Bettwanzen in Frankreich
: Regierung lädt zur Krisensitzung wegen kleiner Blutsauger

In Frankreich sorgen aktuell Meldungen über den Befall von Bettwanzen für Aufregung. Die Regierung lud jetzt sogar zu einer Krisensitzung.
Von
Daniel Steiger
Paris
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Eine Bettwanze (Cimex lectularius), aufgenommen am Biologischen Institut der Technische Universität (TU) Dresden. Diese kleinen Blutsauger sorgen in Frankreich gerade für Aufregung.

Arno Burgi/dpa

Und das nur wenige Monate vor den Olympischen Spielen. Mit ihrem Rücken voller Bettwanzenbisse verlässt eine Pariserin einen Kinosaal. Berichte darüber haben in Frankreich Aufregung ausgelöst. Sobald irgendwo etwas krabbelt, zücken die Menschen das Handy, fotografieren und fragen sich: Ist das eine Bettwanze? Seit dem Ende der Sommerferien mehren sich in Online–Diensten Beiträge über die Präsenz der nachtaktiven Parasiten in Kinos, Zügen und der Pariser Metro. Alles nur Panik?

Mit Gesetzen gegen die Bettwanzen

Mittlerweile zieht das Thema Bettwanze sogar in der französischen Politik Kreise. Die Präsidentenpartei Renaissance will in der Nationalversammlung über Bettwanzen sprechen und nach Informationen des Senders France Info einen Gesetzesentwurf etwa zu Prävention einbringen. Die linke Partei LFI warf der Regierung hingegen vor, in den vergangenen Jahren nichts gegen die Schädlinge getan zu haben.

Fest steht, dass die schuppigen, etwa einen halben Zentimeter großen Tiere, die zu den Schnabelkerfen zählen, in den vergangenen Wochen mehr Aufmerksamkeit bekommen haben als zuvor. Ein verwackeltes Video eines kleinen Insekts, das am helllichten Tag über den Sitz eines TGV–Zugs krabbelt, kommt mittlerweile auf mehr als sieben Millionen Zuschauer. Die französische Bahn SNCF bat die Autorin im Online–Dienst X (vormals Twitter), die Diskussion in Form persönlicher Nachrichten fortzusetzen.

Bislang hat die SNCF die Präsenz von Bettwanzen in Zügen nicht bestätigt. Allerdings wurden wegen Wanzenbefalls bereits zwei Schulen in Marseille und in der Nähe von Lyon vorübergehend geschlossen. Mehrere Kinobetreiber haben in den vergangenen Wochen Spezialisten angefordert, um die Kinosäle mit Hilfe von Spürhunden zu untersuchen.

„Wer Bettwanzen hat, für den ist es die Hölle“, sagte Gesundheitsminister Aurélien Rousseau, der zugleich betonte, dass es „keinen Grund für allgemeine Panik“ gebe.

Die Blutsauger waren in den 50er Jahren aus dem Alltagsleben weitgehend verschwunden, sind seit bereits drei Jahrzehnten aber zunehmend präsent. Befördert wird dies durch Reisen, das Kaufen von Gebrauchtkleidung, wachsende Resistenz der Tierchen gegen Insektizide und vermutlich auch durch den Klimawandel.

Krisensitzung wegen Bettwanzen in Frankreich

Verkehrsminister Clément Beaune hatte am 4. Oktober 2023 Vertreter der Bahn, des öffentlichen Nahverkehrs und der Flughäfen zu einer Krisensitzung einberufen. Ziel des Treffens sei es, die Nutzer „zu informieren und zu beruhigen“, hieß es.

Die Regierung verweist zudem auf die seit Jahren geltenden Verhaltensregeln: Reisende sollten vermeiden, ihre Koffer auf Hotelbetten abzustellen. Mutmaßlich befallene Wäsche sollte bei 60 Grad gewaschen werden.

Die Aufregung der Politiker hängt nicht zuletzt mit den Olympischen Spielen zusammen, die im kommenden Sommer in Paris und an anderen Orten im Land stattfinden: Angesichts der erwarteten Besucherscharen soll alles getan werden, um einen Imageschaden zu vermeiden. „Wir wollen die Touristen in den besten Bedingungen empfangen“, mahnte der Abgeordnete Robin Reda.

(mit Material von dpa und AFP)