Polizei-Einsatz in Berlin
: Auto prallt auf Tor des Bundeskanzleramts - Fahrer festgenommen - Anschlag wegen des Corona-Gipfels?

Polizeieinsatz in Berlin: Ein Auto ist in das Tor des Kanzleramtes gefahren. Es könnte sich um einen Anschlag wegen des heutigen Corona-Gipfels handeln. Der Fahrer ist in Gewahrsam.
Von
Sven Kaufmann
Berlin
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Ein Auto ist in das Tor des Bundeskanzleramts gefahren. Der Fahrer wurde festgenommen.

Michael Kappeler, dpa

Ein 54-jähriger Mann ist mit seinem Auto in das Tor des Bundeskanzleramtes in Berlin im Ortsteil Tiergarten gefahren. Die Absperrung am in den Amtssitz von Angela Merkel (CDU) wurde dabei beschädigt, das Gitter hielt aber stand. Der Fahrer wurde wegen einer leichten Verletzung kurz in einem Krankenwagen behandelt. Nach Angaben der Berliner Polizei wurde der Mann von der Bundespolizei sofort festgenommen und vernommen. Der Mann hatte einen Rollstuhl dabei, konnte aber auch gehen. Er hat bei der Polizei bereits ausgesagt, inhaltlich wurde dazu aber nichts verraten.

Polizei-Einsatz am Kanzleramt in Berlin

Augenzeugen hatten den Vorfall gemeldet. Zahlreiche Kräfte der Polizei waren im Einsatz, die Ermittlungen laufen. Offen ist, ob es sich um einen ernst gemeinten Anschlag oder eine Protest-Aktion handelt. Die Polizei ermittle in alle Richtungen, hieß es. Möglicherweise hängt der Angriff mit den heutigen Beratungen zum Corona-Gipfel zusammen. Allerdings: Der Wagen war eher langsam als mit Wucht gegen das Tor gefahren. Zudem war der Fahrer offenbar verwirrt. Von einem möglichen echten Terroranschlag war am Nachmittag nicht mehr die Rede.

Der Vorfall ereignete sich während der laufenden Sitzung des Bundeskabinetts. Dieses tagt in der Regel mittwochs morgens im Kanzleramt. Laut Polizeisprecher Thilo Cablitz bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Menschen im Bundeskanzleramt, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Auf der Seite des dunklen Kombis steht in weißer Schrift eine Beschimpfung geschrieben: «Ihr verdammten Kinder und alte Menschen-Mörder»

Michael Kappeler/dpa

Auto vor Bundeskanzleramt mit Sprüchen besprüht

Es handelt sich um einen dunklen Kombi, laut „Bild“ hat er ein Kennzeichen aus dem Kreis Lippe in NRW. Auf den Wagen sind mit weißer Farbe Hass-Sprüche aufgesprüht. Auf der linken Seite des Kombis steht: „Ihr verdammten Kinder- und alte Menschen-Mörder“ und auf der anderen Seite: „Stop der Globalisierungs-Politik“ geschrieben.

Motiv des 54 Jahre alter Fahrers noch unklar

Ein Bild vom Tatort zeigt, wie die Polizei mit einem Spürhund den Wagen untersucht. Von einem Anschlag mit extremistischem Hintergrund geht die Polizei bislang nicht aus. Zur genaueren Motivation des Verdächtigen wollte sich Polizeisprecher Cablitz nicht äußern. „Ob es sich dabei um einen symbolischen Akt handelte oder ob Aufmerksamkeit erregt werden sollte“, müssten die Ermittlungen zeigen, sagte er. Geprüft wird auch ein „psychischer Zustand“.

Schon 2014 ähnlicher Angriff auf Kanzleramt

Mittags wurde schließlich bestätigt, dass der Mann bereits 2014 an der Berliner Regierungszentrale eine fast identische Tat beging. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, „dass der Täter bekannt ist aus einem ähnlichen Vorfall von 2014“. Der damals 48-jährige Mann war mit demselben Auto gegen den Zaun des Kanzleramts gefahren. Fotos von dem Vorfall zeigen den Wagen. Auf der linken Seite stand damals: „Nicole, ich liebe dich“, auf der anderen Seite: „Schluss mit dem Menschen tötenden Klimawandel“. Auch damals wurde der Mann sofort festgenommen.