Wird jetzt hauptsächlich mit Moderna geboostert? Das könnte in den kommenden Wochen der Fall sein. Der Grund: Das Angebot an Biontech-Impfstoff liegt hinter der hohen Nachfrage zurück. Und: Der Bestand an Moderna-Impfstoffen in Deutschland ist hoch – wird der Impfstoff nicht rechtzeitig verbraucht, läuft er ab und verfällt. Damit das nicht passiert, will Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn die Bestellmenge des mRNA-Impfstoff von Biontech beschränken. Dafür erntet der CDU-Politiker nun Kritik.

Booster Impfung aktuell mit Moderna statt Biontech?

Seit Donnerstag, 18.11., empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff für alle Geimpfte ab 18 Jahren, um die Verbreitung des Coronavirus in Deutschland abzuschwächen. In der Regel sollte die zweite Impfdosis sechs Monate zurückliegen, in Einzelfällen könnte der Zeitraum laut Stiko-Impfempfehlung auch auf fünf Monate verkürzt werden. Ob nach fünf oder sechs Monaten – der Booster soll durch einen mRNA-Impfstoff verabreicht werden. Dafür stehen in Deutschland die Impfstoffe Moderna und Biontech zur Verfügung. Eine Mehrheit in Deutschland wurde mit dem Impfstoff von Biontech erst- und zweitgeimpft. Als dritte Dosis könnte nun aber erstmal hauptsächlich der Moderna-mRNA-Impfstoff zur Verfügung stehen. Das hat zwei Gründe: Zum einen seien laut Gesundheitsministerium 90 Prozent der Bestellungen der Bundesländer jene des Biontech-Impfstoffes. Die Nachfrage sei zu hoch und könne nicht ausgeliefert werden. Deswegen sollen die Länder nun verstärkt den Impfstoff von Moderna als Booster verwenden. Das sei zudem relevant, da die eingelagerten Dosen des US-amerikanischen Unternehmens ab Mitte des ersten Quartals im kommenden Jahr verfallen. Heißt nach Auffassung des geschäftsführenden Gesundheitsministers Jens Spahn: Sie sollten jetzt schnell verimpft werden.

Biontech Bestellobergrenzen, Priorität für Moderna-Impfungen: Kritik an Jens Spahn

Das Gesundheitsministerium deckelte am Wochenende die Bestellmengen für den Biontech-Impfstoff, laut Minister Jens Spahn sei dies alternativlos. Trotz massiver Kritik verteidigt er das Vorgehen: „Ich kann's deswegen nicht zurückziehen, weil es einfach 'ne Frage der verfügbaren Menge ist“, sagte Spahn am Sonntagabend in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. „Wir halten da nichts zurück. Ich kann ja keinen Impfstoff ausliefern von Biontech, der nicht da ist.“ Durch die massive Nachfrage laufe „unser Biontech-Lager gerade leer“, sagt Spahn. „Und es ist einfach so, dass ich im Moment (...) - also ab übernächster Woche, wenn jetzt die große Lieferung war - nicht mehr als zwei bis drei Millionen Impfdosen Biontech zur Verfügung habe.“ Er räumte ein: „Das hätten wir klarer noch kommunizieren müssen.“ Das heiße aber nicht, dass nicht genügend Impstoff da ist: Moderna sei eine gute, genauso wirksame Alternative, sagt der Gesundheitsminister.

Bionteck beschränkt, Moderna verstärkt: Was bedeutet das für die Arztpraxen?

Artpraxen sollen vorerst maximal 30 Dosen Biontech pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1020 Dosen. Dagegen soll es für Bestellungen von Moderna keine Höchstgrenzen geben. Verschiedene Bundesländer und Ärztevertreter kritisierten das Vorgehen des Gesundheitsministeriums scharf. Denn: Während die Booster-Impfungen allmählich anlaufen, besteht die Sorge, dass die Deckelung von Biontech-Bestellungen diese Entwicklung ausbremsen könnte. Und nicht nur für die 3. Impfung könnte das zum Problem werden: Berlins Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz (SPD) schilderte in der „Abendschau“ des RBB, dass er auch Probleme für die Impfzentren der Hauptstadt sehe: „Wir würden dann nicht mal die Zweitimpfungen nach erfolgten Erstimpfungen in der vollen Anzahl durchführen können. Da kann man auch nicht wechseln. Nach einer ersten Biontech-Impfung müssen wir natürlich auch eine zweite Biontech-Impfung anbieten.“ Vertreterinnen und Vertreter von Ärztinnen und Ärzte hatten darauf hingewiesen, dass Menschen, die schon Auffrischungsimpfungen mit Biontech vereinbart haben, zögern könnten, wenn ihnen Moderna angeboten wird, und dass in den Praxen durch viele Nachfragen und Umbuchungen deutliche Mehrarbeit entsteht. Was auch noch dazu kommt: Moderna wird nur für Menschen ab 30 und nicht für Schwangere empfohlen.

Moderna nach Biontech: Gibt es Unterschiede?

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, betonte, die Impfstoffe von Moderna und Biontech seien nahezu „baugleich“. „Daher ist es für die meisten Personen unproblematisch, wenn sie statt Biontech jetzt Moderna bekommen, und zwar egal ob Erstimpfung oder Booster“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Laut des Robert-Koch-Instituts (RKI) sollte bei der dritten Impfung derselbe mRNA-Wirkstoff verwendet werden wie bei der Grundimmunisierung. Wäre dieser jedoch nicht verfügbar, könne auch der andere genutzt werden.

Biontech für Kinder: Kommt jetzt die Corona-Impfung für Kinder?

In den kommenden Tagen wird eine Entscheidung zur Corona-Impfung mit Biontech für Kinder erwartet. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA will über die Zulassung des Biontech/Pfizer- Impfstoffs für Kinder von fünf bis elf Jahren entscheiden. Für diese Altersgruppe steht bislang kein Impfstoff zur Verfügung.