Brandanschlag in Berlin
: Molotow-Cocktails auf Synagoge geworfen – weitere Ausschreitungen

Bei einer Synagoge in Berlin hat es einen versuchten Brandanschlag mit Molotow-Cocktails gegeben. Im Stadtteil Neukölln kommt es zu Ausschreitungen. Alle Infos im Überblick.
Von
Philipp Staedele
Berlin
Jetzt in der App anhören

18.10.2023, Berlin: Polizeikräfte stehen vor der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in der Brunnenstraße in Berlin-Mitte. Auf das Haus mit jüdischen Einrichtungen in Berlin hat es nach Angaben der betroffenen Gemeinde in der Nacht zum Mittwoch einen versuchten Brandanschlag gegeben.

Christoph Soeder/dpa

Auf ein Haus mit jüdischen Einrichtungen in Berlin hat es in der Nacht zum Mittwoch einen versuchten Brandanschlag gegeben – und großes Entsetzen ausgelöst. Im Berliner Stadtteil Neukölln kommt es zu Ausschreitungen. Nach Angaben der Polizei hatten zwei vermummte Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch Brandsätze in Richtung der Synagoge geworfen, die das Gebäude jedoch nicht erreichten. Dort ist neben einer Synagoge eine jüdische Kita untergebracht.

Angreifer verfehlen Ziel – kein Feuer ausgebrochen

Die Vermummten hätten gegen 3.45 Uhr zwei mit Flüssigkeit gefüllte, brennende Flaschen in Richtung des Gebäudes in der Brunnenstraße geworfen, teilte die Polizei mit. „Die Flaschen schlugen auf dem Gehweg auf und zerbrachen. Dabei erloschen die Feuer.“ Auf dem Gehweg sei allerdings ein kleines Feuer ausgebrochen. Dieses sei umgehend von einem Mitarbeiter des Zentralen Objektschutzes gelöscht worden.

Die Gemeinde Kahal Adass Jisroel hatte zuvor bei der Plattform geschrieben, Unbekannte hätten zwei Molotow-Cocktails in Richtung ihres Gemeindezentrums geworfen. Nach Angaben von Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verhinderte die Anwesenheit der Polizei, dass die Täter nahe genug an das Gebäude an der Brunnenstraße herangekommen seien, um ihr Ziel tatsächlich zu treffen.

Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz ermittelt wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Noch während der Ermittlungen am Tatort kam es laut Polizei vor der Synagoge zu einem weiteren Vorfall: Gegen 8.00 Uhr sei ein 30-Jähriger mit einem E-Scooter vorgefahren, habe diesen weggeworfen und sei auf das Gebäude zugelaufen. Polizisten hätten den Mann gestoppt und ihn vorläufig festgenommen, hieß es. Der 30-Jährige habe sich gewehrt und dabei volksverhetzende sowie israelfeindliche Parolen gerufen.

Anschlag auf Synagoge löst Entsetzen aus

Der versuchte Brandanschlag auf eine Synagoge in Berlin hat Entsetzen ausgelöst. „Es ist ganz klar, dass wir nicht hinnehmen werden und niemals hinnehmen werden, wenn gegen jüdische Einrichtungen Anschläge verübt werden“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch in Kairo. „Dieser Brandanschlag ist die konsequente Fortsetzung der Verherrlichung des Hamas-Terrors auf deutschen Straßen. Der „Tag des Zorns“ ist nicht nur eine Phrase. Es ist psychischer Terror, der in konkrete Anschläge mündet“, erklärte der Zentralrat der Juden.

Diese Tat „trifft uns ins Herz“, schrieb Berlins Vize-Regierungschefin Franziska Giffey am Mittwoch bei der Plattform X, vormals Twitter. Die SPD-Landesvorsitzende rief zugleich die Bewohner der Hauptstadt zu Wachsamkeit auf. Berlin werde entschlossen und mit allen Mitteln der Sicherheitsbehörden jüdisches Leben schützen. „Das ist auch eine Aufgabe aller Berlinerinnen und Berliner“, so Giffey. „Es ist unerträglich“, kommentierte die FDP-Bundestagsfraktion auf X den versuchten Brandanschlag. „Jüdisches Leben ist fester Bestandteil unseres Landes. Diese Gewalt hat hier nichts verloren!“, schrieb sie.

Proteste und Ausschreitungen bei Protesten in Berlin

Nach einer weiteren Zuspitzung des Nahost-Konflikts war es in der Nacht zum Mittwoch im Berliner Stadtteil Neukölln zu Ausschreitungen gekommen. Es kam zu größeren Einsätzen für Polizei und Feuerwehr. Nach Angaben der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) wurden dabei mehr als 20 Einsatzkräfte verletzt. Auf sie seien an der Sonnenallee, am Hermannplatz und am Pariser Platz Steine und Pyrotechnik geworfen worden, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch auf der Plattform mit.

(mit Material von dpa)