Das Verfahren mutet recht umständlich an: Pflegeheime, die Schnelltests gegen Corona-Infektionen nutzen wollen, müssen zunächst ein individuelles Testkonzept erarbeiten. Dann müssen sie ihren Plan dem Gesundheitsamt zur Genehmigung vorlegen. Ist die da, können die Einrichtungen die festgelegte Zahl an Antigen-Tests für zunächst 30 Tage bestellen - und hoffen, dass sie zügig geliefert werden. Fachleute begrüßen diese neue Teststrategie. Doch Patricia Drube vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) spricht nur von einer „Vorstufe von Sicherheit“.

Sind dauerhaft genügend Antigen-Tests verfügbar?

„Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass für den Start ausreichend Tests vorhanden sind. Ob aber wirklich dauerhaft genug Material bereitsteht, bleibt abzuwarten“, sagt Katrin Kell, Fachbereichsleitung Pflege und Senioren der Diakonie Hamburg. „Bestehende Schutzinstrumente der Einrichtungen werden nicht grundlegend verändert, denn wir sehen diese Tests nur als einen weiteren guten und wichtigen Baustein für die Konzepte.“ Denn: „Diese Tests sind nicht so zuverlässig wie die PCR-Tests. Somit gibt es keine absolute Sicherheit und die bisherigen Hygieneregeln müssen weiter gelten.“
„Schnelltests sind kein Allheilmittel. Es braucht weiterhin PCR-Tests zum Virennachweis, um positive Ergebnisse zu bestätigen“, sagt auch Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Ein sicherer Infektionsschutz und eine lückenlose Kontaktdokumentation blieben unerlässlich. Er benennt ein anderes Problem: Zwar könnten die Kosten von bis zu sieben Euro pro Test über den Rettungsschirm der Regierung abgerechnet werden. Zu den Mehrkosten für Personal, die entstehen, weil, Fachkräfte in den Einrichtungen viel Zeit mit den Untersuchungen zubringen, gebe es jedoch noch keine Kostenübernahme.

Corona-Schnelltest verursacht zusätzliche Personalkosten

Diese zusätzlichen Personalkosten seien nach der Rechtsauffassung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) pandemiebedingte Mehrkosten und fielen ebenso wie die Testkits unter den Rettungsschirm für die Pflegeeinrichtungen. Gespräche mit dem GKV-Spitzenverband über die Kostenerstattung liefen, sagt Präsident Bernd Meurer.
Patricia Drube, Referentin für Langzeitpflege und Unternehmerinnen und Unternehmer im DBfK, verweist auf große regionale Unterschiede beim möglichen Start der Schnelltests. Die Heime seien nicht alle gleich gut vorbereitet. Zudem gebe es unterschiedliche rechtliche Regelungen seitens der Bundesländer. So sind Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen ab dem 8. November verpflichtet, Schnelltests zu machen. Das Land hat dazu eine Verordnung erlassen. Die Heime dürften pro Bewohner 20 Schnelltests im Monat verwenden.
Laut Drube ist es jedoch nicht Fall anzuraten, „die Zügel der Prävention locker zu lassen“, wie sie dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Es werde noch vier bis sechs Wochen dauern, bis die neue Teststrategie „in der breiten Umsetzung ist“, denn der Aufwand sei groß. Zu den bereits eingeübten, personalintensiven Vorsorgemaßnahmen komme jetzt hinzu, Bewohner, Personal und Angehörige zu testen. „Dafür fehlen fast überall die Kapazitäten.“ Nach ihrer Wahrnehmung „kriegen die das nicht gestemmt, denn sie können nicht einfach Personal aus der Pflege für die Tests abziehen.“ Deshalb rät sie, zunächst nur das Heimpersonal den Reihentests zu unterziehen.
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Schnelltests für Bewohner, Pflegekräfte und Angehörige nicht zu schaffen

Eugen Brysch kritisiert, dass nicht genügend Tests zur Verfügung stehen. „Bei einem Heim mit 100 Bewohnern und 40 Pflegekräften braucht man 4.200 Tests im Monat.“ Zusätzlich brauche es noch mal mindestens 3.000 Tests, um Besuche von Angehörigen zu ermöglichen. Unter 72 Kits im Monat pro Person sei das nicht zu schaffen. Hier treffe Realität auf ministerielle Praxisferne, sagte Brysch mit Blick auf die laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bisher vorgesehenen 20 Tests je Heimbewohner.
Der bpa rechnet vor: „Die Durchführung eines Schnelltests dauert rund 20 Minuten. Wie viel Personal für die Tests benötigt wird und wie viel Arbeitszeit dafür aufzuwenden ist, hängt von der Größe der Einrichtung ab. Bei veranschlagten 20 Minuten pro Schnelltest wären bei einer Einrichtung mit 100 Plätzen drei Pflegefachkräfte ausschließlich mit der Durchführung der Schnelltests befasst.“