Brand in Dinkelsbühl
: Historischer Turm schwer beschädigt: Erste Schätzung des Schadens

Der Turm des Nördlinger Tors hat am Mittwochmorgen (9. August) gebrannt, Feuer und Löschwasser haben den Turm beschädigt. Einen Verdacht zur Ursache gibt es bereits.
Von
Luca Schmidt
Dinkelsbühl
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  • Mittwochmorgen: Das Nördlinger Tor in Flammen.

    Mittwochmorgen: Das Nördlinger Tor in Flammen.

    Feuerwehr Dinkelsbühl
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    Feuerwehr Dinkelsbühl
  • Die Feuerwehr kämpft gegen die Flammen.

    Die Feuerwehr kämpft gegen die Flammen.

    Feuerwehr Dinkelsbühl
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Feuer in einem mehr als 600 Jahre alten Turm: In Dinkelsbühl hat am Mittwoch (9. August) in den frühen Morgenstunden der Turm des Nördlinger Tors (siehe unten) gebrannt. Gegen 5.30 Uhr bemerkte ein Anwohner ein „Knistern“ und informierte daraufhin die Polizei, wie die Stadt Dinkelsbühl mitteilt. Vor Ort sahen die Polizisten zunächst nichts Verdächtiges. Erst als einer der Beamten die Stadtmauer hinaufging, sah er einen Lichtschein in einem der Fenster. Später quoll auch Rauch aus dem knapp 30 Meter hohen Turm.

Die Feuerwehren aus Dinkelsbühl und Feuchtwangen wurden alarmiert und rückten mit zwei Drehleitern an. Der Brand war zwar um 7.10 Uhr bereits weitestgehend gelöscht, die Feuerwehren waren jedoch noch länger vor Ort, um bei möglicherweise wieder aufflammenden Glutnestern sofort reagieren zu können.

Laut den Einsatzkräften sind die Decken des ersten und zweiten Stockwerks völlig zerstört. Die Flammen gelangten jedoch nicht bis ins dritte Stockwerk. Der Dachstuhl war nicht vom Feuer betroffen und blieb weitestgehend unversehrt.

Durch die große Menge an Wasser, die zum Löschen des Feuers benötigt wurde, entstand jedoch ein großer Wasserschaden am Turm sowie den Nebengebäuden. Unter der Tordurchfahrt tropfte das Löschwasser aus dem Turm heraus. Das Gewölbe ist jedoch nicht beschädigt worden und wird wieder trocknen.

Erste grobe Schätzung zum Sachschaden

Die Schadenshöhe ließ sich zunächst noch nicht sicher abschätzen, da das volle Ausmaß der Zerstörung nicht sofort ersichtlich war. Andreas Ganßer vom Dinkelsbühler Stadtbauamt erklärte gegenüber der Fränkischen Landeszeitung (FLZ), er schätze den Schaden auf rund 130 000 Euro. Der Turm gelte für die Bauleute als Rohbau, weshalb der Schaden sich in Grenzen halte.

Auch die Brandursache ist bisher nicht bekannt. Die Kriminaltechnik der Kripo Ansbach traf am Nachmittag in Dinkelsbühl ein. Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass ein technischer Defekt den Brand ausgelöst hat, so ein Polizeisprecher. Das Technische Hilfswerk Dinkelsbühl war ebenfalls vor Ort und versuchte, einen provisorischen Zugang zum Turm zu ermöglichen, um den Ermittlern einen Einblick zu gewähren.

Turm gehört der Stadt Dinkelsbühl

Eigentümer des Turms ist die Stadt Dinkelsbühl. Die Räumlichkeiten sind jedoch an den Verein Getreue des Königs Gustav Adolf 1632 verpachtet. Im Turm war eine historische Wachstube untergebracht sowie wechselnde Ausstellungen. Auch die historischen Gewänder und Uniformen der Getreuen waren dort aufbewahrt. Von den Ausstellungsstücken ist vermutlich nach dem Brand nicht mehr viel übrig, berichtet die FLZ.

Oberbürgermeister Hammer ist schockiert

„Wir sind schockiert über einen weiteren Brand in unserem Dinkelsbühl“, so Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer. „Ich bin dankbar dafür, dass kein Mensch bei dem Feuer verletzt wurde und unsere Einsatzkräfte so schnell vor Ort waren. Ein großer Dank an dieser Stelle an Feuerwehr, Polizei und THW für ihren unermüdlichen Einsatz in solchen Extremsituationen! Danke auch an die Feuerwehr aus Feuchtwangen für die Unterstützung!“ Hammer ist laut Bayerischem Rundfunk gerade in Schweden. Dort möchte er dem schwedischen Königshaus eine Einladung zur Kinderzeche 2024 zukommen lassen, an der auch der Verein Getreue des Königs Gustav Adolf 1632 mitwirkt. Man habe das schwedische Königshaus schon mehrmals eingeladen, zuletzt Anfang der 2000er–Jahre. Bisher habe es aber immer Absagen gegeben, so der Oberbürgermeister.

Infos zum Turm:

Das Nördlinger Tor ist eines der vier Tore der Stadtbefestigung Dinkelsbühls und wurde um das Jahr 1400 erbaut. Der Name bezieht sich auf die benachbarte Reichsstadt Nördlingen. Der Turm liegt an der alten Heer– und Pilgerstraße (Nordsee — Italien), die rechts der Wörnitz über Mönchsroth, Wilburgstetten und Greiselbach nach Nördlingen führte, heißt es auf der Homepage des Vereins Getreue des Königs Gustav Adolf 1632.

Das heutige Nördlinger Tor wird 1404 fassbar, als dort Gärten Schuldpfand sind. Da 1410 bereits von der Mauer der Nördlinger Vorstadt die Rede ist, könnte um 1390 das heutige Nördlinger Tor schon erbaut gewesen sein. Der innere Nördlinger Turm wird 1425 erstmals genannt.

Laut abschriftlicher Bestückungsliste von 1461 gibt es auf dem Tor eine Schirmbüchse und zehn Pfund Pulver, zehn Kugeln, eine Laterne, ein Beil und allerlei Ladezeug zur Verteidigung. Außerdem eine Steinbüchse „bei den Hütten am Tor.“ In der Viertelordnung von 1473 kommen drei Mann „uff Nordlinger turn“ und drei Mann „unter das tor tzur Buchßen“, ein Mann zum „Schoßgattern“ (Fallgitter) sowie drei Mann „uff die Mauer zum Salwartenturm.“

Die Firsthöhe beträgt 25,5 Meter, bis zum Dachgesims sind es 18,5 Meter. Er ist der kleinste der vier heutigen Tortürme. Der Turm wurde bei der Belagerung 1645 durch die Franzosen vom Friedhof her beschossen, um den Beobachtungsplatz auszuschalten. Deshalb erfolgte eine Renovierung 1655.