller impfen zu können. Es gelte nicht nur das aufzuholen, was durch zu späte Bestellungen und Lieferungen in Verzug geraten sei, sondern auch um die verlorene Impfzeit durch die Entwicklungen um den Impfstoff Astrazeneca.
Wenn Astrazeneca wieder zugelassen werde, könne er sich vorstellen, es gleich zu den Hausärzten zu geben, sagte Söder. Dort könnte jeder freiwillig entscheiden, ob er das Vakzin bekommen möchte. Er kenne viele, die das sofort nähmen - sich selbst eingeschlossen. Auch die Beratung und Nachsorge könnten die Hausärzte besser leisten.

Söder würde sich mit Astrazeneca impfen lassen

Weiterhin setze Bayern darauf, den Abstand zur zweiten Impfung bei den Stoffen von Biontech und Moderna auf sechs Wochen zu strecken und Impfbürokratie und Dokumentationspflichten zu entschlacken. Es müsse einerseits „gegen Mortalität“ und andererseits „für Mobilität“ geimpft werden. In Regionen, in denen das Infektionsgeschehen besonders hoch sei, sollte prioritär geimpft werden, Arbeits- und Betriebsimpfungen müssten folgen.
Wie es nach dem aktuellen Impfstopp mit den Menschen weitergeht, die aktuell nur eine Impfung mit Astrazeneca bekommen haben, sei noch nicht klar. Nach aktuellem Stand könnten sie ihre benötigte Zweitimpfung nicht mit einem anderen Impfstoff bekommen. Die Politiker gingen allerdings nicht davon aus, dass Astrazeneca nicht zurückkehre.

Diese Corona-Lockerungen gelten in Bayern

In Bayern sind verschiedene Lockerungen in Kraft getreten:
  • Seit dem 8. März sind wieder Treffen mit bis zu fünf Menschen aus einem anderen Hausstand erlaubt.
  • Außerdem sind Buchläden wieder geöffnet, sie werden künftig dem Einzelhandel des täglichen Bedarfs zugerechnet und damit beispielsweise den Supermärkten gleichgestellt.
  • Das gilt aber nicht, wenn die Inzidenz über 100 liegt, dann ist weiter nur Fernunterricht möglich. Etwa ein Drittel der Städte und Kreise in Bayern ist davon betroffen.

Aktuelle Corona-Zahlen für Bayern am 15.03.2021

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Nürnberg und das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) haben am Montag, 15.03.2021, aktuelle Zahlen zu Neuinfektionen, Toten, Genesenen, Inzidenz und Impfungen sowie der Impfquote veröffentlicht. So ist die Lage:
  • Gesamtzahl der mit Corona Infizierten: 459.031
  • Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag: 1.108
  • 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner: 88,86
  • Seit Beginn der Pandemie mit oder durch Corona gestorben: 12.824
  • Neue Todesfälle im Vergleich zum Vortag: 7
  • Bisher genesen laut RKI: Etwa 423.800
  • Fälle der letzten 7 Tage: 11.662
  • Fälle pro 100.000 Einwohner: 3.479,45
  • Einwohnerzahl in Bayern: 13.124.737

Astrazeneca, Biontech und Co.: So viele Menschen sind in Bayern schon geimpft

In Bayern geht es in letzter Zeit besser voran mit der Verabreichung des Impfstoffs. Wie viele Menschen sind im Freistaat aktuell gegen das Coronavirus geimpft? Die aktuellsten verfügbaren Zahlen des RKI gibt es von Montag, 15. März:
  • Ihre erste von zwei nötigen Corona-Impfungen erhielten in Bayern bisher 1.116.691 Menschen.
  • Die Zweitimpfung haben 505.143 Menschen erhalten.
  • Die Impfquote beträgt bei der Erstimpfung in Bayern: 8,51.
  • Die Zweit-Impfquote in Bayern liegt bei 3,85.

Bayern für einheitliche Corona-Testpflicht für Mallorca-Rückkehrer

Zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland wünscht sich Bayern vom Bund eine bundeseinheitliche Testpflicht für Reiserückkehrer von der spanischen Ferieninsel Mallorca. Der Bund müsse überlegen, ob nicht eine verbindliche Testpflicht möglich wäre, sagte Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Alles andere wäre „kein gutes Signal“.
Wie bedenklich die Situation sei, zeige die Sorge auf Mallorca vor einem zu großen Ansturm von Touristen, sagte Söder. „Also deswegen glaube ich wäre es sehr sinnvoll zu überlegen, ob man dann da eine Testpflicht hat.“ Bayern werde in jedem Fall seine Flughäfen mit entsprechenden Testkapazitäten ausstatten, damit sich dort jeder testen lassen könne.
Mit Blick auf die Osterferien zeigte sich Söder skeptisch, was Urlaubsreisen angehe. „Für Pfingsten und den Sommer bin ich allerdings, wenn ich ehrlich bin, sehr optimistisch“, betonte er. Bis dahin könne man bei den Impfungen einen Riesenschritt vorankommen.