Sich mit Freunden in Bars treffen, ohne Abstand dicht gedrängt beieinander stehen, gemeinsam Sport machen und ohne Maske herumlaufen war lange Zeit nicht möglich – und daran haben sich viele Menschen gewöhnt. Jetzt werden die Corona-Regeln in Deutschland und vielen anderen Ländern kräftig gelockert, mancherorts sollen sie sogar ganz aufgehoben werden. Wenn einem das Angst macht, man sich noch schwer tut im sozialen Miteinander, spricht man vom „Cave-Syndrom“ – also Käfig- oder Höhlen-Syndrom.
  • Was ist das „Cave-Syndrom“?
  • Woher kommt die Angst vor den Lockerungen?
  • Wie geht man mit der Corona-Angst um?
  • Wie wird man das „Cave-Syndrom“ wieder los?
  • Was raten Medizinier und Psychiater?

Corona Cave-Syndrom: Was ist das Cave-Syndrom?

Trotz der wiedergewonnen Freiheiten im privaten und öffentlichen Leben möchten manche Menschen lieber weiterhin zu Hause bleiben. Obwohl die Impfquote steigt und die Corona-Maßnahmen gelockert sind, haben einige Angst davor, wieder zur Normalität zurückzukehren. Und das ist kein Wunder, sagte ein Psychiater kürzlich im Deutschlandfunk Kultur. Beim Cave-Syndrom bleiben die Menschen lieber in ihrerer sicheren „Höhle“ statt rauszugehen.

Angst vor Corona-Lockerungen: Woher kommt das Cave-Syndrom?

Ein Grund für das Auftreten des „Cave-Syndroms“ kann die antrainierte Angst vor dem Coronavirus sein. Die Menschen haben über Monate gelernt, dass soziale Kontakte durch die Ansteckungsgefahr gefährlich sind – man wollte sich und andere vor einer Infektion schützen. Plötzlich ging es aber durch die sinkenden Inzidenzwerte und voranschreitenden Impfungen ganz schnell mit den Lockerungen. Vieles war vom einen auf den anderen Tag wieder erlaubt. So schnell können einige Menschen die Angst vor dem Virus allerdings nicht ablegen. Der Psychiater Claas-Hinrich Lammers sprach im Deutschlandfunk beim „Cave-Syndrom“ daher von einer Anpassungsverzögerung.

Cave-Syndrom loswerden: So gelingt der Weg zurück in die Normalität

Die Corona-Krise ist noch nicht vorbei und durch die Delta-Variante des Virus steigen die Coronazahlen wieder an. Vorsicht ist also durchaus angebracht. Es geht darum, einen Mittelweg zu finden. Bei vielen Menschen legt sich das „Cave-Syndrom“ wahrscheinlich von selbst, wenn sie merken, dass vermeintlich gefährliche Situationen gar keine Gefahr sind. Man sollte sich Schritt für Schritt wieder an die Normalität herantasten und sich veilleicht auch ganz bewusst in früher normale Situationen begeben, sagen die Experten. Es sei ein Lernprozess, oder besser gesagt, ein Verlernprozess der Ängste. Wenn man schon vorher Probleme mit sozialen Kontakten hatte, kann das durch die Corona-Pandemie aber verstärkt worden sein. Dann könnte therapeutische Hilfe nötig sein.

Umgang mit dem Cave-Syndrom: Das sagen die Experten zur Corona-Angst

Sven Steffes-Holländer, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Heiligenfeld Klinik Berlin, sagte der Deutschen Presseagentur, es sei wichtig, zwischen sozialer Unbeholfenheit und einer Angststörung, wo man völlig in einem Rückzug verharrt, zu unterscheiden. Allerdings sei die soziale Unbeholfenheit ein Faktor, der psychische Erkrankungen begünstigen könne. Der Weg zurück zum Normalen dauert eben. „Wir wurden alle in die Richtung geprägt, dass menschlicher Kontakt Gefahr bedeutet. Und das können wir nicht automatisiert ablegen“, sagt Steffes-Holländer. Man könne durchaus von Schreckhaftigkeit im Umgang mit anderen sprechen. „Soziale Situationen werden wieder Teil der Normalität, aber das braucht Zeit“, sagt der Mediziner.