Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unterstützt den von der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina geforderten „harten Lockdown“ mit Geschäftsschließungen ab Weihnachten. Söder betonte: Auch für einen „harten Lockdown“ brauche es einheitliche Regelungen für ganz Deutschland.

Bayern würde Lockdown in ganz Deutschland mittragen

Wenn das eine Empfehlung der Ministerpräsidentenkonferenz werde, werde Bayern dies auch machen, sagte der CSU-Chef am Dienstag in seiner Regierungserklärung im bayerischen Landtag. Söder habe sich mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) lange darüber ausgetauscht und beide seien zu diesem Schritt bereit.

Einzelhandel in Bayern im Lockdown

Die „Bild“ will aus Regierungskreisen erfahren haben, dass Söder den Einzelhandel aber auch unabhängig von einer gemeinsamen Entscheidung aller Bundesländer schließen werde. „Wir müssen Kontakte reduzieren und die Kontakte, die wir reduzieren, sind auch bei den Geschäften“, sagte Söder am Dienstag.
Bisher hatte die Koalition von CSU und Freien Wählern diesen Schritt gescheut und setzt bei einer ab Mittwoch geltenden Verschärfung der Infektionsschutzmaßnahmen auf:
  • Einschränkungen an Schulen,
  • landesweit strengere Ausgangsbeschränkungen,
  • nächtliche Ausgangssperren in Hotspots
  • sowie mehr Schutz für die Bewohner in Alten- und Pflegeheimen.

Leopoldina: Jahreswechsel für „harten Lockdown“ nutzen

Angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen fordert die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina eine drastische Verschärfung der Corona-Beschränkungen bereits ab kommender Woche. Die Feiertage und der Jahreswechsel sollten für einen „harten Lockdown“ genutzt werden, um die deutlich zu hohen Neuinfektionen schnell zu verringern, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme.
In einem ersten Schritt sollte die Schulpflicht ab kommendem Montag (14. Dezember) bis zu den Weihnachtsferien aufgehoben werden. Ab 24. Dezember bis mindestens 10. Januar sollte dann „in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen“.

Corona-Krise: Bald nur noch systemrelevante Geschäfte offen?

In einem solchen „harten Lockdown“ sollten alle Geschäfte bis auf die des täglichen Bedarfs mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen notwendigen Waren schließen.
Homeoffice müsse, wo möglich, die Regel sein. Soziale Kontakte seien auf einen sehr eng begrenzten Kreis zu reduzieren. Die Weihnachtsferien in Bildungseinrichtungen und ein eingeschränkter Betrieb in Firmen und Behörden böten nun die Chance, in der Pandemie-Eindämmung ein großes Stück voranzukommen.
Zwar erhöhten sich so kurzfristig Wertschöpfungsverluste. „Aber zugleich verkürzt sich der Zeitraum, bis die Neuinfektionen so weit gesunken sind, dass Lockerungen möglich sind“, erläutern die Wissenschaftler.

Söder hält vorerst an Lockerungen über Weihnachten fest

In seiner Rede betonte Söder aber, dass er weiter an den von Bayern geplanten Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen über Weihnachten, konkret vom 23. Dezember bis zum zweiten Weihnachtstag, festhalten wolle. Doch auch hier deutete er anders als in den vergangenen Tagen noch ein mögliches Umdenken an: „Sollten die Infektionszahlen trotz der ganzen Maßnahmen dramatisch steigen, werden wir uns das noch mal genau anschauen.“ Generell gebe es keine Garantie, dass die Maßnahmen reichten. „Aber je mehr wir tun, desto größer ist die Chance.“
Neben einem sich verstärkenden „Schlendrian“ bei der Beachtung der Infektionsschutzauflagen machte Söder auch ein sich „durch das Land fressendes“ Virus verantwortlich, welches mit Unwahrheiten die Akzeptanz der Menschen untergrabe. Statt jedoch stets nach Schlupflöchern in den Vorgaben zu suchen, forderte er die Menschen auf, mehr Verantwortung füreinander zu übernehmen.