Anschlag in Solingen: IS-Miliz beansprucht Anschlag in Solingen für sich

Menschen legen auf Neumarkt in Gedenken an die Opfer der Messerattacke auf dem Solinger Stadtfest Blumen ab und zünden Kerzen an.
Henning Kaiser/dpaNach dem tödlichen Messerangriff von Solingen schließt die Staatsanwaltschaft einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Ein anderes Motiv habe man bisher nicht erkennen können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Markus Caspers bei einer Pressekonferenz in Wuppertal. Viele Fragen bleiben nach der Tat mit drei Toten und mehreren Verletzten vom Freitagabend aber offen. Dazu zählen etwa das genaue Motiv des flüchtigen Täters, seine Identität sowie die Rolle eines bereits festgenommenen 15-Jährigen.
Der unbekannte Täter hatte am Freitagabend auf einem Jubiläumsfest der Stadt Solingen im Bergischen Land offenbar willkürlich auf Umstehende eingestochen. Anschließend entkam er im Tumult und in der anfänglichen Panik. Zwei Männer im Alter von 67 und 56 Jahren sowie eine 56 Jahre alte Frau starben. Acht Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Polizeiführer Thorsten Fleiß sagte, man gehe nach aktuellem Stand und nach Auswertung ersten Bildmaterials davon aus, dass es „ein sehr gezielter Angriff auf den Hals“ der Opfer war.
Islamischer Staat (IS) hat Anschlag in Solingen für sich beansprucht
Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag im nordrhein-westfälischen Solingen für sich beansprucht. Ein „Soldat“ des IS habe den Angriff „auf eine Versammlung von Christen in der Stadt Solingen in Deutschland“ am Freitag verübt, teilte das IS-Propaganda-Organ Amaq am Samstag im Onlinedienst Telegram mit. Der Angreifer habe damit „Rache“ für Muslime in den Palästinensergebieten und anderswo auf der Welt geübt.

Nach der Messerattacke auf dem Solinger Stadtfest
Henning Kaiser/dpaPolizei mit starken Kräften in Flüchtlingsheim in Solingen
Die Polizei ist in Solingen möglicherweise dem Messerangreifer auf der Spur, der am Freitag drei Menschen getötet hat. Derzeit wird eine Flüchtlingsunterkunft durchkämmt.
„Wir haben Hinweise erhalten, und aufgrund dessen führen wir gerade polizeiliche Maßnahmen durch“, sagte ein Polizeisprecher. Auch ein Spezialeinsatzkommando sei im Einsatz. Der Bereich werde von einer Hundertschaft abgesperrt.
Auch ein Spezialeinsatzkommando sei im Einsatz. Der Bereich werde von einer Hundertschaft abgesperrt.
Gegen 15-Jährigen steht die Nichtanzeige einer geplanten Straftat im Raum
Meldungen, wonach die Tatwaffe bereits gefunden worden sei, bestätigte Fleiß nicht. Man habe mehrere Messer sichergestellt, „die wir jetzt einzeln untersuchen werden“. So solle geklärt werden, welches der Tat zuzuordnen sei. Viele Details, etwa zu den Messern oder zum Ablauf der Tat, blieben aus ermittlungstaktischen Gründen unbeantwortet.
Bereits festgenommen wurde ein 15 Jahre alter Jugendlicher, den die Polizei aber nicht für den Täter hält. Als möglicher Vorwurf gegen ihn steht die Nichtanzeige geplanter Straftaten im Raum. „Nach vorliegenden Zeugenaussagen soll eine bislang unbekannte Person kurz vor dem Angriff mit dem Jugendlichen über Absichten gesprochen haben, die zur Tatausführung passen würden“, sagte Caspers.
Es laufen Polizeiaktionen in ganz Nordrhein-Westfalen und im gesamten Bundesgebiet, wie Polizeiführer Fleiß sagte. Er sprach von umfangreichen Ermittlungsmaßnahmen.

Nach der Messerattacke auf dem Solinger Stadtfest lässt ein Diensthundeführer einen Mantrailerhund an einer Geruchsprobe schnuppern, der Hund nimmt daraufhin die Spur nach einem Täter auf.
Christoph Reichwein/dpaFaeser kündigte erst kürzlich Verschärfung des Waffenrechts an
Über das Hinweisportal der Polizei können Zeugen des Geschehens Handyfotos und Videos hochladen (www.nrw.hinweisportal.de). Die Stadt Solingen wiederum richtete für Bürger eine Hotline für Fragen nach Vermissten ein (0212 - 290-2000). Bei der Polizei hätten sich Anfragen besorgter Angehöriger gehäuft, hieß es.

Nach dem Anschlag mit mehreren Toten auf dem Solinger Stadtfest kommen Hendrik Wüst (CDU, r), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD, l) und Herbert Reul (CDU. M), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, an.
Henning Kaiser/dpaInnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte angesichts der Zunahme von Messerangriffen erst kürzlich eine Verschärfung des Waffenrechts angekündigt. In der Öffentlichkeit sollen Messer demnach nur noch bis zu einer Klingenlänge von sechs Zentimetern statt bisher zwölf Zentimetern mitgeführt werden dürfen. Für gefährliche Springmesser soll es ein generelles Umgangsverbot geben.