Brenner in Österreich
: Tirol fordert Lkw-Maut und Tempo beim Bau der Zulaufstrecken

Kaum eine Strecke in Europa ist so stark befahren wie die Brennerautobahn. Nun plant Tirol unter anderem eine Maut für Lastwagen.
Von
Amelie Schröer
Innsbruck
Jetzt in der App anhören
Italienische Grenze: ARCHIV - 03.06.2020, Italien, Brenner: Ein Auto passiert die österreichisch-italienische Grenze. (zu dpa: «Italien führt wegen G7-Gipfel wieder Grenzkontrollen ein») Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Auto passiert die österreichisch-italienische Grenze auf dem Brenner. Für Lkw könnte sich bald die Maut auf der Strecke erhöhen.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa

14,4 Millionen Autos, Lastwagen und Motorräder fuhren im Jahr 2023 über die Brennerautobahn. Davon 2,4 Millionen LKW - doppelt so viele wie Ender der 1990er Jahre. Kaum eine Region in Europa ist so stark befahren wie die in Tirol. Um der Verkehrslage Herr zu werden, wird der Brennerbasistunnel gebaut, geht allerdings erst 2032 in Betrieb. Und selbst dann, ist eine Entlastung der aktuellen Verkehrssituation erst möglich, wenn auch die Zubringerstrecken entsprechend ausgebaut sind. Deshalb fordert die Region Tirol nun ein höheres Tempo beim Bau dieser Strecken. Als Beispiel voran gehen Österreich und Italien, dort sind die Planungen bereits abgeschlossen. In Tirol ist ein Teilstück bereits in Betrieb, in Italien haben die Bauarbeiten bereits begonnen.

Trasse in Deutschland noch nicht beschlossen

Deutschland hingegen hängt hinterher, denn die vorgesehen Trasse soll erst 2025 vom Bundestag überhaupt beschlossen werden. Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte 2017 protestierenden Bürgern im bayerischen Inntal eine neue Bedarfsprüfung zugesagt, in München stellte die CSU/Freie Wähler-Koalition 2018 die Notwendigkeit der Trasse in Frage - eine Position, die beide Parteien mittlerweile wieder geräumt haben.

Dabei bringen die neuen Strecken einige Vorteile. Die ersten Effekte sind schon jetzt auf den fertigen Abschnitten erkennbar, sagt der Tiroler Verkehrslandesrat René Zumtobel: "Schnellere Verbindungen, Kapazitätssteigerungen für den Personen- wie auch den Güterverkehr und erheblich weniger Lärmbelästigung für die Bevölkerung." Zumtobel hofft, dass diese Vorteile auch in Bayern wahrgenommen werden "und dass es nach der Trassenempfehlung nun endlich auch zu einem politischen Bekenntnis für die Zulaufstrecken im deutschen Bundestag kommt.“

Tirol fordert höhere Maut für Lkw

Unterdessen fordert Zumtobel außerdem eine höhere Lkw-Maut auf der bayerischen Inntal-Autobahn, um die Verkehrsflut am Brenner abzumildern. „Viele LKW, die den Brenner nutzen, fahren zusätzliche Mehrwege bzw. Umwege.“ Die Hauptursache dieses Umwegverkehrs sei die günstige Lkw-Maut zwischen München und Verona. „So ist etwa die Lkw-Maut am Brennerkorridor fast dreimal so günstig wie in der Schweiz. Während sie auf dem circa 110 Kilometer langen österreichischen Streckenabschnitt aber durchschnittlich zumindest annähernd auf Schweizer Niveau liegt, ist die Maut auf dem deutschen bzw. italienischen Abschnitt – der drei Mal länger ist – weit unter dem Schweizer Tarif“, kritisierte der österreichische Sozialdemokrat.

"Eine Korridormaut kann nur durch einen Schulterschluss aller drei betroffenen Staaten funktionieren. Eine Erhöhung der Mautgebühren müsste zu einem vergleichbaren Tarif wie durch die Schweiz angesetzt werden, damit sich Umwegverkehre über den Brenner nicht mehr lohnen, die Schiene als Transportalternative wettbewerbsfähig und die Verlagerung für die Frächter attraktiv wird.“

Mit Material von dpa.