Behörden alarmiert: Mehr Flüchtende nutzen Route über beliebte Urlaubsinsel

Tourismus in Griechenland: ARCHIV - 12.05.2022, Griechenland, Kissamos: Touristen gehen mit Blick auf den Strand von Balos und seine Lagune im nordöstlichen Teil der Insel Kreta entlang. Ein Brand bewegte sich auf einen Tourismusort auf Kreta zu - konnte aber gelöscht werden. (zu dpa: «Großer Brand auf Kreta unter Kontrolle gebracht») Foto: Socrates Baltagiannis/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Socrates Baltagiannis/dpaDas Bild könnte konträrer nicht sein: Auf der einen Seite sonnen sich Urlauberinnen und Urlauber am reinweißen Strand, genießen ihren Urlaub. Doch nicht weit entfernt auf dem Mittelmeer spielen sich auf Flüchtlingsbooten täglich Dramen ab.
Eine beliebte Urlaubsinsel steht derzeit ganz besonders im Fokus der Schleuser, die gegen Geld versuchen, Menschen illegal nach Europa einzuschleusen. Das hat nun auch die EU-Kommission auf den Plan gerufen.
Beliebte Mittelmeerinsel liegt auf Fluchtroute
Kreta ist eine der beliebtesten Urlaubsinseln der Deutschen. Pro Jahr reisen über 5 Millionen Deutsche in den Urlaub nach Griechenland, viele von ihnen besuchen die Insel Kreta. Und das, obwohl in den Sommermonaten Hitzewellen sowie Waldbrände nicht ungewöhnlich sind und die gesamte Region darüber hinaus in einer seismisch aktiven Zone liegt. Aber nicht nur die Wetterbedingungen und Erdbeben machen der Insel zu schaffen, es gibt noch ein weiteres Problem: die Nähe Kretas zu Libyen.
Kreta liegt auf Fluchtroute
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind dieses Jahr bis Ende Juni insgesamt 16.848 Migranten per Boot in Griechenland angekommen. Allein auf Kreta wurden bis Ende Juni 7.135 Ankünfte registriert. Das sind rein rechnerisch fast 40 Menschen pro Tag.
Migranten und Migrantinnen sind nach Definition der Internationalen Organisation für Migration (IOM) alle Menschen, die ihren Wohnort verlassen – egal aus welchen Gründen, wie lange oder ob freiwillig oder unfreiwillig. Flüchtende dagegen suchen Schutz vor Krieg oder vor drohender Verfolgung, etwa wegen ihrer Religion, Nationalität oder ihrer politischen Überzeugung. Damit sind Flüchtende auch Migrantinnen und Migranten, aber nicht alle Migrantinnen und Migranten sind Flüchtlinge.
Die Zahl der auf Kreta eingetroffenen Migranten stiegt nach Angaben des für die Küstenwache zuständigen Ministers Vassilis Kikilias im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um rund 350 Prozent. Die Route von der libyschen Hafenstadt Tobruk nach Kreta entwickelt sich demnach zunehmend zu einer der wichtigsten Fluchtrouten über das Mittelmeer.
Pro Kopf zahlen die Menschen Schleuserbanden für die gut 300 Kilometer lange Fahrt Tobruk-Kreta zwischen 4.000 und 6.000 Euro, wie kretische Medien berichten. Auf der Karte unten ist die Tobruk markiert. Boote mit Migrantinnen und Migranten werden größtenteils südlich der Touristeninsel von Frachtschiffen aufgenommen und an die Küstenwache übergeben.
Nach Angaben der griechischen Küstenwache sind allein seit Freitag (4. Juli 2025) rund 750 Migranten auf Kreta eingetroffen, die ihre Überfahrt von der libyschen Küste aus angetreten hatten.
EU-Kommissar schaltet sich ein
In der kommenden Woche will der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, gemeinsam mit den Migrationsministern Griechenlands, Maltas und Italiens die libysche Regierung in Tripolis besuchen. Brunner zeigt sich besorgt über die Entwicklungen und hatte bei einem Besuch in Athen kürzlich erklärt, der Termin in Libyen sei von großer Bedeutung. Die EU wolle damit zeigen, dass sie in Zusammenhang mit dieser Route geschlossen handelt.
